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Die Miet-Hai AG

Schimmel, kaputte Dächer und Heizungen: Viele Wohnungen der Deutschen Annington sind in schlechtem Zustand. Deutschlands größter Vermieter sorgt sich mehr um seinen Ruf als um das Wohl der Mieter.

Von L. Heiny, Mathew D. Rose & H.-M. Tillack

  Rund 250.000 Wohnungen überall im Land: Die Deutsche Annington ist Deutschlands größter Vermieter

Rund 250.000 Wohnungen überall im Land: Die Deutsche Annington ist Deutschlands größter Vermieter

Mit bald an die 250.000 verwalteten Wohnungen ist das Unternehmen der größte Vermieter der Republik. Die Rede ist von der Deutschen Annington, einer Aktiengesellschaft mit Firmenzentrale in Bochum und mit Aktionären aus der Welt der Finanzinvestoren. Bei Mietern und Kommunalpolitikern ist das Unternehmen seit langem in der Kritik; der Annington werden zögerliche Instandhaltungen und teure Modernisierungen vorgeworfen. Jetzt zeigen eine Fülle interner Dokumente, die dem stern vorliegen (siehe Abbildungen), dass die Probleme bei dem Unternehmen deutlich größer sind, als man in Bochum bisher öffentlich einräumte.

So ging man im Vorstand des Unternehmens im November 2013 davon aus, dass es einen "reputationsrelevanten Instandhaltungsstau" in Höhe von 161 Millionen Euro gebe. Dieser Betrag sei nötig, um die rufschädigenden Fälle von Schimmel zu bekämpfen, Dächer zu flicken und Heizungsanlagen zu reparieren. Im Herbst 2013 hatten bundesweit ausgestrahlte Sendungen von stern-TV, ZDF und WDR den Blick auf Mängel in mehreren Annington-Siedlungen gelenkt.

"Überregionale Berichterstattung" als Problem

Der "Übergang von der lokalen zur überregionalen Berichterstattung" sei ein Problem für den "Ruf" des Unternehmens, warnte das Vorstandsmitglied Klaus Freiberg damals in einer ursprünglich offenbar für den Aufsichtsrat gedachten Vorlage vom 5. November 2013. Er verlangte darum 53,6 Millionen für ein Sofortprogramm, um wenigstens einen Teil des "reputationsrelevanten Instandhaltungsstaus" aufzulösen. Das Thema wurde nach Angaben des Unternehmens dann jedoch nicht im Aufsichtsrat behandelt. Der Vorstand habe "das Instandhaltungsbudget selbst und ohne die Zustimmung des Aufsichtsrates erhöht", heißt es in einer Stellungnahme gegenüber dem stern.

In der Bochumer Zentrale des Unternehmens wird beteuert, man habe die Firmenstrategie "weiterentwickelt und dabei die Interessen der Mieter klar in den Vordergrund gerückt". Die Investitionen lägen inzwischen "weit über dem Branchenschnitt". Im Jahr 2013 habe man 20 Euro pro Quadratmeter in Instandhaltung und Modernisierung gesteckt, in diesem Jahr steigere man das auf 29 Euro.

Ausgaben für Instandhaltung rückläufig

Wie das Unternehmen selbst einräumt, fließen diese zusätzlichen Investitionen jedoch vor allem in wertsteigernde Modernisierungen, die dann auch Mieterhöhungen erlauben. Die reinen Instandhaltungskosten kalkuliert das Unternehmen für 2014 lediglich mit 15 Euro pro Quadratmeter. Laut dem aktuellen Zwischenfinanzbericht gingen die tatsächlichen Ausgaben für Instandhaltungen im ersten Halbjahr 2014 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum sogar etwas zurück.

Ebenfalls im November 2013 räumte der Vorstand Freiberg in einer Aktennotiz ein, es könne auch in Zukunft passieren, dass "Budgetrestriktionen" die Erfüllung von "Vermieterpflichten beeinträchtigen", etwa bei Schimmel oder Reparaturen. Der Vorstand wolle in solchen Fällen selbst entscheiden, wie darauf reagiert werde.

"Mieterwünsche kommunikativ verhindern"

In einer dem stern vorliegenden internen Präsentation vom Februar 2013 wird eine "generelle Strategie zum Umgang mit Reparaturmeldungen" skizziert. "Ziel" sei die "Reduktion der Beauftragung auf ein vernünftiges Maß". Mieterwünsche solle man "ggf. kommunikativ verhindern". Um dies zu erreichen, solle man gegenüber den Mietern "auf Schriftweg verweisen" oder "Mieterhöhung bzw. Mieterbelastung ankündigen".

Vom stern konfrontiert, erklärte die Firma, dass es sich bei dem Papier "um eine vorläufige Präsentation" handelte, die "nicht verwendet wurde". Es sei darum gegangen, die Mieter vor Belastungen zu warnen.

Die Deutsche Annington wird nach der Integration jüngst erworbener weiterer Wohnungsbestände an die 250.000 Wohnungen bundesweit verwalten, in denen dann nach Angaben des Unternehmens bis zu 400.000 Menschen leben.

Hier können Sie Autor Hans-Martin Tillack auf Twitter folgen: @hmtillack
Hier können Sie Autor Lukas Heiny auf Twitter folgen: @LuHeiny

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Sie haben ähnlich schlechte Erfahrungen mit Ihren Vermietern gemacht? Dann schicken Sie uns Ihre Berichte, Fotos oder Videos an AchtungKunde@stern.de.

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