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Wie Sie sich als Anleger gegen Abzocke wehren

Vermögensverwalter und Bankberater schröpfen ihre Kunden, indem sie unnötige Transaktionen tätigen und versteckte Provisionen kassieren. Doch Anleger können sich gegen die schwarzen Schafe der Branche wehren.

Von Sarah Sommer

  Kurs im Keller, Geld weg: Anleger können sich gegen schlechte Beratung absichern

Kurs im Keller, Geld weg: Anleger können sich gegen schlechte Beratung absichern

Anfang 2007, die Finanzkrise lag noch in weiter Ferne, riefen Vermögensberater der Frankfurter Sparkasse Kunden an und schlugen ihnen vor, Geld in Express-Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers anzulegen. Viele ließen sich überzeugen, verkauften Aktien oder zogen Geld von Tagesgeldkonten ab, um das Kapital in die Zertifikate zu stecken. Für diese Geschäfte erhielt die Bank hohe Vertriebsprovisionen - die sie ihren Kunden allerdings verschwieg. Die Berater hatten also ein hohes Eigeninteresse an dem Handel.

Die Provisionen erweisen sich nun als Glücksfall für Frankfurter Anleger: Denn im Gegensatz zu vielen anderen Bankkunden, die ihr in Zertifikate angelegtes Geld durch die Lehman-Pleite verloren haben, erhalten sie jetzt Schadenersatz für den Verlust ihrer Anlage.

Ähnliche Erfolge könnten es in Zukunft häufiger geben. Denn seit 2007 hat sich die Gesetzeslage verschärft: Finanzberater müssen ihre Kunden detailliert über die Höhe von Vertriebsprovisionen für die empfohlenen Anlageprodukte aufklären, damit Kunden über eventuelle Interessenskonflikte im Bilde sind. Damit hat der Gesetzgeber auf die Tatsache reagiert, dass Anleger zunehmend Opfer des Verkaufsdrucks und der Provisionsschinderei von Vermögensberatern werden. "Die Masche ist immer die gleiche: Berater empfehlen ihren Kunden, ihr Kapital in vermeintlich profitablere Anlagen umzuschichten - und kassieren für diese Geschäfte Gebühren", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Protokoll soll Anlegern helfen

Seit Anfang 2010 gibt es zusätzliche Pflichten für Banken: Finanzberater müssen Beratungsgespräche mit Kunden detailliert protokollieren und den Kunden das Protokoll aushändigen. "Das Beratungsprotokoll muss in jedem Fall Angaben über die Ziele und die Risikobereitschaft des Anlegers enthalten, aber auch Angaben zur Höhe der Verkaufsprovisionen sollten sich im Idealfall darin wiederfinden", berichtet Rechtsanwältin Diana Römhild von der auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Kanzlei Tilp. Lassen die Berater Kunden im Unklaren über Vertriebsprovisionen, können sie ihre Bank nun leichter belangen. Einen schlagkräftigen Beweis besitzen sie im Idealfall mit dem Beratungsprotokoll.

Wer sich den mühsamen Weg durch die rechtlichen Instanzen ersparen will, sollte seinem Vermögensverwalter trotz der verbesserten Rechtslage besonders kritisch auf die Finger schauen. "Der rechtliche Schutz von Anlegern hat sich durch die aktuelle Gesetzgebung und Rechtsprechung zwar verbessert", warnt Anwältin Römhild. "Anleger müssen aber weiterhin auf der Hut sein, denn der Verkaufsdruck in Banken und bei freien Vermögensverwaltern ist nach wie vor hoch." Vermögende Anleger kennen das Problem der Gebührenschinderei schon lange. Sie vertrauen oft ihr gesamtes Kapital einem Vermögensverwalter an und erlauben ihm per Vollmacht, das Geld je nach Marktlage in verschiedene Assetklassen zu investieren. Die Idee: Ergeben sich profitablere Anlagemöglichkeiten, sollen die Anlageprofis das Depot durch Umschichtungen regelmäßig neu ausrichten. Doch weil viele Vermögensverwalter pro Transaktion bezahlt werden, ergibt sich ein Anreiz, die Depots der Kunden möglichst oft umzubauen - auch wenn das nicht im Interesse der Kunden ist.

Tricks der Profis

Vermeintliche Gründe für eine häufige Umschichtung der Depots sind leicht zu finden. Ein beliebter Trick: Kurz vor der Veröffentlichung der US-Wirtschaftszahlen kaufen Vermögensverwalter Aktien, deren Kurse üblicherweise auf Konjunkturveränderungen reagieren. Egal ob die Zahlen dann positiv oder negativ ausfallen - immer gibt es einen Grund für weitere Transaktionen. Fällt der Kurs der Aktien, kann der Berater sie gleich wieder verkaufen. Steigt der Kurs, gibt es einen Grund, die Position weiter aufzustocken. In beiden Fällen streicht der Berater Provisionen für mindestens zwei Geschäfte ein, der Kunde hat das Nachsehen.

Ob das Umschichten der Depots im Interesse des Kunden oder nur zum Wohle des Vermögensverwalters stattfand, ist meist schwierig nachzuweisen. Die Folgen für Kunden sind derweil einschneidend. Im besten Fall schmälert der Vermögensverwalter mit seinen übermäßigen Verkäufen und Käufen die Rendite. Im schlechtesten Fall zehrt er auf diese Weise mit der Zeit immer mehr die Substanz eines Depots auf.

FTD

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