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Bauen mit Muskelhypothek

Wer am eigenen Haus mitwirkt, kann gutes Geld sparen. Doch die Eigenleistung will wohlbedacht sein: Denn Mitschuften kostet Zeit und Nerven. Was Sie bei der "Muskelhypothek" beachten sollten.

Von Tanja Vedder

  Künftige Eigentümer sollten sich genau überlegen, ob sie das Wagnis "Muskelhypothek" eingehen, denn die Eigenleistung kostet viel Kraft und Zeit

Künftige Eigentümer sollten sich genau überlegen, ob sie das Wagnis "Muskelhypothek" eingehen, denn die Eigenleistung kostet viel Kraft und Zeit

  • Tanja Vedder

Bauen ist in, und "Betongeld" gilt spätestens seit der aktuellen Finanzkrise als eine der letzten sicheren Währungen. Was dazu geführt hat, dass vielerorts die Immobilienpreise rasant in die Höhe geschossen sind. Was liegt also näher, als sich nach Einsparmöglichkeiten umzuschauen?

Tatsächlich kann, wer selbst am Bau mit anpackt, sein Säckel um einige Tausend Euro schonen. Doch die scherzhaft auch "Muskelhypothek" genannte Eigenleistung ist nicht ganz ohne. Denn sie erfordert nicht nur entsprechendes handwerkliches Können. Eigenleistung kostet auch viel Kraft und Zeit - und diese Komponenten sollten angehende Häuslebauer in keinem Fall unterschätzen, warnen Experten.

Auf den ersten Blick sieht die Rechnung gut aus: Laut dem Verband Privater Bauherren (VPB) ließen sich bei einem Reihenhaus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche auf drei Etagen und Keller die reinen Baukosten von 275.000 Euro um etwa 25.000 Euro drücken, wenn der künftige Besitzer selbst mit Hand anlegt. Doch hinter dieser Summe stecken auch sage und schreibe fast 850 Arbeitsstunden.

Lange Nächte auf der Baustelle

Kann ich das leisten? Diese Frage sollte sich also jeder zunächst einmal stellen, bevor er sich auf das Wagnis "Muskelhypothek" einlässt. Denn wer nicht zufällig gerade im Lotto gewonnen hat, wird in der Regel einer Arbeit nachgehen. Nach Feierabend auf der Baustelle noch malochen, will also gut überlegt sein. Ganz zu schweigen von der Frage, ob das die Familie und die Ehe auch mitmacht. "Als Bauherr bin ich ohnehin schon enorm zeitlich eingespannt, weil ich für den reibungslosen Ablauf auf der Baustelle sorgen muss", gibt Alexander Wiech von der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund zu bedenken. "Wer sich dann noch die Eigenleistung antun will, verbringt unter Umständen jedes Wochenende und selbst Nächte auf der Baustelle."

Hinzu kommt, dass der Bauherr schließlich nicht einfach werkeln kann, wie er will. Das Bauunternehmen hat in der Regel einen konkreten Zeitplan - und in den muss sich die Eigenleistung terminlich nahtlos einfügen. Kommt es zu Verzögerungen am Bau, weil der Bauherr nicht rechtzeitig seinen Teil der Arbeit erbracht hat, muss er im Fall des Falles hierfür haften. Und schlimmstenfalls verliert er sogar seine Gewährleistungsansprüche. Nämlich dann, wenn nicht mehr genau nachzuvollziehen ist, ob eventuelle Schäden auf die Eigenleistung oder die Arbeiten des Bautrupps zurückzuführen sind. Auf der sicheren Seite sind Bauherren, wenn sie tatsächlich nur Arbeiten übernehmen, die erst anfallen, wenn der eigentliche Hausbau fertig und das Haus abgenommen ist. Wände streichen beispielsweise, oder das Verlegen der Böden.

Eine andere Sache sind die sogenannten Ausbau- oder Mitbauhäuser, die von Hausherstellern angeboten werden. Sparen lassen sich hier etwa 20.000 Euro. Hier gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten mitzumachen, beginnend vom Rohbau, der noch komplett ausgebaut werden muss. Die notwendigen Ausbauarbeiten sind oft von den Anbietern vorgegeben, es gibt aber auch Häuser, wo der Kunde die Arbeiten mit dem Unternehmen genau abstimmen kann. Experten raten, darauf zu achten, dass man eine speziell aufs Haus zugeschnittene, detaillierte Ausbauanleitung erhält, in der auch die Baustoffe, Materialien und die konkreten Arbeitsgänge beschrieben sind. Denn beim Service und der Unterstützung durch den Hersteller gibt es enorme Unterschiede.

Welche Versicherung Sie brauchen

"Wichtig ist natürlich auch, dass ich mir die Arbeiten nicht nur zutraue, sondern sie auch wirklich gut erledigen kann, gibt Thomas Penningh, Präsident beim Verein Privater Bauherren (VPB) zudem zu bedenken. Denn was nutzt es, wenn am Ende beispielsweise die Einfahrt keinen tragfähigen Unterbau hat, und dann noch einmal viel Geld in den Fachmann investiert werden muss, der alles von Grund auf erneuert?

Damit sich der künftige Eigentümer mit seiner Muskelhypothek am Ende nicht übernimmt, empfiehlt Rainer Huhle, Geschäftsführer beim Bauherren-Schutzbund (BSB), die Eigenleistung ohnehin auf maximal fünf bis zehn Prozent der Gesamtkosten zu beschränken. Nur wer wirklich von Berufs wegen sachkundig ist, könne auch getrost darüber hinaus gehen. Übrigens gehen auch die Geldinstitute bei der Finanzierung das Thema Muskelhypothek sehr penibel an. Soll die Eigenleistung im Finanzierungsplan berücksichtigt werden, müsse mit der Bank Klartext geredet werden, so Huhle. Denn die Geldgeber hätten natürlich ein Interesse daran, dass der Umfang der Eigenleistung realistisch bleibt.

In jedem Fall sollte die Eigenleistung vertraglich klar geregelt werden. Damit hat der Kunde eine Garantie, um wie viel sich die Bausumme reduziert. Aber auch für den Bauunternehmer schafft die Schriftform Klarheit, welche Leistungen er erbringen muss, und welche nicht. "Allzu viel Ersparnis sollte man aber nicht erwarten", sagt BSB-Experte Huhle. Denn wer selbst malert, fliest oder gar dämmt, wird das Material häufig teurer einkaufen müssen als das Bauunternehmen, das in der Regel von Mengenrabatten profitiert. Daher sollte man sich im Vorfeld immer auch die Gutschrift detailliert nach Lohn- und Materialkosten aufschlüsseln lassen. Und sich dabei immer die Frage stellen: Macht das finanziell tatsächlich Sinn?

Anmelden ist Pflicht

Bleibt noch die Frage der Sicherheit. Jährlich verunglücken auf privaten Baustellen mehrere hundert Menschen. Wer mitschuftet, und auch noch Familie und Freunde mit einspannt, gilt nach dem Gesetz als Unternehmer - mit allen dazugehörigen Pflichten. Das heißt etwa, dass er für den Arbeitsschutz seiner Helfer sorgen muss. Und für deren Versicherung. Damit auch auf der privaten Baustelle die gesetzliche Unfallversicherung greift, muss der Bauherr ohnehin alle privaten Helfer bei der Berufsgenossenschaft, also der BG BAU, anmelden. Und zwar spätestens eine Woche nach Baubeginn. Ausnahmen gibt es bei kurzfristigen Baumaßnahmen und Förderung des Wohnraums. Zuständig sind hier die Träger der öffentlichen Hand (Unfallkassen). Wer seine Helfer nicht anmeldet, riskiert eine Strafzahlung in Höhe von bis zu 2500 Euro.

Grundsätzlich sind für jeden Helfer Pflichtbeiträge zu entrichten. Deren Höhe hängt vom Umfang der geleisteten Arbeitsstunden ab - und ist zudem ortsabhängig. Der Bauherr selbst, sein Ehegatte sowie eingetragene Lebenspartner sind allerdings nicht bei der Berufsgenossenschaft automatisch mitversichert, können dort aber eine freiwillige Versicherung abschließen. Experten raten zudem zum Abschluss einer privaten Zusatz-Bauhelferversicherung.

Von Tanja Vedder

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