So vererben Sie sparsam

Niemand verschenkt gern sein hart verdientes Geld. Erst recht nicht, wenn es der letzte Wille ist. stern.de hat die wichtigsten Spartipps für Erblasser zusammengestellt. Von J. Kornder, J. Reuter und F. Disselhoff

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Eine Erbschaft ist oft mit viel Papierkram verbunden: Bringen Sie Ordnung in Ihre Unterlagen©

Vererben will gelernt sein. Wer nicht schon zu Lebzeiten seinen Nachlass regelt, riskiert hohe Steuerzahlungen für die Erben. So wird das Vererben schnell zum bürokratischen Kraftakt: Wie regelt sich die Erbfolge? In welcher Steuerklasse befinden sich die Erben? Wie hoch ist Ihr Freibetrag? Lieber gestückelt vermachen oder gleich die Erben adoptieren? Sollten Sie die Immobilie lieber verschenken oder hinterlassen? Und was passiert, wenn die Eltern zu Erben werden?

Wir haben Tipps und Tricks zusammengestellt, die Ihnen und Ihren Erben das Leben erleichtern dürften.

Wie viel Steuern müssen Sie zahlen?

Wer erbt oder einen Geldbetrag geschenkt bekommt, muss dafür Steuern zahlen. Wie hoch die Zahlungen sind, bestimmt die Steuerklasse und die Höhe des Erbes bzw. der Schenkung.

Je größer der Betrag, desto höher der Steuersatz. Ehepartner, Kinder, Stiefkinder, Enkel und Urenkel zahlen mit der Steuerklasse I am wenigsten. In der Steuerklasse II wird es schon teurer. Und zwar für Geschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegereltern, -söhne und -töchter, genau wie für geschiedene Ehegatten. Freunde und eingetragene Lebensgefährten fallen in die Steuerklasse III und zahlen am meisten.

Die Steuerklassen und Freibeträge im Überblick

SteuerklasseErwerberFreibetrag
IEhegatten500.000
IKinder, Stief- und Adoptivkinder sowie Enkel, deren Eltern bereits verstorben sind400.000
IEnkel, deren Eltern noch leben, Urenkel200.000
IEltern und Großeltern100.000
IIPersonen der Steuerklasse II (z.B. Geschwister)20.000
IIIPersonen der Steuerklasse III (Nichtverwandte)20.000
IIIeingetragene Lebenspartner500.000

Von Bedeutungen für den Fiskus ist also, in welcher Steuerklasse Sie sich befinden und wie hoch der Betrag ist, der vererbt werden soll. Außerdem ist der Freibetrag zu beachten, der Ihnen steuerfrei zusteht.

Mit der Erbschaftssteuerreform zum 1. Januar 2010 sind die Steuersätze und Freibeträge spürbar geändert worden. Ehepartner können seit Jahresbeginn bis zu 500.000 Euro steuerfrei erben (Freibetrag bisher 307.000 Euro). Der Freibetrag für Kinder wurde von 205.000 auf 400.00 Euro angehoben. Der für Enkel hat sich mit 200.000 fast vervierfacht (zuvor 51.200 Euro). Weiter entfernte Verwandte, darunter fallen auch Geschwister, und nicht verwandte Personen in den Steuerklassen II und III müssen sich weiterhin mit einem erheblich geringeren Freibetrag von nur 20.000 Euro zufrieden geben.

Gestückelt vererben oder verschenken?

Die Belastung großer Vermögen lässt sich durch eine Schenkung vermeiden. Clevere Erblasser verteilen es schon zu Lebzeiten auf die Kinder. Bisher wurde Geschenke innerhalb von zehn Jahren vor dem Tod des Erblassers voll dem Erbe zugerechnet. Mit dem ersten Januar hat sich das geändert: Nur die Schenkungen bis ein Jahr vor dem Tod des Erblassers werden dem Erbe komplett zugeschlagen. Geschenke zwei Jahre vor dem Tod nur noch zu 90 Prozent, Geschenke drei Jahre vor dem Tod zu 80 Prozent usw. – jedes Jahr also zehn Prozent weniger. Geschenke, die zehn Jahre zurückliegen, werden wie bisher gar nicht mehr dem Erbe zugeschlagen.

Experten warnen allerdings vor übereilten Schenkungen. Der Steueraspekt sollte keinesfalls der alleinige Grund sein. Denn die Steuern spart nicht der Erblasser, sondern nur der Erbe. Zudem sollte man die eigene Absicherung fürs Alter nicht aus den Augen verlieren. 
Krankheiten oder auch der Aufenthalt in einem Pflegeheim können teurer werden als erwartet.

Ein Schutz bei verschenkten Immobilien ist der so genannte Nießbrauch. Das ist das Recht, die Immobilie lebenslang selbst zu nutzen oder auf eigene Rechnung zu vermieten. Liegt die Schenkung noch keine zehn Jahre zurück, kann der Wohltäter seine Gaben allerdings zurückverlangen, wenn er in finanzielle Not gerät.

Dem Ehepartner bzw. dem eingetragenen Lebensgefährten können Sie bis zu 500.000 Euro, Ihren Kinder und Stiefkindern bis zu 400.000 Euro steuerfrei übertragen. Enkel und Urenkel können Sie mit bis zu 200.000 Euro beschenken, ohne Steuern zu zahlen. Wollen Sie ihre Geschwister, Nichten und Neffen, Stief- oder Schwiegereltern, -söhne und -töchter oder auch Freunde beschenken, müssen Sie schon bei einem Betrag von 20.000 Euro Schenkungs- bzw. Erbschaftssteuer zahlen. Sollte die zu übertragende Summe über dem Freibetrag liegen, können Sie einen völlig legalen Trick anwenden: Gestückelt verschenken. Denn Sie können den Freibetrag alle zehn Jahre neu nutzen.

Wie das geht, zeigt das folgende Beispiel: Herta Meier besitzt ein Vermögen von 500.000 Euro in bar. Um den Fiskus zu umgehen, schenkt sie ihrer Tochter Karin den Freibetrag von 400.000 Euro, statt ihr das gesamte Vermögen wie im ersten Beispiel auf einmal zu übertragen. Nach zehn Jahren überlässt sie ihr die restlichen 100.000 Euro. Komplett steuerfrei. So haben Mutter und Tochter 11.000 Euro an Abgaben gespart. Es kann sich also durchaus lohnen, ein paar Jahre abzuwarten. Wichtig ist aber auch, immer die eigene finanzielle Lage im Auge zu behalten. Man sollte nicht mehr verschenken, als man besitzt und braucht. Denn geschenkt ist geschenkt und kommt meist nicht wieder. Selbst wenn es sich um nahe Angehörige handelt.

Seite 1: So vererben Sie sparsam
Seite 2: Wie mit Unternehmen und Immobilien umzugehen ist
Seite 3: Wann Schenkungen sich lohnen
 
 
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