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Gut gerüstet für die Steuer

Den meisten Menschen ist die Steuererklärung ein Greuel. Doch die Mühe lohnt: Die Mehrheit bekommt Geld zurück. stern.de erklärt, was Sie für die Steuererklärung wissen müssen.

Wer die Grundregeln kennt, tut sich mit der Einkommenssteuererklärung schon gar nicht mehr so schwer

Wer die Grundregeln kennt, tut sich mit der Einkommenssteuererklärung schon gar nicht mehr so schwer

Die Steuer, die jeden Monat vom Gehalt abgezogen wird, beruht nur auf einer Schätzung. Es wird davon ausgegangen, dass ein Standard-Arbeitnehmer das ganze Jahr über zu einem gleichen Lohn arbeitet und kaum steuerrelevante Ausgaben hat. Mit der Steuererklärung soll die Arbeits- und Lebenssituation des Steuerzahlers besser berücksichtigt werden. Neun von zehn Steuerzahlern bekommen Geld zurück, weil sie zahlreiche Ausgaben von der Steuer absetzen können.

Wer es zum Stichtag 31. Mai nicht mehr schafft, mit der Abgabe, kann auch eine Fristverlängerung beantragen. Oder er nimmt sich einen Steuerberater, dann verschiebt sich der Abgabetermin ebenfalls nach hinten.

Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Grundsätzlich gilt: Wer seinen Wohnsitz in Deutschland hat, muss sein Einkommen erklären. Für Selbstständige und Freiberufler ist die Steuererklärung Pflicht. Arbeitnehmern, die monatlich abführen und Sozialabgaben leisten, ist sie dagegen freigestellt. Kann das Finanzamt jedoch eine Nachzahlung erwarten, etwa wenn Nebeneinkünfte wie Renten oder Mieten die Grenze von 410 Euro überschreiten, muss eine Steuererklärung abgegeben werden. Dies gilt auch für diejenigen, die sich auf der Lohnsteuerkarte einen Freibetrag haben eintragen lassen, um die laufende Lohnsteuer zu mindern (Ausnahme: Behinderte).

Zur Abgabe ist ebenfalls verpflichtet, wer:

  • im Steuerjahr eine Abfindung erhalten hat
  • mehr als 410 Euro an Eltern-, Kranken-, Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld bekommen hat (Ausnahme: ALG II)
  • bei mehreren Arbeitgebern tätig war
  • in den Steuerklassen V oder IV plus Faktor oder VI geführt wurde

Achtung: Bei Geschiedenen oder getrennt lebenden Eheleuten ist eine Steuererklärung ebenfalls Pflicht, wenn der Ex-Partner Unterhalt zahlt und diesen als Sonderausgabe absetzt. Für Rentner dagegen heißt es rechnen: Übersteigt die Summe der Einkünfte aus Pensionen, Mieten und Kapitaleinnahmen den Grundfreibetrag von 8004 Euro (Stand 2011), ist auch hier eine Steuererklärung fällig.

Wie funktioniert das Absetzen von der Steuer?

Grundlage der Besteuerung ist das Gesamteinkommen - also Lohn plus Nebeneinkünfte, Mieteinnahmen und Einnahmen aus Geldanlagen. Von dieser Summe werden dann Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen abgezogen - das wird "von der Steuer absetzen" genannt. Damit wird also nur das Einkommen gemindert; wie hoch die Steuerersparnis ist, hängt dann davon ab, wie hoch der jeweilige Steuersatz des Steuerzahlers ist. Anders ist es beim Steuerbonus für Handwerker - hier werden steuerlich anerkannte Ausgaben direkt von der Steuerschuld abgezogen.

Was kann ich von der Steuer absetzen?

Im Prinzip gibt es nur die vier bereits genannten Gruppen steuerrelevanter Ausgaben: Werbungskosten sind alle beruflich bedingten Ausgaben, darunter die Pendlerpauschale für den Weg zur Arbeit, Fachbücher, Arbeitscomputer oder Kinderbetreuung. Die zweite Gruppe sind die Sonderausgaben, das sind vor allem Ausgaben für Altersvorsorge, Spenden oder die Kirchensteuer. Hinzu kommen die sogenannten außergewöhnlichen Belastungen, etwa Ausgaben für Krankheiten oder Scheidung. Zuletzt gibt es noch einen Steuerbonus für Ausgaben für Handwerker oder Haushaltshilfen.

Welche Unterlagen sind für die Steuererklärung wichtig?

Einige wichtige Daten für die Steuererklärung erhalten Angestellte mit einer Bescheinigung ihres Arbeitgebers - dort sind etwa Lohn, die gezahlten Steuern und Sozialversicherungsbeiträge ausgewiesen. Sie müssen in die Steuererklärung eingetragen werden. Viele Ausgaben, die von der Steuer abgezogen werden können, müssen belegt werden. Wichtig ist, dass gekaufte Artikel möglichst genau auf der Quittung verzeichnet sind. Für andere Angaben flattern Steuernachweise in den ersten Wochen des Jahres ins Haus - etwa von Banken oder Versicherungen. Am besten immer sofort abheften, damit diese Unterlagen später bei der Erstellung der Steuererklärung gleich parat liegen.

Steuererklärung schriftlich oder elektronisch?

Es ist es Ihnen überlassen, auf welchem Weg Sie die Steuererklärung erledigen. Allerdings wird die elektronische Steuer­erklärung oft schneller als die konventionelle bearbeitet. Außerdem sind dann weniger Belege nötig. Neuerdings lassen sich damit sogar mehrere Erklärungen parallel bearbeiten - zum Beispiel auch die für den Lebensgefährten.

Im Handel gibt es eine Reihe von Programmen, die Sie bei Ihrer Steuererklärung unterstützen, das Preisspektrum liegt zwischen 10 und 60 Euro. Für einfache Steuerfälle reicht die kostenlos vom Finanzamt zur Verfügung gestellte Software "Elster" hingegen völlig aus.

Wo finde ich professionelle Hilfe?

Wenn Sie sich nicht alleine an die Formulare trauen, können Sie sich einfach Hilfe holen: Die Mitgliedschaft in einem Lohn­steuerhilfeverein kostet je nach Höhe Ihrer Einnahmen zwischen 40 und 400 Euro im Jahr. Adressen zu Vereinen in Ihrer Nähe finden Sie auf der Website des Bundesverbandes der Lohnsteuervereine e.V. Beraten werden allerdings in der Regel keine Menschen, die Einkünfte aus selbstständiger Arbeit, aus Gewerbe-, Land- oder Forstwirtschaft erzielen.

Viele Steuerberater sind dagegen eher auf Selbstständige und Firmen spezialisiert. Einen Steuerberater finden Sie über die Homepage des Deutschen Steuerberaterverbandes e.V. und die Bundessteuerberaterkammer.

Eines können Ihnen die professionellen Helfer aber nicht abnehmen: Sowohl beim Lohnsteuerhilfeverein als auch beim Steuerberater müssen Sie ebenfalls Ihre Belege sammeln und Ihre Unterlagen übersichtlich zusammenstellen.

Bis wann muss ich die Steuererklärung abgeben?

Die Frist endet am 31. Mai 2012. Wer auf Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater setzt, hat aber bis zum Jahresende Zeit. Sollten Sie bemerken, dass die Zeit für Sie bis Ende Mai zu kurz wird, können Sie durch einen Antrag auf Fristverlängerung einen Aufschub erreichen.

mh/AFP/AFP

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