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Wie Sie mehr Geld vom Finanzamt zurückholen

Wer kennt das nicht: Aus fettem Brutto wird schmales Netto. Dabei ist es ganz leicht, Steuern zu sparen. Wie Sie vom Finanzamt mehr zurückholen, verrät "Wiso"-Steuerexperte Michael Opoczynski.

Der 31. Mai rückt näher - für viele Bundesbürger der Stichtag für die Steuererklärung. In dem Dickicht unzähliger Fragen, die das Finanzamt stellt, kann sich der Laie schnell verlieren. Dabei muss man gar kein ausgebuffter Profi sein, um beim Fiskus Geld herauszuholen. Schließlich kann jeder, der Steuern zahlt, auch Steuern sparen - und zwar ganz legal.

Sparmöglichkeiten bei der Steuer gibt es dabei reichlich - man muss sie nur entdecken. Denn mit ein paar cleveren Tricks lässt sich das Jahreseinkommen leicht steigern. Michael Opoczynski, Moderator und Redaktionsleiter des ZDF-Verbrauchermagazins Wiso hat exklusiv für stern.de die wichtigsten Spartipps für die Steuererklärung 2010 zusammengestellt:

Krankenversicherungsbeiträge absetzen

Der Gesetzgeber hat den Steuerabzug für Versicherungsbeiträge erhöht. Ab 2010 gilt, dass die Beiträge zur medizinischen Grundversorgung in der Krankenversicherung steuerfrei bleiben. Das gilt auch für die Pflichtbeiträge zur Pflegeversicherung. Diese sogenannten Basisbeiträge sind jetzt in voller Höhe steuerlich absetzbar. Neu ist auch, dass Privat-Versicherte sogar die Basisbeiträge absetzen können, die sie für ihren Ehepartner oder ihre unterhaltsberechtigten Kinder gezahlt haben. Aber: Zu den Basisbeiträgen gehören beispielsweise nicht die zusätzlichen Beiträge für Chefarztbehandlung, Einbettzimmer im Krankenhaus oder für ein Krankentagegeld - solche Ausgaben sind nur im Ausnahmefall absetzbar.

Angestellte und Beamte fahren ab 2010 mit der neuen Rechtslage besser. Je höher ihre Basisbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind, umso größer ist ihre Steuerersparnis. Auch privat versicherte Selbstständige mit höheren Beiträgen profitieren. Für viele Rentner und Pensionäre wird sich dagegen die neue Rechtslage erst in späteren Jahren positiv auswirken, sie fahren mit der alten Rechtslage bis 2004 besser. Das Finanzamt muss bei jedem Bürger eine Günstigerprüfung durchführen. Geprüft wird, ob die 2010 gezahlten Versicherungsbeiträge nach neuer Rechtslage oder nach der bis 2004 geltenden Rechtslage zu einem höheren Steuerabzug führen. Im Steuerbescheid wird dann der günstigere Fall berücksichtigt.

Handwerker, Haushaltshilfen, Pflegekräfte

Wer sich im eigenen Haushalt von einer anderen Person helfen lässt und deshalb Kosten hat, kann diese beim Finanzamt geltend machen. Diesen Steuerbonus für "haushaltsnahe Dienstleistungen" kann jeder vom Finanzamt erhalten, egal welchen Beruf er hat.

Bedingung: Die Arbeiten müssen in der eigenen Wohnung ausgeführt worden sein. Egal ist aber, ob es sich um eine Mietwohnung, Eigentumswohnung, das eigene Haus oder ein Appartement im Altenheim handelt. Gefördert werden sogar Arbeiten in einer Ferienwohnung, auch wenn diese in einem anderen Land der Europäischen Union liegt. Absetzbar ist so ziemlich alles, was man üblicherweise von fremden Personen gegen Geld im eigenen Haushalt erledigen lässt: also von der Haushaltshilfe, der Putzfrau, dem Fensterputzer oder Gärtner oder von einem Handwerker, der mit einer Reparatur oder Renovierung im Haus beauftragt war. Auch Aufwendungen für die Pflege und Betreuung von Angehörigen und sogar für die Möbelpacker beim Umzug sind steuerbegünstigt.

Anerkannt werden allerdings nur die Kosten für reine Arbeitsleistungen, also nicht für Materialkosten wie etwa der Kaufpreis für Ihre neuen Tapeten. Die Steuerersparnis beträgt 20 Prozent der gezahlten Arbeitslöhne. Handwerkerkosten sind bis zu 6000 Euro begünstigt - das macht bei 20 Prozent immerhin bis zu 1200 Euro aus, die man für einen Maler oder Tapezierer sparen kann. Allerdings müssen Sie dem Finanzamt eine Rechnung vorlegen - und einen Zahlungsnachweis für die Überweisung. Bei Barzahlung gibt es den Steuerbonus nicht, denn der Staat will die Schwarzarbeit bekämpfen.

Kosten für das häusliche Arbeitszimmer

Bisher konnte man die Kosten eines Arbeitszimmers in der Wohnung oder im eigenen Haus steuerlich nur absetzen, wenn das Zimmer der Mittelpunkt der eigenen beruflichen Tätigkeit war. Davon profitiert haben vor allem Selbstständige und Heimarbeiter. Doch das Bundesverfassungsgericht hat im Herbst 2010 entschieden, dass ein Arbeitszimmer auch dann absetzbar sein muss, wenn für die dort ausgeübte Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Von dieser neuen Regelung profitieren zum Beispiel Lehrer, die ihre Unterrichtsvorbereitung und die Korrektur der Klassenarbeiten nicht in der Schule vornehmen können, da sie dort keinen eigenen Schreibtisch haben. Aber auch Selbstständige ohne auswärtiges Büro, wie etwa Dozenten, Berater, Handelsvertreter oder Handwerker, können nun ihr häusliches Arbeitszimmer absetzen.

Geltend machen können Sie die Kosten für die Ausstattung des Arbeitszimmers mit Tapeten, Vorhängen, Lampen, Teppich oder ähnlichem Inventar sowie auch die Ausgaben für Handwerkerarbeiten im Zimmer. Darüber hinaus sind auch die Kosten für die darin genutzten Arbeitsmittel absetzbar, also für Schreibtisch, Bürostuhl, Bücherregale, Computer und so weiter. Und schließlich zählt auch noch der auf das Arbeitszimmer entfallende Anteil an der Miete und an den Hauskosten dazu, beispielsweise für Licht und Heizung.

Das Finanzamt muss Ihre gesamten Arbeitszimmerkosten berücksichtigen, wenn das Arbeitszimmer zu Hause im Jahr 2010 für Sie der Mittelpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit war. Das ist eindeutig der Fall zum Beispiel bei einem Heimarbeiter mit Telearbeitsplatz. Wer einen Teil seiner Arbeit zu Hause erledigt, weil ihm dafür in der Firma kein entsprechender Arbeitsplatz zur Verfügung steht, darf immerhin noch maximal 1250 Euro absetzen.

Privat genutzter Dienstwagen

Darf der Dienstwagen auch privat genutzt werden, heißt es aufpassen. Denn die private Nutzung des Wagens ist für den Arbeitnehmer ein "geldwerter Vorteil", der zum Arbeitslohn hinzugerechnet wird und damit steuerpflichtig ist.

Haben Sie kein Fahrtenbuch geführt, wurde der private Nutzungsvorteil vom Arbeitgeber pauschal berechnet - und damit vermutlich zu hoch besteuert. Prüfen Sie, ob Sie im vergangenen Jahr an weniger als 15 Tagen monatlich mit dem Dienstwagen von der Wohnung zum Büro gefahren sind. Denn in diesem Fall ist der pauschal berechnete monatliche Nutzungswert zu hoch, wie der Bundesfinanzhof bereits im Jahr 2008 entschieden hat. Es muss dann taggenau abgerechnet werden. Daher sollten betroffene Arbeitnehmer in ihrer Steuererklärung 2010 ihren Bruttoarbeitslohn in einer Nebenrechnung entsprechend taggenau vermindern, um zu viel bezahlte Lohnsteuer zurückzubekommen.

Der Haken: Viele Finanzämter ignorieren die neue Rechtsprechung einfach. Wer seine Rechte wahren will, sollte daher gegen solche ablehnenden Steuerbescheide Einspruch einlegen. Zum Glück ist erneut eine Musterklage dazu beim Bundesfinanzhof anhängig, auf die man sich in seinem Einspruch berufen kann.

Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge

Seit dem Jahr 2009 müssen sich Sparer und Geldanleger mit der Abgeltungssteuer herumschlagen. Die Banken behalten die pauschale Steuer in Höhe von 25 Prozent zuzüglich Soli und ggf. Kirchensteuer auf alle Zinsen, Dividenden und Kursgewinne ein. Auch hier lässt sich sparen, denn oft wird zu viel Abgeltungssteuer einbehalten - etwa wenn Sie Ihrer Bank im Jahr 2010 keinen ausreichend hohen Freistellungsauftrag erteilt hatten.

Von der Abgeltungssteuer freigestellt werden können nämlich Kapitalerträge bis zum Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro für Ledige und 1602 Euro für Verheiratete. Zu viel Abgeltungssteuer bezahlt haben Sie auch, wenn Sie im Jahr 2010 mit Ihrem persönlichen Steuersatz unter 25 Prozent lagen, was zum Beispiel bei vielen Rentnern der Fall ist.

Erträge bei Verkauf werden oft doppelt besteuert. Auch wenn Sie bereits 2008 oder früher Ihr Wertpapierdepot auf eine andere Bank übertragen hatten, die die Kaufpreise der alten Wertpapiere nicht kennt. Dann hat sie die Abgeltungssteuer pauschal mit 30 Prozent des Verkaufspreises berechnet. Das ergibt einen viel zu hohen Steuerabzug, wenn Sie mit dem Verkauf nur einen geringen Gewinn oder sogar einen Verlust erzielt haben.

Die überhöhte Steuer bekommt man vom Finanzamt über seine Steuererklärung 2010, wenn man die amtliche Anlage KAP richtig ausfüllt. Man muss darin die Daten aus der Steuerbescheinigung seiner Bank eintragen, die falsch besteuerten Kapitalerträge korrigieren und die Steuerbescheinigung beim Finanzamt abgeben.

Kosten für die Pflege zu Hause

Die Pflege eines Angehörigen zu Hause ist für die Familie ein Kraftakt und bedeutet auch in finanzieller Hinsicht oft eine erhebliche Belastung. Denn leider übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung die Pflegekosten nur bis zu einer bestimmten Höhe. Das reicht meist nicht aus. Glücklicherweise können Sie aber die von der Pflegeversicherung nicht übernommenen Kosten steuerlich geltend machen. Dabei kommt ein steuerlicher Abzug nicht nur bei den Pflegestufen I bis III in Betracht, sondern neuerdings auch bei der Pflegestufe Null. Die Pflegekosten kann übrigens nicht nur der Pflegebedürftige selbst absetzen, sondern auch der Angehörige, der ihn pflegt und der dafür Geld aufwendet - und zwar als außergewöhnliche Belastung.

Der Pflegebedürftige selbst kann zum einen seine Kosten pauschal mit seinem Behinderten-Pauschbetrag (bis zu 3700 Euro) geltend machen, zum anderen seine tatsächlich gezahlten Pflegekosten absetzen. Und wer Angehörige pflegt, kann entweder den Pflege-Pauschbetrag (924 Euro) bekommen oder ebenfalls seine gezahlten Kosten geltend machen. Die Steuerersparnis hängt vom Einzelfall ab, weil das Finanzamt von den tatsächlichen Pflegekosten noch eine sogenannte zumutbare Belastung und gegebenenfalls eine Haushaltsersparnis bei Heimunterbringung abzieht. Was genau unterm Strich für das Jahr 2010 als Steuerersparnis herauskommt, wird am besten mit dem Wiso Steuer-Sparbuch oder anderer gängiger Steuer-Software durchgerechnet.

Und noch ein Tipp: Pflege und Betreuung zu Hause oder in einem Heim gilt als haushaltsnahe Dienstleistung. Daher gibt es für die Kosten, die nicht als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden, noch mal einen Steuernachlass von 20 Prozent, höchstens aber 4000 Euro. Also angenommen, Sie pflegen zu Hause Ihre schwerbehinderte Mutter und haben einem ambulanten Pflegedienst für das ganze Jahr 15.000 Euro gezahlt. Dann beträgt Ihre Steuerersparnis 20 Prozent davon, somit 3000 Euro.

"Gemischte Ausgaben" richtig absetzen

Bisher konnten Berufstätige die Kosten für eine Dienst-, Geschäfts- oder Fortbildungsreise nur als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzen, wenn sie die Reise allein aus beruflichen Gründen durchgeführt haben. Spielten auch private Gründe mit, etwa bei einer Sprachreise ins Ausland an einen touristisch interessanten Ort, lehnte das Finanzamt meist den Abzug der gesamten Reisekosten ab. Dies hat der Bundesfinanzhof gestoppt und vor gut einem Jahr entschieden, dass zumindest der beruflich veranlasste Teil der Reisekosten absetzbar sein muss.

Den absetzbaren Teil einer Dienstreise ermittelt man mit dem zeitlichen Anteil. Beispiel: Ein Arzt fährt auf eigene Kosten für sechs Tage zu einem Ärztekongress an einen Schweizer Skiort. Wenn er dort an drei Tagen nur an medizinischen Seminaren teilnimmt und an den anderen drei Tagen nur Ski fährt, liegt eine Mischung aus beruflicher Fortbildung und privater Vergnügungsreise vor - halb beruflich/halb privat. Die Kosten für die Hin- und Rückfahrt sowie die Hotelkosten darf der Arzt jetzt zur Hälfte absetzen. Vor dem Urteil waren nur die Seminarkosten absetzbar.

Die neue Rechtslage ist aber nicht nur auf Reiskosten anwendbar, sie gilt jetzt auch für alle anderen Ausgaben, bei denen zum Teil private und zum Teil berufliche Motive eine Rolle gespielt haben. Voraussetzung ist, dass der berufliche Anteil nachvollziehbar ermittelt werden kann. Dabei kommt es immer darauf an, einen sinnvollen Aufteilungsmaßstab für diese gemischten Kosten zu finden. Hat ein Angestellter beispielsweise zu seinem beruflichen Dienstjubiläum zehn Leute eingeladen, und zwar sieben Arbeitskollegen und drei Familienangehörige, dann könnte er seine Bewirtungskosten nach Köpfen zu 7/10 absetzen. Oder: Nutzt er einen Raum für die Aufbewahrung von beruflich genutzten und privaten Gegenständen, könnte er die Raumkosten mit dem beruflich genutzten Flächenanteil absetzen.

Aufgepasst: Liegt bei gemischten Kosten der private Anteil höchstens bei zehn Prozent, muss das Finanzamt sogar die gesamten Kosten voll anerkennen.

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