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Mein Haus, meine Scholle, mein Igel

Vor 14 Jahren zog stern-Autor Harald Kaiser mit seiner Familie von der Großstadt aufs Land. Bereut hat er den Schritt nie - trotz eines schwierigen Starts.

  Ländliche Idylle: das Haus von stern-Autor Harald Kaiser in der Nordheide südlich von Hamburg

Ländliche Idylle: das Haus von stern-Autor Harald Kaiser in der Nordheide südlich von Hamburg

Meine Frau war ganz hibbelig. Auf der Rückfahrt aus dem Skiurlaub rieb sie sich die Hände und sagte: "Morgen werde ich in den Garten gehen und meine Pflanzen begrüßen." Sie kennt jedes Blatt beim Vornamen. Sollte demnächst eine Biene zum Bestäuben vorbeibrummen, dann würde es mich nicht wundern, wenn die beiden sich anlächeln.

Im eigenen Garten wühlen zu können ist für meine Frau inzwischen ein erfüllter Traum. Genau wie der vom Eigenheim. Wir sind damals raus aus der Stadt und haben auf dem Land gebaut. Der Wunsch, auf der eigenen Scholle zu gärtnern, war aber nicht der entscheidende Grund, die Großstadt zu verlassen. Den Ausschlag gaben zwei Punkte:

• Zum einen waren uns die passenden Häuser oder Grundstücke in Hamburg entweder zu teuer oder hatten eine miese Lage, wofür wir uns finanziell nicht krummlegen wollten;

• zum anderen war uns aber auch wichtig, dass unser Sohn im Grünen aufwächst und im Wald und an Bächen toben können sollte.

Schauerlich verwohnte Häuser

Also haben wir im Umland der Hamburgs gesucht. Fündig geworden sind wir in einem Dorf etwa 30 Kilometer südlich von der Hansestadt. Die Region nennt sich Nordheide und gehört zu Niedersachsen.

Doch zunächst gefielen uns auch die dortigen Häuser nicht. Mal war der Schnitt blöd, die Lage nichts oder sie waren schauerlich verwohnt. Ich erinnere mich an eins, von dem die Maklerin völlig beglückt war. Das war innen einheitlich braun. Fürchterlich. Also haben wir nach Wochen vergeblichen Suchens nach einem Grundstück Ausschau gehalten, auf dem wir bauen können. Das wollte wir zwar nie, war dann aber irgendwie unausweichlich.

Bauträger pleite, 40.000 Mark futsch

Aus heutiger Sicht eine goldrichtige Entscheidung. Wir wohnen seit 14 Jahren in der Doppelhaushälfte und bereuen es nicht. Allerdings mussten wir anfangs einen harten Weg gehen. Der Bauträger hat mittendrin Pleite gemacht. Die zuletzt gezahlte Abschlagsrate von 40.000 Mark war futsch, ohne dass wir einen Gegenwert bekommen haben. Nur dem Umstand, dass wir nicht auf der letzten Rille kalkuliert haben, ist es zu verdanken, dass wir den Schlag ohne Probleme finanziell abfedern konnten.

Längst ist alles gut. Wir zahlen zwei Prozent Tilgung, das sind derzeit nur 850 Euro monatlich für ca. 170 Quadratmeter Wohnfläche auf drei Etagen. Grundstücksgröße: ca. 850 Quadratmeter. Das Haus liegt am Hang und bietet einen tollen Blick über Felder.

Benzinkosten? Will ich besser nicht wissen

Wir unterhalten drei Autos, eines für meine Frau, eines für unseren Sohn (der inzwischen zum Studieren ausgezogen ist) und eines für mich. Versicherungskosten im Jahr: ca. 1800 Euro für alle drei. Benzinkosten? Die will ich besser nicht wissen.

Fahrzeit für mich: Derzeit bis zu einer Stunde, weil auf der A1 bis Herbst eine Baustelle ist und sich die Autobahn von drei auf zwei Spuren verjüngt. Würde der Verkehr normal fließen, bräuchte ich gut 30 Minuten. Wollte ich die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, müsste ich entweder mit dem Bus oder mit dem Auto zur nächsten Bahnstation fahren, die etwa acht Kilometer weg ist. Die Verbindungen sind gut bis ins Büro zum Baumwall. Fahrzeit 30 bis 45 Minuten. Kosten für eine Fahrt: ca. fünf Euro. Aber mir ist das zu umständlich, ich fahre lieber mit dem Auto. Damit bin ich auch unabhängig von Fahrplänen.

Die Einkaufsmöglichkeiten sind in unserer direkten Umgebung gut, was den täglichen Bedarf anbelangt. Zum Kauf von Kleidung fahren wir jedoch nach Hamburg. Wollen wir ins Theater, ins Kino oder zum Kabarett, haben wir die Wahl zwischen Buchholz, Hamburg, Harburg oder auch Lüneburg. Essengehen macht keine Mühe, im Umkreis von etwa zehn Kilometern gibt es gute Restaurants, wo wir auch Geld lassen.

Unterm Strich wohnen wir gerne draußen und genießen die Ruhe. Etwa im Sommer, wenn wir bis in die Puppen auf der Terrasse sitzen und Wein trinken. Aber neuerdings keimt bei meiner Frau der Gedanke auf, ob ihr das Rumwühlen im Garten eines Tages zu viel werden könnte. Schließlich sind wir ja auch schon Nachwuchsrentner. Aber solange noch Rehe, Eichhörnchen und auch Mäuse kommen, die in unserem Hang ihrerseits Eigenheime bauen und die Kleinen groß ziehen, erfreuen wir uns daran und blenden die Antwort auf die irgendwann anstehende Frage aus.

Ab und an erschrickt sich meine Frau fast zu Tode, wenn beim Blumenzupfen wieder einmal eine Maus dicht an ihr vorbeihuscht. Einmal kroch spät abends sogar ein dicker Igel schmatzend aus dem Bodendecker, tippelte über die Terrasse und verschwand in einem Busch. Fast wie in der Wildnis.

Von Harald Kaiser/print

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