Wie helfen Gütesiegel beim Stromsparen?

13. Oktober 2011, 15:42 Uhr

Die Idee ist gut: Verbraucher sollen auf einen Blick erkennen, ob sie sich einen Stromfresser ins Haus holen. Doch was taugen Energiesparlabels wirklich? Von Elke Schulze

Energielabel, 
A-Klasse, Verbraucher, Stromfresser, weiße Ware, Fernseher, Kühlschränke, Wäschetrockner

Energiesparlabel für stromsparende Produkte sollen die Kaufentscheidung vereinfachen©

Beim Fußball gibt es Auf- und Absteiger. Der Autohandel kennt Ladenhüter und Verkaufsschlager. Bei Heidi Klum bewerben sich viele Schöne, aber "Topmodel" wird bloß eine. Nur in den Abteilungen für Haushaltsgeräte gilt dieses Prinzip nicht: Dort werden offenbar nur Sieger verkauft. Ob Waschmaschinen, Trockner oder Kühlschränke - immer mehr schmücken sich mit einem A auf ihrem Energielabel. Das signalisiert dem Kunden: Mich kannst du mit gutem grünen Gewissen kaufen.

Tatsächlich verbrauchen neue Elektrogeräte im Vergleich zu älteren Modellen immer weniger Strom, obwohl die technische Aufrüstung bei Wäschetrocknern, Flachbildfernsehern, Mikrowellen und Co. kein Ende findet. Seit einigen Jahren sinkt sogar der durchschnittliche Strombedarf von derzeit rund 3500 Kilowattstunden pro Zwei-Personen-Haushalt,

Aber wie ist das mit der A-Klasse? Kann man dem Label trauen? Fragen wir doch mal die nette Verkäuferin in einem Media-Markt. "Sagen Sie mal, was bedeutet eigentlich A auf dem Etikett?" "Das gibt den Energieverbrauch an. Aber der ist bei fast allen Geräten gleich." Die meisten Verbraucher werden an dieser Stelle nicht weiter fragen. A ist A. Aber so einfach ist die Welt der "weißen Ware" nicht. Denn auch zwischen den A-Modellen gibt es deutliche Klassenunterschiede.

A ist nicht gleich A

Beispiel Wäschetrockner - fünf Geräte sind hier im Media-Markt mit einem A ausgezeichnet. Die Unterschiede sieht aber nur, wer auch einen genaueren Blick auf den Stromverbrauch wirft, den das Energielabel ebenfalls ausweist. Denn die Effizienzklassen erlauben natürlich eine gewisse Spanne: Die Topmodelle von Bosch und Siemens beispielsweise ziehen 1,9 Kilowattstunden pro Standardtrocknung. Mal hochrechnen, was das während einer Lebensdauer von 15 Jahren heißt: Bei einem Strompreis von 22 Cent pro Kilowattstunde und drei Gängen pro Woche ergeben sich Stromkosten von 981 Euro. Aber die beiden Geräte sind mit 999 Euro auch teuer.

Der günstigste "A-Trockner" der Firma Blomberg kostet 649 Euro. Er verbraucht allerdings 2,95 Kilowattstunden pro Trockengang. Nach 15 Jahren kommen so 1523 Euro Stromkosten zusammen - 542 Euro mehr als bei den Topmodellen. In der Anschaffung ist der Blomberg nur 350 Euro billiger. Und steigende Strompreise sind in dieser Rechnung noch nicht einkalkuliert. Damit ist klar, welches Gerät langfristig die günstigere Wahl ist. Klar wird auch: A ist nicht gleich A.

Neues Label ab Ende 2011 Pflicht

Es war längst Zeit für eine Überarbeitung des Labels. Das haben auch die Verantwortlichen bei der EU in Brüssel erkannt und sich auf ein neues Label geeinigt, das ab Ende 2011 unter anderem auch für Fernseher verpflichtend wird. Viele Piktogramme geben nun genaueren Aufschluss nicht nur über den Stromverbrauch. Bei Waschmaschinen beispielsweise findet der Verbraucher Angaben zur Waschwirkung.

Reformiert wurden auch die Effizienzklassen. Besonders sparsame Kühlgeräte bekommen nun ein A+++. Etwas weniger sparsame werden in A++, A+ oder A eingeordnet - wobei die Klassen nun nur noch bis D anstatt wie bisher bis G gehen. Dem Verbraucher macht das die Übersicht aber nicht unbedingt leichter. Denn bei Wäschetrocknern beispielsweise bleibt es zunächst noch bei der alten Klassifizierung von A bis G, gleiches gilt für Fernseher. A+, A++, und A+++ werden hier erst schrittweise bis 2020 eingeführt.

Steffen Küßner vom Bundesverband der Verbraucherzentralen bleibt unzufrieden mit der EU-Regelung. "Das Label müsste regelmäßig aktualisiert werden." Nur Geräte, die auf dem Stand der sparsamsten Technik sind, sollten mit A klassifiziert werden, findet er, und alle anderen in die schlechteren Kategorien B bis G abrutschen. "Dann hätten die Hersteller einen stärkeren Anreiz, noch energieeffizientere Geräte zu entwickeln." Für den Verbraucher aber sei die neue Regelung Augenwischerei. Küßner: "Ich gehe davon aus, dass hier die Politik vor der Wirtschaftslobby eingeknickt ist."

Hier erhalten Sie aktuelle Marktübersichten und Produktempfehlungen für energieeffiziente Geräte.

Lesen Sie auch