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Deutschland gehen die Wohnungen aus

In deutschen Großstädten herrscht Bauboom, doch statt Wohnungen werden Büros gebaut. Die Folgen: Das Land steuert auf eine ernsthafte Wohnungsknappheit zu, die Mieten steigen teils rasant, der Protest nimmt zu.

Von Gerd Blank und Martin Motzkau

  Bezahlbarer Wohnraum wird in den deutschen Metropolen zum seltenen Gut

Bezahlbarer Wohnraum wird in den deutschen Metropolen zum seltenen Gut

Von:

Gerd Blank und Martin Motzkau

Sie entern Wohnungbesichtigungen und ziehen sich dort nackt aus, sie demonstrieren in Citys zur besten Shoppingzeit oder besetzen ganz einfach leerstehende Wohnungen oder Büros: Die Aktivisten gegen steigende Mieten und eine zunehmende Wohnungsknappheit in Deutschland machen mobil. Ihr Protest dürfte erst der Anfang sein: In Deutschland werden Wohnungen knapp. Jedenfalls, in Großstädten wie Hamburg, Berlin, München, Stuttgart oder Frankfurt. Dabei ist beispielweise die Skyline von Hamburg ein Himmel voller Kräne. Doch statt Wohn- entsteht Bürofläche. Und zwar mehr als überhaupt benötigt wird.

Im Land gehen die Wohnungen aus. Gegenüber dem Spitzenjahr 1995 wurden 2009 satte 73 Prozent weniger neue Einheiten gebaut. Die Bauverbände sprechen von einer drohenden Wohnungsnot, von der drei Viertel aller deutschen Regionen betroffen sein werden. Laut einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes wurden 2009 für Neu- und Umbauten zwar 178.000 Genehmigungen erteilt, immerhin 3300 mehr als im Jahr zuvor. 2006 wurden bundesweit allerdings noch 248.000 Wohnungen fertiggestellt, 1995 sogar 603.000. Sollte die Politik nicht eingreifen, wird sich laut einer Studie der Verbände bis 2025 bundesweit eine Lücke von 360.000 Wohnungen auftun - pro Jahr. Obwohl die Bevölkerung in den kommenden Jahren weiter zurück geht, steigt besonders in den gefragten Ballungsräumen wie München und Hamburg die Zahl der Haushalte. Binnen zwölf Monaten sind die Mieten in Deutschland laut dem Marktforschungsunternehmen Empirica um fünf Prozent gestiegen - das ist mehr als das Doppelte der sonstigen Verbraucherpreissteigerungen. Sozial Schwächere werden sich den Wohnraum in passablen Gegenden bald nicht mehr leisten können, fürchten Experten.

Angespannte Lage in Hamburg

Die Hamburger Initiative "Leerstand zu Wohnraum" hat innerhalb weniger Wochen rund 4000 Mitglieder auf einer eigens eingerichteten Facebook-Seite gewinnen können, zu einer Demo in der City kamen gingen jüngst 7000 Menschen auf die Straße. Sie protestierten dagegen, dass ungenutzte Büros nicht in Wohnungen umgewandelt werden können. Auch in Berlin formiert sich Widerstand. Allerdings wird in der Hauptstadt nicht auf der Straße, sondern in Wohnungen protestiert, in denen gerade Besichtigungen stattfinden. Das Ganze hat dort Happening-Charakter: Die Aktivisten ziehen sich nackt aus und protestieren lediglich mit einer Maske bekleidet gegen Wohnungsmangel und Mietwucher.

Ob Demo oder Nackt-Happening: Noch handelt es sich bei dem Protest um regionale Aktionen, für das kommende Jahr aber ist ein bundesweiter Kongress in Hamburg geplant. Die Wahl kommt nicht von ungefähr: In der Hansestadt beschäftigt sich mittlerweile sogar die Bürgerschaft mit dem Thema. Laut Schätzungen des Makler-Unternehmens Grossmann und Berger stehen in Hamburg 1,24 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer, etwa jedes zehnte Büro. Die Demonstranten fordern, dass die Besetzung von Leerstand legalisiert - und damit die Rechte der Eigentümer stark beeinträchtigt werden. Der Mieterverein Hamburg unterstützt die Demo zwar inhaltlich, distanziert sich allerdings von dieser Forderung. Die Demonstranten hätten die falsche Zielrichtung. Nicht die Investoren seien schuld, sondern Behörden und der Gesetzgeber. Es gibt laut Eckhart Pahlke vom Mieterverein "genügend Investoren, die Wohnungen bauen wollen, aber keine Genehmigung von den Behörden bekommen". Dabei besteht großer Handlungsbedarf, denn in Hamburg herrsche eine "dramatische Wohnungsknappheit", die, wenn es so weitergeht, auf eine Wohnungsnot zusteuert.

Hohe Nachfrage = hoher Preis

In sieben von acht untersuchten Großstädten, so eine Analyse der Immobilienfirma JonesLaSalle, stiegen im zweiten Halbjahr 2009 die Mieten - unbeeindruckt von der Wirtschaftskrise. Der Trend setzte sich im ersten Halbjahr 2010 fort. Und es sind nicht mehr die ohnehin teuren Standorte, die betroffen sind. Im günstigen Berlin legten die Mieten in einigen Stadtteilen binnen eines Jahres um bis zu 14 Prozent zu. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) spricht mittlerweile von "Münchner Verhältnissen", weil sich die Hauptstadtmieten den seit Jahren hohen Preisen der bayerischen Metropole langsam annähern. In Spitzenlagen wie Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte oder Prenzlauer Berg werden teilweise 15 bis 18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter bezahlt. Vor wenigen Jahren noch völlig undenkbar.

Immobilienscout, eines der größten Portale für Wohnungssuchende im Netz, hat für stern.de den durchschnittlichen Quadratmeterpreis für die fünf deutschen Topstädte ausgerechnet. Im ersten Halbjahr 2010 kostete ein Quadratmeter Wohnfläche in Berlin etwa 6,39 Euro, in Hamburg 8,73 Euro und in Stuttgart 8,80 Euro. In Frankfurt mussten Mieter 9,60 Euro berappen und in München durchschnittlich 11,51 Euro. Für eine Neubau-Wohnung musste man in allen Städten pro Quadratmeter noch einmal um bis zu 3,50 Euro drauflegen. Soweit die Statistik. Doch in diesem Durchschnittswert sind alle Wohnungen berücksichtigt - Citylage und Szeneviertel genauso wie Stadtrandlage und Hochhaussiedlung. Wer in angesagten Gegenden wohnen möchte, zahlt noch mehr, Kaltmieten von mehr als 15 Euro pro Quadratmeter sind keine Seltenheit.

Wohnungssuche bleibt eine Qual

Doch selbst wenn man bereit und in der Lage ist, soviel Geld für eine Mietwohnung zu bezahlen, stehen die Chancen, eine zu bekommen, schlecht. Um beispielsweise den Bedarf an Wohnraum in Hamburg zu decken, müssten laut einer Senatssprecherin jährlich rund 6000 neue Wohnungen entstehen, de facto sind es etwa 4500. Auch wenn der Hamburger Senat nicht von einer Wohnungsnot sprechen will, soll die "angespannte Wohnungssituation" entschärft werden. Dafür wurde ein Koordinator für den Wohnungsbau eingesetzt. Zudem sollen kurzfristig 1000 bezahlbare neue Wohnungen auf bisher als Gewerbegebiet ausgeschriebenen Flächen gebaut werden.

Doch bis es so weit ist, bleibt die Suche einer neuen Bleibe eine Qual. Wohnungsbesichtungen ähneln inzwischen Castingveranstaltungen, Interessierte versuchen mit Bewerbungsmappen zu punkten - meist ohne Erfolg. Über die für viele Bürger unbefriedigende Situation ist sich die Senatssprecherin zwar im Klaren, sagt aber: "Es kann halt nicht jeder in bester Lage wohnen."

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