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So kriegen Sie mehr Netto vom Brutto

Startschuss für die Steuererklärung: Arbeitnehmer erhalten in diesen Tagen ihren Lohnsteuerbescheid 2011. Wie Sie mehr Geld vom Finanzamt zurückholen, verrät "Wiso"-Steuerexperte Michael Opoczynski.

Man muss gar kein ausgebuffter Profi sein, um vom Finanzamt Geld zurück zu bekommen. Schließlich kann jeder, der Steuern zahlt, auch Steuern sparen - und zwar ganz legal.

In der Tat können sich Steuerzahler sehr oft Hoffnung auf eine Steuerrückzahlung machen. Dass jemand aufgrund eines Versehens beim Finanzamt 85.000 Euro zu viel zurückbekommt und die dann auch noch behalten darf – so ist es kürzlich einem Steuerzahler im Saarland passiert – das ist natürlich unwahrscheinlich. Die Stiftung Warentest hat ausgerechnet, dass man mit der Steuererklärung im Schnitt über 800 Euro zu viel gezahlter Steuern zurückbekommt. Die tatsächliche Erstattung hängt natürlich vom Einzelfall ab.

Wer eine Steuererklärung für 2011 machen muss, sollte nicht zu lange warten. Denn die Erklärung muss bis zum 31. Mai 2012 beim Finanzamt sein.

Sparmöglichkeiten bei der Steuer gibt es dabei reichlich - man muss sie nur entdecken. Denn mit ein paar cleveren Tricks lässt sich das Jahreseinkommen leicht steigern. Michael Opoczynski, Moderator und Redaktionsleiter des ZDF-Verbrauchermagazins Wiso hat für stern.de die wichtigsten Spartipps für die Steuererklärung 2011 zusammengestellt.

Wie findet man raus, ob sich eine Steuererklärung lohnt?

Am einfachsten ist es, man vergleicht seine Situation für 2011 mit dem Vorjahr. Und wenn sich 2011 die steuerlich absetzbaren Ausgaben erhöht haben, die steuerpflichtigen Einnahmen aber in etwa gleich geblieben sind, dann kann man mit einer Steuererstattung rechnen. Eine Rückzahlung kann es ebenso geben, wenn ein Arbeitnehmer erst im Laufe des Jahres angefangen hat zu arbeiten. Steuerlich günstig ist es auch, wenn man im Jahr 2011 geheiratet hat und dadurch den günstigen Tarif für Ehepaare nutzen kann.

Unter welchen Umständen bekommt man die Abgeltungssteuer zurück?

Von der Bank zu viel einbehaltene Abgeltungsteuer auf Zinsen und Dividenden gibt’s vom Finanzamt zurück, wenn der maximal mögliche Freistellungsbetrag von 801 Euro pro Person nicht voll ausgeschöpft wurde – oder wenn der persönliche Steuersatz unter 25 Prozent liegt. Genauso erhält man Abgeltungssteuer zurück, wenn frühere Verluste aus Spekulationsgeschäften mit Gewinnen aus Wertpapierverkäufen verrechnet werden.

Welche Werbungskosten können Arbeitnehmer absetzen?

Für die meisten Steuerzahler bringt die Ausgabenseite das größte Sparpotenzial, denn die steuerpflichtigen Einnahmen – zum Beispiel das Gehalt oder die Rente – stehen fest. Und um Steuern zu sparen, müssen die Ausgaben so hoch sein, dass ein vom Finanzamt gewährter Pauschbetrag überschritten wird. Sonst lohnt es sich auch nicht, seine Ausgaben in der Steuererklärung einzeln aufzuführen.

Welche Pauschbeträge müssen überschritten werden, um überhaupt Geld zurückzubekommen?

Am wichtigsten ist der Werbungskosten-Pauschbetrag von 1000 Euro im Jahr, den jeder Arbeitnehmer erhält. Dieser Betrag wird bereits beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Wer aber mit seinen beruflichen Ausgaben und Kosten darüber liegt und dafür im Jahr 2011 noch keinen Lohnsteuerfreibetrag beantragt hatte, der bekommt mit der Steuererklärung 2011 auch Geld zurück.

Mit welchen Ausgaben kommt man am ehesten über den Arbeitnehmer-Pauschbetrag?

Arbeitnehmer, die 2011 mindestens 15 Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt wohnten und jeden Tag mit dem Auto oder der Bahn zur Arbeit fuhren, liegen mit ihren Fahrtkosten schon über dem Pauschbetrag. Das Gleiche kann der Fall sein, wenn zu Hause ein Arbeitszimmer genutzt wird oder wenn am Beschäftigungsort eine Zweitwohnung angemietet wurde, um schneller bei der Arbeit zu sein. Auch Arbeitsmittel wie Computer oder Fachliteratur, Reisekosten im Außendienst oder Fortbildungskosten können zu einer Steuererstattung führen.

Welche Ausgaben kann man dem Finanzamt aufs Auge drücken, um Steuern zu sparen?

Auf Kosten des Finanzamts Geld ausgeben, davon träumt jeder. Am Wichtigsten sind dabei die berufsbedingten Kosten, wie zum Beispiel die Fahrten zur Arbeit oder auch Ausgaben für Kinderbetreuung. Auch kann jeder Steuerzahler sogenannte "Sonderausgaben" absetzen, zum Beispiel Versicherungsbeiträge, Kirchensteuer, Spenden oder auch den Unterhalt an den Ex-Ehepartner. Und schließlich gibt's noch die außergewöhnlichen Belastungen, wie etwa Kosten für eine Scheidung, bei Krankheit und Pflege - oder wenn man einen nahen Angehörigen unterstützt.

Kann man die Kosten für Medikamente von der Steuer absetzen?

Kosten für Medikamente sind steuerlich nur mit einem ärztlichen Rezept absetzbar. Zusätzlich verlangt das Finanzamt für bestimmte Behandlungen, wie zum Bespiel eine Kur, sogar ein vorher ausgestelltes Attest vom Amtsarzt. Außerdem müssen Ihre Krankheitskosten einen individuell hohen Betrag überschreiten, bevor ein Steuerabzug überhaupt möglich ist. Am besten, man rechnet sich mit einer Steuersoftware die Höhe der abziehbaren Krankheitskosten in Ruhe zu Hause selbst aus.

Viele Berufstätige beschäftigen eine Hilfe im Haushalt. Was kann man dabei von der Steuer absetzen?

Steuerlich absetzbar sind insbesondere die Kosten für eine Haushaltshilfe, für eine Putzfrau oder einen Gärtner. Aber auch Ausgaben für die Betreuung der eigenen minderjährigen Kinder zu Hause durch eine Tagesmutter oder für die Pflege eines erkrankten Angehörigen sind steuerbegünstigt. Und sogar die Kosten eines privaten Umzugs können Sie in der Steuererklärung geltend machen.

Wie setzt man Kosten für Handwerker von der Steuer ab?

Wer im Jahr 2011 zum Beispiel einen Maler oder Tapezierer damit beauftragt hat, die eigene oder auch die gemietete Wohnung auf Vordermann zu bringen, der bekommt 20 Prozent der Arbeitskosten – nicht des Materials – vom Finanzamt zurück. So ist maximal eine Steuerersparnis von 1200 Euro drin. Praktisch ist: Dem Finanzamt müssen Sie die Rechnung und den Überweisungsbeleg nur auf Anforderung vorlegen.

Was muss man beim Thema Kindergeld beachten?

Das Kindergeld für minderjährige Kinder ist völlig unproblematisch. Aufpassen müssen aber Eltern volljähriger Kinder. Denn für sie besteht 2011 nur Anspruch auf Kindergeld, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Und diese müssen Sie in der Steuererklärung in der Anlage Kind nachweisen. Können Sie das nicht, verlangt das Finanzamt von den Eltern das von der Familienkasse bereits gezahlte Kindergeld sogar wieder zurück.

Unter welchen Umständen müssen Eltern Kindergeld zurückzahlen?

Das kann passieren, wenn das Kind im Jahr 2011 ein eigenes Einkommen hatte. Zum Beispiel weil es als Student während der Semesterferien gejobbt hat. Wichtig ist, dass das Kindeseinkommen im Jahr 2011 nicht über 8004 Euro lag. Beträgt die Summe aller Einkünfte und Bezüge des Kindes 8005 Euro oder mehr, dann müssen die Eltern das gesamte Kindergeld wieder zurückzahlen. Zum Einkommen zählen nicht nur Gehälter oder Zinsen, sondern auch Bafög-Zuschüsse, nicht aber die Finanzspritze durch die Eltern.

Was sollte man machen, wenn das Kind 2011 zu viel verdient hat?

Ergibt die Berechnung mit einer Steuer-Software, dass die Einkommensgrenze von 8.004 Euro überschritten ist, dann rate ich den Eltern, wirklich alle möglichen Ausgaben des Kindes in der Steuererklärung auch anzugeben. Abgezogen werden dürfen zum Beispiel Sozialversicherungsbeiträge, Semester- und Studiengebühren, Fahrtkosten zur Uni, Bücherkosten, oder die Ausgaben für einen Computer – sogar dann, wenn die Eltern den gekauft haben. Und hat das Kind Zinsen und Dividenden erhalten, dann darf davon der Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro abgezogen werden.

Ein Tipp speziell für Eltern behinderter Kinder

Wichtig für Eltern behinderter Kinder könnte ein neues Urteil des Bundesfinanzhofs sein. Der hat kürzlich entschieden, dass Eltern auch dann Anspruch auf Kindergeld haben, wenn das Kind erst sehr spät wegen seiner Behinderung arbeitsunfähig geworden ist. Im vorliegenden Fall war das Kind schon 43 Jahre alt, als es nicht mehr in der Lage war, seiner Arbeit in der Behindertenwerkstatt nachzukommen. Die Familienkasse musste die Kindergeldzahlung an das Kind wieder aufnehmen.

Können sich Selbstständige den Steuerberater sparen?

Wer buchführungspflichtig oder sogar bilanzierungspflichtig ist, sollte sich professionelle Hilfe für die Steuererklärung holen. Viele Selbstständige ermitteln aber ihren Gewinn oder Verlust nur mit Hilfe einer einfachen Einnahmen-Überschussrechnung. Und dafür braucht man nicht unbedingt einen Steuerberater, zumal dessen Honorar höher sein kann als die erzielte Rückerstattung. Auf jeden Fall sollten Selbstständige eine gute Steuersoftware verwenden, um schon ihre Einnahmen-Überschussrechnung fehlerfrei und vor allem vollständig zu erstellen.

Was müssen Selbstständige beachten, die umsatzsteuerpflichtig sind?

Die Jahres-Umsatzsteuererklärung wird von einer guten Steuersoftware gleich automatisch anhand der eingegebenen Einnahmen und Ausgaben mit erzeugt. Man muss aber darauf achten, dass bei der Gewinnermittlung die 2011 ans Finanzamt monatlich oder vierteljährlich gezahlten Umsatzsteuervorauszahlungen nicht vergessen werden. Denn diese mindern als Betriebsausgaben auch den steuerpflichtigen Gewinn.

Gibt es einen Tipp, wie jeder Selbstständige seine Einkommensteuer für 2011 senken kann?

Dafür eignet sich der sogenannte Investitionsabzugsbetrag. Damit kann eine bis Ende 2014 geplante Anschaffung oder Investition schon vorab für 2011 gewinnmindernd abgesetzt werden. Das geht zum Beispiel für den erst später geplanten Kauf eines neuen Computers oder eines neuen Pkws für den Betrieb: 40 Prozent des voraussichtlichen Kaufpreises dürfen Sie dann schon 2011 als Betriebsausgaben abziehen. Und damit spart man schon vorab Steuern.

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