Damit das Traumhaus nicht zum Albtraum wird

7. September 2012, 09:50 Uhr

Wer sich den Traum vom Eigenheim erfüllen will, steht vor einer wichtigen Aufgabe: den richtigen Bauträger zu finden. Denn in der Branche gibt es viele, die gerne mal tricksen. Von Tanja Vedder

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Das Haus ist halbfertig und der Bauträger pleite: Eine Insolvenz ist das größte Risiko beim Hausbau. Angehende Eigentümer sollten daher im Vorfeld gut recherchieren©

Kurz vor Weihnachten 2008 ging es endlich in die eigenen vier Wände - doch nur wenig später kam für Familie Rudolf aus Hamburg das böse Erwachen: Ihr Bauträger ging pleite, und die Baustelle rund ums Haus glich zu dieser Zeit noch einem Trümmerfeld. Nur rohe Erde dort, wo eigentlich Terrasse und der Gemeinschaftsgarten entstehen sollten. Provisorische Haustüren und blanker Putz anstatt der bestellten hölzernen Hausverkleidung. Und schon gar keine Spur von den versprochenen Parkplätzen. "Es war der blanke Horror, so hatten wir uns das Weihnachtsfest sicherlich nicht vorgestellt", erinnert sich Sophia Rudolf (Name von der Redaktion geändert) heute.

Die Geschichte der Rudolfs steht exemplarisch für abertausende enttäuschte Immobilienbesitzer in Deutschland. Laut dem Statistischen Bundesamt meldeten auch im vergangenen Jahr über 500 Unternehmen im Hochbau Insolvenz an. Oft liegen die Gründe in schlechter Wirtschaftsplanung, denn viele Betriebe arbeiten am Rande der Kostendeckung. Meist rechnet sich der Bau erst, wenn die allerletzte Wohnung oder das allerletzte Haus verkauft wurde.

Schlechte Vorbereitung

Dass immer noch viele angehende Häuslebauer sich auf solche holperigen Abenteuer einlassen, liegt an mangelnder Prüfung und Vorbereitung, ist sich der auf Baurecht spezialisierte Rechtsanwalt Michael Scheffelt sicher. "Beim Kauf einer Stereoanlage informieren sich die Deutschen umfassender als beim Kauf eines Hauses", sagt er. Dabei bestehe das größte Risiko beim Hausbau in einer Insolvenz des Bauträgers. "Wenn die Firma mitten in der Bauphase pleite geht, wird das Ganze um ein Vielfaches teurer. Die Ausgaben für den Notar sind weg. Und die Firmen, die dann mit dem Weiterbau beauftragt werden, nutzen diese Situation in der Regel aus", warnt der Münchener Experte.

Woran aber kann der Laie einen guten Bauträger überhaupt erkennen? Zunächst einmal sollten sich Interessenten von der Arbeit der ausgewählten Firma überzeugen, empfiehlt der Architekt Thomas Penningh, der auch Präsident des Vereins Privater Bauherren (VPB) ist. Etwa, indem sie bereits fertiggestellte Bauten persönlich besichtigen. Ein seriöser Bauträger wird auch nicht zögern, zufriedene Kunden zu benennen. Ein Gespräch mit diesen ehemaligen Kunden kann für Aufschluss sorgen, ob damals alles glatt gegangen ist.

Wem die Meinung anderer nicht reicht, der kann als weitere Möglichkeit auch Wirtschaftseinkünfte über das Unternehmen einziehen. Mitglieder in Vereinen wie dem VPB, dem Bauherren-Schutzbund oder der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund erhalten solche Bonitätsinformationen etwa von der Schufa meist zu verringerten Gebühren. Ansonsten werden beispielsweise bei Creditreform zwischen 20 und 40 Euro fällig.

Auch Recherchen zur Historie des Unternehmens können Nützliches zutage bringen. Handelt es sich um einen alteingesessenen und schon lange im Baubereich tätigen Betrieb? In diesem Fall kann der Kunde schon eher darauf vertrauen, dass er den richtigen Partner für sein Bauvorhaben gefunden hat. "Unternehmen, die ursprünglich aus dem kaufmännischen Bereich kommen, seien dagegen mit Vorsicht zu genießen, warnt Penningh. Kritisch sind auch sogenannte Projekt GmbHs, die eigens für den jeweiligen Hausbau gegründet werden und deren pflichtgemäßes Eigenkapital mit 25.000 Euro minimal ist.

Bauverträge oft viel zu schwammig formuliert

Ein weiteres großes Problem beim Bauen: Es muss sich gar nicht um ein schwarzes Schaf der Branche handeln, auch seriöse Unternehmen werden natürlich versuchen, ein gutes Geschäft zu machen. Was der Kunde nicht fordert, wird deshalb auch freiwillig kaum geboten. Der größte Stolperstein ist daher bei allen Firmen der Bauvertrag selbst. Aber genau hier trennt sich auch die Spreu vom Weizen. Ein guter Bauträger unterscheidet sich vom schlechten vor allem durch seine Verhandlungsbereitschaft, der Transparenz und den gebotenen Sicherheiten, meint der VPB-Vorstandsvorsitzende Penningh.

Transparenz ist jedoch oft Mangelware. Denn egal, was der Bauträger dem Kunden an schönen Bildchen und Prospekten gezeigt hat: Am Ende zählt der Vertragstext - jedoch sei fast die Hälfte aller Verträge nicht ausreichend ausformuliert, warnt der Bauherren-Schutzbund (BSB) in Berlin. Die Bau- und Leistungsbeschreibungen seien oft unvollständig und zu unkonkret. Sei es beim Leistungsumfang, bei der Beschreibung der Baukonstruktion, bei Baustoffen und Baumaterialien sowie bei der technischen Ausstattung. Genau diese Lücken gilt es bei der Vertragsgestaltung nun zu stopfen, anderenfalls riskieren Sie als Auftraggeber, dass Sie am Ende Ihr Traumhaus nicht mehr wiedererkennen.

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