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Wenn der Schwarm Schnäppchen jagt

Lockangebote mit Schwachstellen: Gutscheinaktionen im Internet können ganz schön nach hinten losgehen. Otto muss 50.000 Bestellungen stornieren, auch Media Markt droht Ärger.

Von Daniel Bakir

  Die Einlösung der Gutscheine hätte Otto Millionen gekostet.

Die Einlösung der Gutscheine hätte Otto Millionen gekostet.

  • Daniel Bakir

Je größer irgendwo Gutschein oder Rabatt draufsteht, desto genauer sollten Kunden in der Regel hingucken. Denn nicht selten sind die Angebote so gestrickt, dass sie die Verbraucher dazu verführen, am Ende doch mehr Geld auszugeben als sie eigentlich wollten. Das gilt erst recht im vorweihnachtlichen Shoppingtaumel. Doch es geht auch andersherum. In Zeiten von Social Networks und bestens vernetzten Online-Schnäppchenjägern tappen auch immer wieder Unternehmen in die Gutscheinfalle.

Die Rede ist hier nicht von kleinen Klitschen, die aus mangelnder Erfahrung zu hohe Rabatte bei Gutscheinportalen wie Groupon gewähren, sondern von professionellen Einzelhandelsriesen wie Otto oder Media Markt. Für eine peinliche Gutscheinpanne sorgte in den vergangenen Tagen der Versandhändler Otto. Der Konzern hatte am Wochenende versehentlich Gutscheine in Umlauf gebracht, die zum Gratisshoppen einluden. Die Gutscheine hatten einen Wert von 88 bis 400 Euro und zwei entscheidende Fehler: Der Mindestbestellwert lag in Höhe der Gutscheine und sie konnten immer wieder eingelöst werden. In Windeseile verbreiteten sich die Zahlenkombinationen über Twitter und Facebook im Netz und lösten einen vermeintlichen Gratisshoppinghype aus.

Enttäuschung, Wut, Häme

Bevor Otto die Codes deaktivieren konnte, hatten bereits 50.000 Kunden die Gutscheine im Onlineshop von Otto eingelöst. Eine Auslieferung der Bestellungen hätte für Otto einen Millionenschaden bedeutet, weshalb das Unternehmen sämtliche 50.000 Aufträge ersatzlos stornierte. Der Imageschaden ist beträchtlich. Hunderte Kunden machten am Dienstag ihrem Ärger auf der Facebookseite des Unternehmens Luft.

Die Reaktionen reichen von Enttäuschung über Wut bis zu Häme: "Internet scheint nicht euer Ding zu sein. Besser ihr versendet wie früher nur noch eure ollen Kataloge mit den ganzen Wuscherpreisen drin", schrieb ein Nutzer. Und wie bei Shitstorms üblich, schießen manche auch über das Ziel hinaus. Einige werfen dem Konzern gar vor, er habe es in Wahrheit darauf abgesehen, neue Kundendaten zu sammeln und rufen zum künftigen Komplettboykott auf.

Für Otto ist es ein Déjà vu. Bereits 2009 waren wegen einer technischen Panne mehr als 2500 Apple MacBooks im Wert von rund 2000 Euro zum Spottpreis von 49,90 Euro verkauft worden. Otto musste die Bestellungen stornieren und entschädigte die betroffenen Kunden mit einem Gutschein. Das war schon damals für Otto teuer genug und ist angesichts der Ausmaße des aktuellen Falls diesmal nicht vorgesehen.

Storno-Storm bei Media Markt

Doch auch andere Konzerne haben mit den Tücken von Gratisaktionen im Internet zu kämpfen. Der Elektronikkonzern Media Markt etwa wollte seinen 33. Geburtstag am vergangenen Freitag mit einer besonderen Aktion feiern. "Jeder 33. Online-Einkauf für umsonst!", warb das Unternehmen um Aufmerksamkeit. Es dauerte nicht lange, bis die Schnäppchenjäger-Community auch hier die Schwachstelle der Aktion entdeckt hatte. Laut Teilnahmebedingungen sollten die Gewinner "innerhalb von 2-3 Tagen nach Bestellung im Onlineshop per E-Mail benachrichtigt werden". Nach dem Fernabsatzgesetz hat jeder Kunde allerdings das Recht, Online-Bestellungen innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zu stornieren. Es war also möglich, ein teures Hightech-Gerät zu bestellen und bei Nicht-Gewinn umgehend zu stornieren. Zumindest einen Schuss hatte jeder frei, weil sich Media Markt bei Mehrfachteilnahme den Ausschluss vorbehielt.

Auf der Facebookseite von Media Markt diskutierten Hunderte Nutzer offen, ob und wie man das Gewinnspiel am besten zum eigenen Vorteil ausnutzen könnte. "Wenn zehn Verwandte gleichzeitig ein Mac Book Pro bestellen, ist doch die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass man eins umsonst bekommt. Dann können die anderen neun via Fernabsatzgesetz die Geräte zurückgeben", schrieb ein User. Nachdem das Facebook-Team von Media Markt verkündet hatte, alle Gewinner seien benachrichtigt, tauschten sich diverse Nicht-Gewinner in entsprechenden Foren über die einfachste Storno-Methode aus.

Wie viele Kunden tatsächlich ihre Bestellung stornierten, ist noch nicht bekannt. Eine Media Markt-Sprecherin sagt stern.de auf Anfrage lediglich, die Aktion sei gut gelaufen. Zur Zahl der Stornierungen wollte sie sich nicht äußern, dafür sei es noch zu früh. Schließlich sind die 14 Tage noch lange nicht um.

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