Der große Heizungs-Check

5. November 2012, 13:49 Uhr

Heizöl und Gas werden immer teurer, aber lohnt sich der Umstieg auf Erneuerbare Energien wirklich? Und auf welche Technologie soll ich setzen? Die wichtigsten Antworten. Von Sven Rohde und Michael Brüggemann

Sie können noch so viele Energiesparlampen einbauen und wirklich immer den Stecker des Flachbildfernsehers ziehen, um Energie zu sparen. Im Vergleich mit den Heizkosten geht es doch nur um kleine Beträge. Neben einer ordentlichen Dämmung ist daher die Wahl der passenden Heizung die wohl wichtigste Energiefrage im Eigenheim. Die wichtigsten Antworten zu Investitionskosten, Amortisationszeiten und der Frage, welche Erneuerbaren sich wirklich lohnen.

Rentieren sich Wärmepumpen, Holzpelletkessel und Solarthermie?

Wer sich für eine Wärmepumpe oder einen Holzpelletkessel entscheidet, muss deutlich mehr Geld ausgeben als für eine Gas- oder Ölbrennwertheizung. Entsprechend länger dauert es, bis sich die Investition auszahlt: Eine Wärmepumpe rentiert sich erst nach bis zu 20 Jahren, ein Brennwertkessel, der einen Standardheizkessel ersetzt, dagegen meist schon nach acht bis zehn Jahren. Auf lange Sicht kann sich der Umstieg auf regenerative Energien trotzdem rechnen: Verbraucher machen sich damit unabhängig von fossilen Energieträgern und steigenden Öl- oder Erdgaspreisen.

Eine zweite Möglichkeit, grüner zu heizen, bietet eine Kombi-Solaranlage. Im Sommer übernehmen Solarkollektoren die gesamte Warmwasserbereitung, im Winter entlasten sie den Gas- oder Ölkessel. So lässt sich der Brennstoffverbrauch um bis zu 30 Prozent senken. Wer einen Neubau plant, kann mit Solarthermie außerdem die Anforderungen des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) erfüllen. Das Gesetz schreibt Bauherren vor, in eine besonders gute Dämmung zu investieren oder einen Teil des Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien zu decken.

Alternative 1: eine Holzpelletheizung. Die Verbrennung der Presslinge ist weitgehend CO2-neutral, allerdings wird dabei Feinstaub freigesetzt. Wer die Pelletheizung mit einer Solarthermie-Anlage kombiniert, kann den Holzverbrauch deutlich verringern. Dadurch fällt die Ökobilanz besonders gut aus: Pro Jahr entstehen nur noch 251 Kilogramm CO2. Eine Kombi-Solaranlage mit Brennwertkessel kommt auf 3983 Kilo CO2 - mehr als das Fünfzehnfache.

Alternative 2: Wärmepumpen. Diese Anlagen nutzen statt Brennstoff Umweltwärme aus der Luft, aus dem Boden oder aus dem Grundwasser zum Heizen oder zur Warmwasserbereitung. Sie arbeiten jedoch nur effizient, wenn das Haus mit einer Fußbodenheizung ausgestattet und gut gedämmt ist. Denn dann reichen niedrigere Heiztemperaturen aus. Es ist sinnvoll, wenn eine Solarthermie-Anlage die Wärmepumpe indirekt unterstützt. Die Sonnenwärme wird dann nicht nur in einen Pufferspeicher eingespeist, sondern auch ins Erdreich geleitet, in dem Wärmepumpenkollektoren verlegt sind.

Bewertung
• Investition: Brennwertkessel 4000 bis 7000 Euro, Warmwasser-Solaranlagen 4000 bis 6000 Euro, Kombi-Solaranlage 6000 bis 18.000 Euro, Pelletofen 7000 bis 17.000 Euro, Erd- oder Grundwasserwärmepumpe 8500 bis 12.000 Euro plus 2000 bis 7500 Euro für Erdarbeiten (alle Preise ohne Montage)
• Amortisation: Brennwertkessel nach 8 bis 10 Jahren, Pelletofen im Durchschnitt nach etwa 10 Jahren, Wärmepumpe nach 10 bis 20 Jahren, solarthermische Anlagen nach bis zu 20 Jahren
• Aufwand: hoch
Gesamturteil: ****

Wie gut sind Mikro-Blockheizkraftwerke?

Die neuen Mini-Blockheizkraftwerke (Mini-BHKW) setzen auf die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung und erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme. Meistens werden die Kraftpakete mit Erdgas betrieben. Da sie im Heizkeller stehen, sind die Verteilungs- und Umwandlungsverluste sehr gering. Die Folge: ein sehr guter Wirkungsgrad. Viele Mini-BHKW laufen mit einer Leistung von drei bis zehn Kilowatt und sind daher für ein normales Einfamilienhaus überdimensioniert. Ist der Wärmebedarf des Hauses gedeckt, wird ja auch kein Strom mehr produziert. Mini-BHKW eignen sich daher erst ab zwei Wohneinheiten oder für ein sehr großes Einfamilienhaus mit Schwimmbad.

Alternative: Interessanter fürs Einfamilienhaus sind sogenannte Mikro-BHKW. Das sind kompakte Kleinstkraftwerke, zugeschnitten auf den geringeren Wärmebedarf im Einfamilienhaus. Diese Geräte haben trotzdem einen relativ hohen elektrischen Wirkungsgrad. Das ist wichtig, denn es ist der Stromertrag, der am Ende entscheidet, ob ein BHKW sich rechnet oder nicht.

Bewertung
• Investition: ca. 18.000 bis 22.000 Euro inklusive Montage
• Amortisation: nach fünf Jahren, wenn die Anlage gut ausgelastet ist
• Aufwand: gering
Gesamturteil: ****

Zurück zur Holzheizung - ist das wirklich sinnvoll?

Aus Sicht der CO2-Bilanz auf jeden Fall: Denn der Baum, der im Ofen verheizt wird, setzt bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid frei, wie er während seines Wachstums aufgenommen hat. Trotzdem muss das Holz gefällt, bearbeitet und transportiert werden. Aber selbst wenn man diese indirekten Emissionen einrechnet - bei Holzpellets zusätzlich die Herstellung -, liegt der CO2-Ausstoß noch rund 70 Prozent unter dem einer Erdgas- und mehr als 80 Prozent unter dem einer Erdölheizung.

Allerdings wird beim Verbrennen von Stückholz oder Holzpellets neben CO2 auch Feinstaub frei - etwa doppelt so viel wie bei Öl- und dreimal so viel wie bei Erdgasheizungen. Die steigende Beliebtheit von Holz- und Pelletöfen hat bereits mehrfach zu erhöhten Feinstaubwerten in deutschen Städten geführt. Holzpellets können deshalb keine flächendeckende Lösung sein.

Obwohl wir es bei Holz mit dem ältesten Brennstoff zu tun haben, sollte man nicht auf historische Heizmethoden zurückgreifen. Offene Kamine etwa sind völlig ungeeignet, weil sie kaum Wärme speichern. Nach dem Anfeuern verteilt sich die Strahlungswärme des Feuers rasch im Raum, erkaltet aber auch schnell wieder.

Bewertung
• Investition: 7000 bis 17.000 Euro Amortisation: im Durchschnitt rund 10 Jahre
• CO2-Einsparung: Wer statt einer Gasbrennwerttherme (4850 kg pro Jahr) einen Holzpelletkessel (300 kg/Jahr) installiert, erspart der Atmosphäre jährlich 4550 kg CO2
• Aufwand: mittelgroß
Gesamturteil: ***

Ist es ökologisch vertretbar, beim Kesseltausch weiter auf fossile Brennstoffe zu setzen?

Ja, aber Erdgas ist besser als Heizöl. Erdgas-Brennwertkessel stellen derzeit das Optimum dar: Sie nutzen auch die Wärme der Abgase zum Heizen. Wie viel der Austausch bringt, hängt davon ab, was für ein Kessel im Keller steht. Alte Standardheizkessel zu ersetzen lohnt in jedem Fall: Sie sind schlecht gedämmt und vergeuden viel Wärme im Heizraum.

Bewertung
• Investition: Gas-Brennwertkessel inklusive Montage 6000 bis 8000 Euro
• Amortisation: nach acht bis zehn Jahren
• Aufwand: gering, wenn nur der Kessel ausgetauscht wird
Gesamturteil: ****

Wenn solarthermische Anlagen sich erst nach vielen Jahren rechnen - machen sie sich zumindest für die Umwelt schneller bezahlt?

Ja. Die energetische Amortisationszeit - die Zeitspanne, in der die Anlage jene Primärenergie einspart, die für Herstellung, Betrieb, Wartung und Entsorgung aufgewendet werden muss - liegt bei ein bis zwei Jahren für Warmwasserkollektoren. Eine Kombi-Solaranlage ist nach gut vier Jahren im grünen Bereich. Mit einer solaren Bauteilerwärmung lässt sich die Effizienz der Anlage noch steigern. Dabei wird eine Innenwand im kühleren Teil des Gebäudes, zum Beispiel in einem Nordzimmer, als Speichermasse genutzt.

Bewertung
• Investition: 4000 bis 6000 Euro für Warmwasserunterstützung, 6000 bis 18.000 Euro für Kombi-Solaranlage
• Aufwand: hoch
Gesamturteil: ***

Ist eine Wärmepumpe ökonomisch sinnvoll und ökologisch vertretbar, obwohl sie mit Strom betrieben wird?

Eine Wärmepumpe nutzt statt Brennstoff die Umweltwärme aus der Luft, dem Boden oder dem Grundwasser für die Heizung oder die Warmwasserbereitung. Für ihren Betrieb benötigt sie aber Strom. Entscheidend für die Ökobilanz ist, wie viel. Die Effizienz der Wärmepumpe erkennt man an der Jahresarbeitszahl. Diese sollte im Idealfall bei 4, auf jeden Fall deutlich über 3 liegen. Das heißt: Die Wärmepumpe kann mit einer Kilowattstunde Strom drei beziehungsweise vier Kilowattstunden Wärme erzeugen. Liegt der Nutzungsgrad der Wärmepumpe darunter, baut man sie besser nicht ein. Die Pumpe arbeitet dann ineffizient und nicht energiesparend.

Das gilt zum Teil für sogenannte Luftwärmepumpen. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE ermittelte in einem Feldtest zwischen 2005 und 2010 durchschnittliche Jahresarbeitszahlen der Luftwärmepumpen von 2,9 im Neubau und 2,6 im Altbau - zu wenig für einen effizienten Betrieb. Stattdessen empfehlen die Experten Wärmepumpen, die ihre Energie aus dem Grundwasser oder Erdreich beziehen. Wichtig für einen effizienten Betrieb ist eine möglichst geringe Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle (hohe Temperatur) und Heizungsvorlauf (niedrige Temperatur).

Die besten Werte erreichen Grundwasser-Wärmepumpen, da sie im Jahresverlauf am konstantesten relativ hohe Temperaturen erreichen. Am besten kombiniert man die Wärmepumpe mit einer Wand- oder Fußbodenheizung, da sie schon bei niedrigen Temperaturen um 35 Grad Celsius behagliche Wärme verbreiten. Flächenheizungen setzen jedoch eine gute Dämmung der Gebäudehülle voraus. Bei schlecht gedämmten Altbauten ist der Einbau einer Wärmepumpe deshalb nur sinnvoll, wenn zugleich der Wärmeschutz verbessert wird.

Bewertung
• Investition: Luftwärmepumpe 10.000 bis 12.000 Euro, Erdwärmepumpe 8500 bis 11.500 Euro (plus 2000 bis 4000 Euro für Erdarbeiten), Grundwasserwärmepumpe 9000 bis 12.000 Euro (plus 2500 bis 7500 Euro für Erdarbeiten)
• Amortisation: 10 bis 20 Jahre, je nach Effizienz und Investitionskosten
• Aufwand: bei Luftwärmepumpen gering, bei Erdwärmepumpen hoch
Gesamturteil: ****

Lohnen sich kleine Pumpen an jedem Heizkörper?

Die dezentralen Mini-Pumpen sind seit etwa drei Jahren auf dem Markt. Sie sitzen direkt am Heizkörper und arbeiten nahezu geräuschlos. Im Vergleich zu zentralen Umwälzpumpen sind Einsparungen von 20 Prozent Heizenergie und bis zu 50 Prozent Strom möglich. Der Grund: Dreht man bei einer herkömmlichen Heizung die Temperatur herunter, sinkt zwar die Vorlauftemperatur, die Heizungspumpe im Keller läuft aber weiter. Sitzt die Pumpe dagegen direkt am Heizkörper, geht sie tatsächlich auf null.

Bewertung
• Investition: rund 3400 Euro für ein 150-Quadratmeter- Einfamilienhaus
• Amortisation: nach etwa sieben Jahren
• CO2-Einsparung: 424 kg pro Heizperiode
• Aufwand: im Altbau Mehraufwand fürs Kabelverlegen
Gesamturteil: **

Kann die Temperatur im Warmwasserspeicher unter 55 Grad abgesenkt werden?

Verunsichert werden Hausbesitzer durch Warnungen vor Legionellen. Die Bakterien kommen in Warmwasseranlagen vor und vermehren sich zwischen 25 und 55 Grad. Wer sie über zerstäubtes Wasser, zum Beispiel beim Duschen, einatmet, kann gefährlich an der Lunge erkranken. Deshalb darf bei Mehrfamilienhäusern die Temperatur im Leitungssystem nicht unter 55 Grad liegen. Diese Vorschrift gilt aber nicht für Einfamilienhäuser.

Hier können die Bewohner die Wassertemperatur nach Belieben senken - und in der Regel gehen sie damit kein gesundheitliches Risiko ein. Gefährlich wird es erst, wenn das Wasser über lange Zeit im Leitungssystem steht, denn dann vermehren sich die Bakterien schneller. Übrigens: Das Wasser einmal pro Woche "zur Legionellenvorbeugung" auf 60 Grad zu erhitzen ist unsinnig. Die Bakterien sterben erst bei 70 Grad. Besser wirkt, nach einem Urlaub das in den Leitungen stehende Wasser - auch das kalte! - einfach ablaufen zu lassen.

Bewertung
• Investition: kostenlos Amortisation: sofort
• CO2-Einsparung: bei einer Absenkung von 60 auf 50 Grad Celsius: 274 kg (bei Gas) beziehungsweise 548 kg (bei Öl) pro Jahr für einen Dreipersonenhaushalt
• Aufwand: einfach
Gesamturteil: ****

Zum Thema
stern-Ratgeber

Ihre private Ökobilanz
So sparen Sie Energie und Kosten und schonen die Umwelt
Linde Verlag
192 Seiten
ISBN: 9783709301814
10,20 €

Hier bestellen

 
ANZEIGE
Online-Heizungs-Planer: Gut geplant ist halb gewonnen

mehr...
ANZEIGE
Junkers: Wir haben was gegen steigende Energiepreise

mehr...
ANZEIGE
Heizwertgerät austauschen – Prämie kassieren

300 EUR Prämie bei Umstieg auf moderne Brennwerttechnik

mehr...