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24. März 2007, 12:02 Uhr

Mit dem Geld durch die Wand

Wegen veralteter Heizungen und fehlender Dämmung verheizen deutsche Hausbesitzer jährlich unnötig Millionen von Kilowattstunden - und Euro. Eine Thermografie-Kamera zeigt das wahre Ausmaß. Von Sven Rohde

Besuch vom Profi: Die Bremer Energieberaterin Wiebke Weidner hilft Familie Weber dabei, die hohen Heizkosten zu senken© Ralf Buscher

Glühend rot leuchtet das Haus der Familie Weber. Die Aufnahme stammt von einer Thermografie-Kamera: Überall, wo kräftiges Rot und helles Gelb scheinen, dringt Wärme nach draußen. Eine Energieberatung zeigt dem Weber-Haushalt, wie es besser geht.

Schon 23.000 Euro investiert

Gedankenlose Verschwender sind Matina Werner-Weber, 43, und Andreas Weber, 43, nicht. Vor fünf Jahren haben sie ihrem Haus für 6000 Euro eine neue Gasheizung spendiert und die prähistorische Anlage zum Schrotthändler bringen lassen. Im März 2006 engagierten sie die Bremer Energieberaterin Wiebke Weidner für einen Energie-Check ihres Hauses und ließen auf ihr Anraten für 17.000 Euro einige Fenster erneuern und das Dach beim Ausbau dämmen. Eine ordentliche Investition; mehr war erst mal nicht drin. Für den stern hat das Ehepaar aus Hatten im Oldenburgischen der Energieberaterin in diesem Jahr dann erneut die Türen geöffnet. Ihr Haus soll noch energieeffizienter werden, Strom- und Heizkosten sollen sinken.

Die erste Station des Rundgangs: die Küche. Frau Weidner blickt zunächst unter Dunstabzugshaube, Rührgerät, Kaffee- und Espressomaschinen, hinter die Waschmaschine und in den Geschirrspüler, immer auf der Suche nach einer Angabe für den Stromverbrauch. "Langsam wird's bitter", sagt Andreas Weber, als die Expertin das Energieeffizienzlabel der Gefriertruhe ausfindig macht und mit leisem Vorwurf in der Stimme die Klasse nennt: "Nur ein B!" Wo doch heute "A+" der Standard ist. Und die 540 Watt, auf die sich sämtliche Lampen in der Küche addieren, sind für die Fachfrau auch eine Umweltsünde. "Wir haben aber nie alle zusammen an", beteuert Matina Werner-Weber.

Welches Sparpotenzial steckt im Haus?

Wo im Alltag einer ganz normalen Familie CO2 produziert wird und welches Energiesparpotenzial in einem ganz normalen Einfamilienhaus steckt, wollte der stern wissen - und Webers hatten spontan zugesagt. Das Ergebnis nach einer Durchleuchtung mit der Wärmebildkamera und einer Prüfung von Heizung, Dämmung, Lüftung, Beleuchtung und aller Elektrogeräte: Es ist gewaltig. Insgesamt 62 Prozent der Heizenergie könnten Webers einsparen und mindestens 25 Prozent des Stroms. Für ihre persönliche CO2-Bilanz heißt das: Fast acht Tonnen Kohlendioxid pro Jahr wären vermeidbar. Der Kommentar des Hausherrn: "Wow".

Dank der bereits realisierten Maßnahmen stehen Webers schon um einiges besser da als Millionen anderer Hausbesitzer. Vier von fünf Wohnungen in Deutschland haben nicht annähernd den energetischen Standard, der durch heute übliche Baumaterialien und -methoden erreichbar ist. Der Wärmebedarf eines Neubaus beträgt oft nur 20 Prozent von dem so manchen Altbaus - und diese Bezeichnung verdienen nicht nur Häuser aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, sondern alle, die vor der 1. Wärmeschutzverordnung von 1977 gebaut wurden.

Der Laie sieht die Verschwendung nicht

Das Dumme: Wie viel Wärme ein Haus braucht, sieht der Laie nicht. Wo wie viel Energie verloren geht, deckt erst die Wärmebildkamera auf. Das Haus der Webers wurde 1974 gebaut. Gekauft haben sie es 1999, den verschachtelten Grundriss geöffnet, Bad und Küche saniert, die insgesamt 145 Quadratmeter für sich und die beiden Söhne Sebastian, 8, und Christopher, 12, schön hergerichtet. Die Küchenschränke und -geräte aus der Mietwohnung, 1994 gekauft, zogen mit ein, ebenso Musikanlage, TV-Gerät, Anrufbeantworter und etliches mehr. Rund 25.000 Euro gingen damals in die Modernisierung, und damit war das Kapital erst mal aufgebraucht. Dass es mit dem Wärmebedarf des Hauses so nicht weitergehen konnte, bewiesen aber schnell die Heizkostenabrechnungen: 5000 Kubikmeter Gas (das entspricht etwa 5000 Liter Heizöl) verfeuerte die Heizung durchschnittlich pro Jahr, ein Verbrauch von fast 35 Kubikmeter pro Quadratmeter - ein dramatischer Wert! Zum Vergleich: Im Neubau sind sechs Kubikmeter der Grenzwert, im sanierten Altbau reichen zehn für behagliche Wärme.

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Ausgabe 12/2007

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