Bewahren Sie einen kühlen Kopf!

18. März 2004, 10:17 Uhr

Wer bekommt das Haus, wer die Möbel? Was wird mit den Kindern? Wenn sich Paare trennen, können ehemals Liebende einander schnell hassen lernen. Verlassen Sie sich nicht nur auf Eheverträge. Setzen Sie auf sachliche Gespräche.

Und raus bist du... Fotografin Mareike Föcking inszenierte den folgenschweren Streit. Nun hilft es, die gesetzlichen Möglichkeiten gut zu kennen, sagt TV-Richterin Barbara Salesch. Aber nicht jede Auseinandersetzung muss vor Gericht weitergeführt wer©

Das hatte er sich so wunderschön ausgedacht: auf roten Rosenblättern zum Standesamt, große Party mit allen Geschäftsfreunden auf einem Schloss in der Nähe von Berlin, Bootsfahrt, asiatisches Catering, ein Feuerwerk - und danach ordentlich Steuern sparen per Ehegattensplitting. Und davor: ein Ehevertrag, na klar! "Wir sind doch erwachsene Menschen", hatte er gesagt. "Wir respektieren uns als autonome, selbstverantwortliche Persönlichkeiten. Das ist es doch, was ich an dir so liebe, Schatz: dass du eine eigenständige Frau bist."

Sie war geschmeichelt. Das cremefarbene Hochzeitskleid für 4.000 Mark zahlte er. Aber sie zweifelte auch: eigenständige Persönlichkeit, sicher war sie das. Aber "Gütertrennung", "Verzicht auf nachehelichen Unterhalt", "Verzicht auf Versorgungsausgleich" - das waren ziemlich viele hässliche Wörter auf einmal, die sie da unterschreiben sollte. Das hatte so gar nichts von dem "sicheren Hafen", der die Ehe doch angeblich sein sollte. Las sich eher wie ein Abenteuertörn auf hoher See. Ohne Rettungsboot. "Aber Schatz", sagte er. "Mach dir keine Sorgen", sagte er. "Das alles ist doch nur für den Fall, dass wir uns scheiden lassen", sagte er. Dann nahm er sie in die Arme und drückte sie fest. "Und das tun wir nicht. Wir lieben uns doch. Deswegen heiraten wir ja auch."

"Irgendwie beißt sich die Katze hier in den Schwanz", dachte sie noch, bevor sie unterschrieb. Sie, deren Namen wir nicht nennen sollen. Weil sie sich heute noch darüber ärgert, wie blöd sie damals war. Schon nach vier Jahren nämlich hatte ihr Ehemann eine andere eigenständige Persönlichkeit lieben gelernt, die viel eigenständiger war als sie, zumal sie die ungeplante, aber dennoch geborene zweijährige Tochter versorgte und dafür ihren Job zeitweilig aufgab. Als sie vor vier Monaten die Scheidung einreichte, zückte er den Ehevertrag. Und wähnte sich gut gelaunt gewappnet gegen Forderungen aller Art.

Allerdings: Er hat zu früh gejubelt. Denn der Bundesgerichtshof urteilte jüngst, dass Eheverträge, die die wirtschaftlich schwächeren Ehepartner grob benachteiligen, ungültig sind, und setzte damit Maßstäbe: Die Toll-Collectisierung der Ehe - alle Vorteile einstreichen, alle Risiken sozialisieren - hat damit ein Ende. "So schön wie früher wird's nimmermehr", kommentierte ein Notar aus Berlin das Urteil aus Karlsruhe. Wer sich jetzt "ewig bindet", möge bitte gleich auch prüfen, ob er mit seinem Ehevertrag den anderen übers Ohr haut. Wer partout nicht einsehen will, dass mit der Ehe auch die Verpflichtung eingegangen wird, bestimmte Dinge dauerhaft zu teilen, auch im Fall des Scheiterns, der sollte am besten gar nicht erst heiraten.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 13/2004

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