Goldgrube Heizungskeller

14. Mai 2012, 11:48 Uhr

Durch den Austausch des alten Heizkessels lässt sich viel Geld sparen. Dabei muss es nicht immer eine Öl- oder Gasheizung sein: Solarthermie, Holzpellets und Wärmepumpen sind sinnvolle Alternativen. Von Peter Neitzsch

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Moderne Heizkessel heizen zwar weiter mit Öl und Gas, benötigen aber deutlich weniger Brennstoff©

Hausbesitzer verheizen jährlich unnötig Millionen Euro. Der Grund sind veraltete Heizungen und fehlende Dämmung: Vier von fünf Wohnungen haben der Deutschen Energie-Agentur (Dena) zufolge nicht annähernd den energetischen Standard, der durch heute übliche Baumaterialien möglich ist.

Ein Blick in die Heizungskeller ist da oft aufschlussreich: veraltete Heizkessel, die bei weitem nicht an die Energieeffizienz moderner Geräte herankommen. Umwälzpumpen, die 24 Stunden am Tag arbeiten, obwohl sie nur einen Bruchteil der Zeit gebraucht werden. Laut dem Branchenverband für Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) arbeiten 78 Prozent der Heizungsanlagen hierzulande ineffizient.

Neben der Wärmedämmung bietet eine Modernisierung der Heizungsanlagen Hausbesitzern daher die beste Möglichkeit, Energie und damit Geld zu sparen. Je stärker die Öl- und Gaspreise steigen, desto mehr rechnen sich auch umweltfreundliche Heizsysteme. stern.de stellt die wichtigsten Alternativen im Heizungskeller vor.

Modernisierung alter Anlagen

Wichtig sind individuell auf das Gebäude und die Wohnsituation zugeschnittene Lösungen. Die Beratung durch einen Fachmann ist daher unerlässlich. "Wir raten dazu, sich erst mal mit einem geschulten Fachhandwerker in Verbindung zu setzen, der einen Heizungscheck durchführen kann", sagt der Geschäftsführer des "Forums für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik" (VdZ), Horst Eisenbeis. Dabei werde die Heizungsanlage "auf Herz und Nieren" geprüft. Der Kunde weiß danach, wo konkreter Handlungsbedarf besteht. Die Kosten für einen solchen Check liegen etwa bei hundert Euro.

Häufig lässt sich die alte Anlage bereits durch einfache Maßnahmen verbessern: etwa durch den Austausch der veralteten Heizungspumpe oder einen sogenannten "hydraulischen Abgleich". Bei dem Abgleich wird das Heizungssystem optimiert: "Oft muss man in den entfernten Räumen die Heizung stärker aufdrehen, damit es warm wird, denn diese Räume werden mit weniger Heizungswasser versorgt", sagt Eisenbeis. Der hydraulische Abgleich und entsprechende Umbauten helfen, die Wärme gleichmäßig auf die Räume zu verteilen. Das kann bereits bis zu zehn Prozent der fürs Heizen benötigten Energie einsparen.

Eine neue Pumpe für die alte Heizung kostet ohne Einbau zwischen 370 und 420 Euro und kann die Heizkosten ebenfalls deutlich senken: "Geregelte Heizungspumpen schalten sich ein, wenn sie gebraucht werden und laufen nicht die ganze Zeit voll durch", erklärt Eisenbeis. Seit dem 1. April 2012 wird die Optimierung der Heizungsanlage auch über das Programm "Energieffizient Sanieren" der Staatsbank KfW gefördert.

Komplettaustausch und Brennwerttechnik

Hat die Anlage im Heizungskeller erstmal ein bestimmtes Alter überschritten, hilft oft nur noch der Komplettaustausch: "Ein Heizkessel, der älter als 20 Jahre ist, ist schon mal höchst verdächtig", sagt Christian Stolte, Bereichsleiter für energieeffiziente Gebäude bei der Dena. Die Heizung ist in der Regel technisch veraltet und sollte ausgetauscht werden. Durch einen Komplettaustausch entstehen allerdings auch hohe Kosten: Häufig müssen Wände aufgerissen und Leitungen neu verlegt werden. Doch in der Regel lohnt sich der Aufwand: Moderne Heizkessel heizen zwar weiter mit Öl und Gas, benötigen aber deutlich weniger Brennstoff als alte Kessel.

Die sogenannte Brennwerttechnik ermöglicht eine extrem effiziente Verbrennung von Öl oder Gas mit einem Wirkungsgrad von nahezu hundert Prozent. Das bedeutet: Beim Verfeuern geht so gut wie keine Energie verloren. Denn die Geräte nutzen nicht nur die Energie, die bei der Verbrennung entsteht, sondern wandeln zusätzlich Teile der Abgase in Wärme um. Kombiniert man die modernen Anlagen mit einer Solarthermie-Anlage auf dem Dach, kann die fürs Heizen benötigte Energie so um 30 bis 40 Prozent reduziert werden.

Welche Maßnahmen im konkreten Einzelfall sinnvoll sind, hängt immer auch von den Gegebenheiten vor Ort ab. Das gilt auch für die Wahl der neuen Heizanlage: "Wenn Sie in der Stadt wohnen, haben Sie oft einen Erdgasanschluss, während auf dem Land häufig mit Heizöl geheizt wird", erläutert Eisenbeis vom VdZ.

Bei Heizkosten von etwa 3000 Euro im Jahr amortisiert sich die Installation einer Neuanlage im Wert von 10.000 Euro nach rund elf Jahren, hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen berechnet. Zudem wird auch der Austausch alter Heizkessel durch die KfW-Bank gefördert - über zinsverbilligte Kredite oder einen einmaligen Investitionszuschuss. Die Höhe des Zuschusses richtet sich bei einer Komplettsanierung nach der Energieersparnis. Einzelmaßnahmen werden mit 7,5 Prozent der Investitionssumme oder maximal 3750 Euro gefördert.

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