Ratgeber Energiesparen

21. November 2012, 22:15 Uhr

Neue Strompreise bedrohen Existenzen

Zum Jahreswechsel müssen wir etwa zwölf Prozent mehr für Strom bezahlen - für viele Haushalte ein herber Einschnitt. Manche kommen dadurch gar in Existenznöte bis hin zur Sperrung der Stromversorgung.

Den Deutschen drohen die stärksten Energiepreiserhöhungen des Jahrzehnts: Gut 520 Energieversorger haben bereits angekündigt, ihre Preise zum Jahreswechsel um bis zu 20 Prozent anzuheben, durchschnittlich werden es knapp 12 Prozent sein. Rund 30 Millionen Haushalte werden von den Mehrkosten gleich in den ersten Monaten betroffen sein. Das bedeutet für einen Vier-Personen-Haushalt aufs Jahr gerechnet zusätzliche Ausgaben von rund 110 Euro. Die Preissteigerungen belasten zwar alle, kritisch wird es aber vor allem Geringverdiener, Arbeitslosen- und Rentnerhaushalte, die ihre Stromrechnungen bereits heute kaum bezahlen können. Da hilft nur: frühzeitig Stromkosten sparen. Denn wer die Abschläge vielleicht noch zahlen kann, wird spätestens mit der Jahresendabrechnung überrascht, wenn dort dreistellige Nachforderungen stehen. Deshalb sollten Verbraucher versuchen, frühzeitig den Preis zu verringern, "also schauen: Bin ich im richtigen Tarif? Beim richtigen Anbieter? Denn 50 Prozent der deutschen Haushalte verharren im Grundversorgungstarif, der teuer ist und da kann man schauen, ob es nicht besseren Tarif oder Anbieter gibt", rät Claudia Bruhn von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Wenn die Stromsperrung droht

Im vergangenen Jahr wurde laut Bundesnetzagentur 312.000 Haushalten und Unternehmen der Strom abgestellt, weil sie schon jetzt ihre Rechnung nicht mehr bezahlen können. Ab Ausständen von 100 Euro können Mahnbriefe verschickt werden, die eine Stromsperre androhen. Im vergangenen Jahr bekamen mehr als sechs Millionen Verbraucher einen solchen Brief. Viele kratzen das Geld zusammen und begleichen den Fehlbetrag schnellstmöglich. Manche Energieversorger lassen mit sich reden und eine Ratenzahlung oder Stundung aushandeln. Oft bestehe eine offene Stromrechnung zu einem Drittel aus Mahngebühren, meint Claudia Bruhn. Auch darüber könne man sich möglicherweise einig werden.

Vielfach droht eine Stromsperrung, wenn eine Nachzahlungsforderung nicht beglichen werden kann. Einkommensschwache Haushalte können eine solche Rechnung bei der Verbraucherzentrale kostenlos prüfen lassen und sich Rat einholen. Grundsätzlich müssen Versorger bei Stromsperren die Verhältnismäßigkeit wahren. Hat man sehr kleine Kinder oder gilt ein anderer Härtefall, etwa der Ausfall der Heizung, lässt sich in einigen Fällen eine einstweilige Verfügung gegen den Stromanbieter erwirken, die eine Sperrung verhindert: "Wichtig ist zu gucken, ob ich einen Ausnahmefall habe: Bin ich schwanger? Habe ich kleine Kinder? Pflege ich jemanden, der krank ist? Dann muss ich rechtzeitig auf den Versorger zugehen und den Härtefall anmelden, etwa dass man nur eine bestimmte Summe zahlen kann", sagt Expertin Claudia Bruhn. Es sei aber in jedem Fall und bei jedem Engpass wichtig, sofort zu handeln.

Findet sich keine Einigung mit dem Energieversorger, können sich Verbraucher an die "Schlichtungsstelle Energie" wenden. Wenn der Strom tatsächlich abgestellt wird, fallen für die Kunden zusätzliche Kosten an: Für eine Sperrung berechneten die Versorger laut Netzagentur den Kunden durchschnittlich noch einmal 32 Euro, in Ausnahmefällen sogar bis zu 220 Euro.

So teuer wird Ihr Strom Eine Übersicht über die Preiserhöhungen finden Sie in dieser Liste.

Wenn der Strom zu teuer wird … Hier finden Sie Informationen und Hilfe:

Bund der Energieverbraucher

Verbraucherzentrale Energieberatung
Internet: www.verbraucherzentrale-energieberatung.de

Telefonische Beratung zum Thema Energieeinsparung:
Telefonnummer: 018 - 809 802 400
Mo – Do 8 - 18 Uhr, Fr 8 - 16 Uhr


Zähler-Check
Diese Karte (PDF) hilft Ihnen bei der Kontrolle Ihres Energieverbrauchs.

Schreiben der Stromversorger über Preiserhöhung
Informationen und Hilfestellung zum dem Schreiben des Stromversorgers, das viele Haushalte in den kommenden Tagen bekommen, gibt die Verbraucherzentrale NRW

Bei drohender Stromsperre
Waren alle Versuche, sich mit Ihrem Stromversorger zu einigen, ergebnislos, können Sie sich an die Schlichtungsstelle Energie wenden.

 
 
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