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Wohnklo mit zehn Quadratmetern soll über 100.000 Euro kosten

Berlin möchte gern anderen Weltstädten auf Augenhöhe begegnen: Zumindest bei den Wohnungspreisen ist das bald geschafft. Ein Mikro-Appartement im Bergmann-Kiez soll über 100.000 Euro kosten.

  Das Objekt liegt an der Riemannstraße in Berlin.

Das Objekt liegt an der Riemannstraße in Berlin.

Okay, der nackte Kaufpreis des Ein-Zimmer-Appartements beträgt nur 99.000 Euro, doch hinzu kommt noch die Maklerprovision von 7.068,60 Euro und die obligatorische Grunderwerbssteuer von sechs Prozent. Mit den weiteren Nebenkosten liegt der Käufer dann fast bei 120.000 Euro für seine "Traum-Wohnung" im Szene Kiez.

Micro-Appartement 

Obwohl "Wohnung" mag man das Zimmerchen kaum nennen. Es bietet weniger Platz als ein mittlerer Wohnwagen. In die Fläche von 9,7 Quadratmetern wurden laut Grundriss ein Mini-Bad und eine Kochgelegenheit hinein gequetscht. Eine gewisse Beweglichkeit sollte man für das schmale Duschparadies mitbringen.

Dafür besitzt das Zimmerchen im Hochparterre eine geradezu herrschaftliche Eingangstür – man wird allerdings zusammenrücken müssen, sobald sie geöffnet wird. Ursprünglich wird es sich vermutlich um das Büro des Hausmeisters gehandelt haben. In vielen herrschaftlichen Wohn- und Bürohäusern der Zeit wurde im Hochparterre ein Raum für das Faktotum des Hauses reserviert. Nun wird mit der alten Besenkammer Kasse gemacht.

London noch schlimmer

Doch im Vergleich zu Londoner Angeboten in dieser Preisklasse gibt es auch einen Lichtblick – im wahrsten Sinne des Wortes: Das Zimmer verfügt über ein richtiges Fenster. Zweiter Vorteil: Der Raum ist hoch genug, um Sitzmöglichkeit und Bett übereinander zu platzieren – auf einer Ebene wäre das kaum möglich. In London hingegen wurden bereits "Wohnungen" angeboten, die weder über Abfluss noch fließend Wasser verfügten. Manche hatten nicht einmal Stehhöhe, es handelte sich um Kriechhöhlen, in denen man zur Not im Schlafsack nächtigen kann – solange man nicht unter Platzangst leidet.

Kaum als Erstwohnung geeignet

Insofern ist das Appartement im Bergmann-Kiez ein Traum. Doch kann man dort menschenwürdig wohnen? Die "Welt" hat darauf hingewiesen, dass eine angemessene Arbeitslosengeld-II-Mietwohnung für eine Person immerhin 45 Quadratmeter groß sein darf.  Da muss man also Abstriche machen - in Höhe von 35 Quadratmetern.

 Tatsächlich wird der Käufer wohl nicht in der Butze wohnen, sondern nur absteigen. Als Abschlepp- oder Schlafquartier im Szene-Viertel mögen die zehn Quadratmeter sogar ausreichen. Dann wird aber natürlich noch die Berliner Zweitwohnungssteuer fällig.

Für Interessenten: Hier geht es zur Anzeige.

  Ein Bad von 79 cm mal 1,43 m entspricht den Dimensionen in einem Campingbus.

Ein Bad von 79 cm mal 1,43 m entspricht den Dimensionen in einem Campingbus.


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