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Wie herzlos: Sie lebte 66 Jahre in einem Haus, nun soll sie ihre Sachen packen

Ein Leben lang wohnte Marie Hatch im Cottage ihrer Freundin Vivian Kruse. Nun will der Erbe die alte Frau vor die Tür setzen, aber er hat den Widerstand der kämpferischen Dame unterschätzt.

  Marie Hatch in ihrem geliebten Cottage.

Marie Hatch in ihrem geliebten Cottage.

Marie Hatch wohnt seit 66 Jahren in einem Cottage - einem kleinen Landhäuschen - in Kalifornien. Die alte Dame zahlt wenig Miete, aber sie war sich ihres Häuschens sicher. Denn ihre Freundin und Besitzerin des Hauses, Vivian Kruse, hatte ihr einst versprochen, sie könne dort so lange leben, wie sie wolle. Ein Versprechen, das zuerst die Tochter und später die Enkelin von Kruse in Ehren gehalten haben. Nur der jetzige Besitzer, der Ex-Mann der verstorbenen Enkelin von Vivian Kruse fühlt sich an das Versprechen nicht mehr gebunden. Er hat Hatch die Kündigung am 11. Februar zugestellt, in 60 Tagen muss sie das Haus verlassen.

Marie Hatch ist verzweifelt

"Vivian sagte, ich kann bleiben, solange ich will. Das ist mein Heim. Hier fühle ich mich wohl. Ich war schon immer hier und ich liebe es hier," sagte Hatch im lokalen TV. Der Grund für die Kündigung sind die enorm gestiegenen Grundstückspreise in Kalifornien. Die Gemeinde Burlingame boomt, die ganze Bay Area gehört inzwischen zu den gefragtesten Gegenden in Kalifornien. "Er ist so gierig! Warum muss das nur so sein? Wer hat ihm das nur eingeredet", klagt Hatch.

  Das Häuschen ist mittlerweile 1,5 Millionen Dollar wert.

Das Häuschen ist mittlerweile 1,5 Millionen Dollar wert.

Marie Hatch teilt sich das Häuschen mit ihrer Mitbewohnerin Georgia Rothrock (85). Zusammen zahlen sie 900 Dollar für das Cottage. Das Immobilienportal Zilow listet das Haus mit einem Wert von 1,5 Millionen Dollar und setzt eine Miete von über 3000 Dollar an. Die beiden alten Frauen sind verzweifelt. "Ich hab nicht die geringste Idee, wo wir hinsollen, was wir tun sollen. Ich kann gar nicht mehr schlafen vor Sorge," sagt Hatch. Sie habe keine Verwandten und könne sich die Miete in der Gegend nicht leisten. Freundin Rothroch fürchtet: "Wir landen an einer Bushaltestelle mit all unseren Sachen in Umzugskartons. Das ist alles, was ich vorhersehen kann."

Anwälte helfen umsonst

Der jetzige Besitzer wehrt sich gegen die Vorwürfe, herzlos zu sein. Dem "San Francisco Chronicle" sagte er, er habe keine Wahl. Er verwalte das Haus nur für seine Söhne, die es von ihrer Mutter, seiner Ex-Frau, geerbt hätten. Als Treuhänder dürfe nur deren Interesse für ihn wichtig sein, darum müsse er verkaufen. "Natürlich fühle ich mich schlecht dabei. Ich fühle mich schlecht wegen der beiden alten Damen, ich fühle mich schlecht wegen meiner Söhne und wegen meiner eigenen Rolle fühle ich mich auch noch schlecht."

Marie Hatch beruhigt das nicht: "Er hat keine Wahl. Pah. Das glaube ich nicht." Die Presseoffensive der kämpferischen Lady hat sich gelohnt. Auf einer Gofundme-Seite wurden in drei Tagen fast 30.000 Dollar gesammelt. Zwei Anwälte einer angesehen Kanzlei wollen ihre Sache sogar "pro bono" – also ohne Honorar – ausfechten. Joe Cotchett, einer der Anwälte, stellte in einer Mitteilung knapp klar: "Diese Frau wird das Haus nicht verlassen."


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