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Wie dreiste Makler weiterhin die Mieter zur Kasse bitten

Eigentlich müssen Mieter durch eine Gesetzesänderung den Makler nur dann bezahlen, wenn sie ihn auch beauftragt haben. Doch die Wohnungsvermittler haben sich dreiste und auch illegale Tricks einfallen lassen.

Das Bestellerprinzip zwingt Makler neue Tricks zu entwickeln. 

Das Bestellerprinzip zwingt Makler neue Tricks zu entwickeln. 

Wer den Makler beauftragt, muss ihn auch bezahlen. So in etwas kann man das Bestellerprinzip, das Anfang Juni 2015 in Kraft getreten ist, zusammenfassen. Durch diese Gesetzesänderung ist Deutschlands Makler ein über viele Jahrzehnte gewachsenes, sehr lukratives Geschäft einfach eingebrochen. Konnten die Wohnungsvermittler für jede Mietwohnung 2,38 Nettokaltmieten als Provision von den Mietern verlangen, ist das seit dem Sommer deutlich schwieriger. Denn in der Regel beauftragen Immobilienbesitzer und Hausverwaltungen den Makler - und die müssen nun auch dafür zahlen. 

Festpreisangebote der Makler nehmen zu

Das Resultat: Nie gab es so viel Bewegung auf dem Maklermarkt. Einige Vermittler setzen jetzt auf ein Festpreisangebot. So zahlen Wohnungsverwaltungen für eine Wohnung, die bis zu 1000 Euro Kaltmiete kostet, 500 Euro bei dem Immobilienmakler Vermietster. Mietersuche24 bietet den Service für 350 Euro bei Auftragseingang und weiteren 340 Euro bei erfolgreicher Vermittlung an. Die Gründer von McMakler verlangen vom Wohnungsbesitzer 498 Euro. "Festpreisangebote nehmen zu", sagt Hanno Heintzenberg von McMakler. Die Zeiten überhöhter Maklerrechnungen seien vorbei.

Künftig würden Makler vor allem durch die Hausverwaltungen und Immobilienbesitzer Geld verdienen - und da gehe es um ordentlichen Service und transparente Kostenstrukturen. "Spannend ist die Frage: Wer bietet das beste Geschäftsmodell, um am Markt zu überleben", sagt Heintzenberg. 

Doch offenbar wollen einige Makler weiterhin beim Mieter abkassieren - mit nicht immer sauberen Mitteln. 

Erster Fall: Zusatzgebühren für die Mieter

Ein Berliner Makler hatte eine Wohnung angeboten - ohne Courtage, diese wurde von der Verwaltung gezahlt. Doch auch die Mieter sollten blechen. Für die Zusendung des Exposés verlangte der Makler 250 Euro von den Wohnungsinteressenten. Die Besichtigung sollte abermals 200 Euro kosten. Dazu kamen Gebühren für die Anreise (die Wohnung lag in Berlin Mitte), eine Aufwandsentschädigung und eine Bearbeitungsgebühr. Am Ende sollte der Mieter einen Betrag zahlen, der überraschend nahe an den 2,38 Nettokaltmieten lag.

Zweiter Fall: Schatten-Webseite lockt Kunden

Einige Hamburger Makler setzen offenbar auf rechtlich nicht ganz saubere Methoden. Wohnungssucher werden auf eine Schatten-Webseite gelockt, auf der sich Wohnungsangebote befinden, die allerdings nicht mehr aktuell sind. Das Ziel der Makler: Von den Mietinteressenten zum Suchen einer neuen Bleibe beauftragt werden. Zwar haben die Makler längst den Auftrag der Hausverwaltung oder der Immobesitzer erhalten, doch durch diesen Kniff bleibt die Neuvermietung für sie kostenlos und der Mieter muss die Zeche zahlen. Außerdem sammelt der Makler so die Daten von Mietinteressenten ein - und flattert wirklich ein Wohnungsangebot bei ihm rein, kann er die Wohnung schnell vermitteln. Wenn der Mieter dafür zahlt, versteht sich. 

Dritter Fall: Nachträglicher Suchauftrag

In Köln ist ein findiger Makler, der gerade in den angesagten Lagen der Stadt Wohnungen vermittelt, auf einen dreisten Trick gekommen: Hat sich ein möglicher Mieter durchgesetzt muss er - bevor er den Mietvertrag unterschreiben darf - einen Suchauftrag für den Makler ausfüllen. So sichert sich der Makler die Provision von 2,38 Nettokaltmieten. Ähnlich wie beim zweiten Fall geht es hier darum, dass die Hausverwaltungen nichts zahlen müssen. Häufig kennen sich Makler und die Immobesitzer, arbeiten schon seit Jahrzehnten zusammen. Da ist so eine Mieter-Abzocke doch Ehrensache. Die Verbraucherschützer kennen diese Masche übrigens schon und raten, diesen Wisch zwar zu unterschreiben - und sich dann aber direkt bei ihnen zu melden, um die Gebühren zurückzuverlangen. Und: Der Makler hat sich strafbar gemacht. Das kann schnell eine Strafzahlung im fünfstelligen Bereich mit sich bringen. 

Vierter Fall: Offene Bestechung

"Inzwischen wird ganz offen nach Bestechung gefragt", sagt ein Brancheninsider. Dafür schreiben die Mietinteressenten bei der Besichtigung ihre mögliche Schmiergeldsumme auf einen Zettel, der Makler wählt dann aus.

"Wer nicht genug zahlt, bekommt eben die Wohnung nicht", so der Insider weiter. Dass diese Praxis leider weit verbreitet ist, zeigt auch das Gespräch mit einem Mitarbeiter der Hamburger Sparkasse, der ganz offen bei der Anfertigung eines Mietkautionskontos nach dem gezahlten Schmiergeld fragt.

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