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Sparen mit neuen Haushaltsgeräten

In den vergangenen 20 Jahren haben Hausgeräte bei der Energieeffizienz riesige Fortschritte gemacht: Bei Einsparungen von mehr als 80 Prozent lohnt sich oft sogar ein Neukauf.

Von Sven Rohde und Benedikt Baikousis

  Mit einem neuen Kühlschrank lässt sich mitunter bares Geld sparen

Mit einem neuen Kühlschrank lässt sich mitunter bares Geld sparen

  • Sven Rohde

Ein stattlicher E-Gerätepark ist ganz normaler Komfort in deutschen Haushalten, und dank anständiger Verarbeitung verrichten viele Geräte auch dann noch klaglos ihren Dienst, wenn sie technologisch längst überholt sind. So wird aus dem Energiesparer von einst unbemerkt eine Energieschleuder, die viel mehr Strom verbraucht, als eigentlich sinnvoll und nötig ist.

Selbst kleine Einsparungen können da im Laufe der Zeit einen großen Unterschied machen: 18 Cent. So viel kostet der ganz normale Spülgang einer energieeffizienten Geschirrspülmaschine Baujahr 2009 weniger als der eines Altgerätes aus dem Jahr 1990. 18 Cent, wirklich nicht die Welt.

Aber halt! Wie oft läuft das Ding pro Woche? Täglich? Und an Feiertagen, wenn die Familie zu Besuch ist, gleich zweimal am Tag? Macht um die 60 Euro mehr im Jahr, 300 Euro in fünf Jahren - und die Differenz wächst, wenn der Strompreis weiter steigen sollte. Lohnt sich da die Reparatur, wenn die Dichtung leckt, die Pumpe den Geist aufgegeben hat?

Mit 25 bis 45 Prozent sind die großen Haushaltsgeräte Geschirrspüler, Waschmaschine, Wäschetrockner, Kühl- und Gefrierschrank am Stromverbrauch eines Haushalts beteiligt, je nachdem wie effizient sie arbeiten und wie häufig sie zum Einsatz kommen. Bis zu 400 Euro kommen so jährlich bei einem durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt und einem Strompreis von 20 Cent pro Kilowattstunde zusammen, eine Summe, die sich leicht reduzieren lässt - mithilfe energiesparender Geräte.

Informierte Verbraucher verändern den Markt

"Bei den Haushaltsgeräten hat sich in den letzten Jahren in Sachen Stromverbrauch sehr viel getan", lobt Dietlinde Quack vom Öko-Institut Freiburg. "Maßgeblichen Anteil daran hat das Energielabel, das für Transparenz sorgt, sodass der Verbraucher vergleichen kann." In der Tat ist das Energielabel der EU ein Beispiel dafür, wie informierte Verbraucher den Markt verändern. Quack: "Bei den Kühlgeräten werden viele bereits mit A++ gelabelt, alles andere war offenbar nicht mehr zu verkaufen."

Das Label hat den Energieverbrauch zu einem der zentralen Auswahlkriterien beim Kauf gemacht - und den Ehrgeiz der Hersteller kräftig angestachelt. Der größte technologische Sprung gelang bei den

Wäschetrocknern

. Wird bei den Geräten der älteren Generation die heiße Luft einfach wie mit dem Föhn in die Wäsche und dann in die Umwelt gepustet, können moderne Geräte die Wärme der Abluft zumindest zum Teil erneut fürs Trocknen nutzbar machen - ein enormer Effizienzgewinn. Das macht sich schon beim einzelnen Trockengang bemerkbar: Kostet der mit einem Gerät von 1990 stattliche 95 Cent, ist er mit einem Energiesparer von heute für 36 Cent zu haben.

Sparen durch Geräteoptimierung

Ähnlich große Fortschritte gelangen auch bei

Kühl- und Gefrierschränken

. Umso unverständlicher, dass von den 60 Millionen Kühlgeräten hierzulande etwa die Hälfte älter ist als zehn Jahre, "absolute Energiefresser", wie Werner Scholz vom Zentralverband Elektrotechnik - und Elektronikindustrie schimpft. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Gefriertruhe aus dem Jahr 1990 hält bis zu 200 Liter Lebensmittel für 175 Euro pro Jahr frisch, ein Topgerät von heute tut es schon für 22,60 Euro - da ist der Kaufpreis schnell wieder drin. Ursachen für den Effizienzgewinn sind die deutlich verbesserte Wärmedämmung sowie der sparsamere Prozessor.

Der Blick hinter die weißen Blenden lohnt, auch bei der

Waschmaschine

. Dank einer veränderten Form der Trommel, wie sie in den vergangenen Jahren entwickelt wurde, ergießt sich das Wasser von allen Seiten auf die Wäsche, sorgen asymmetrisch geformte Mitnehmer für unterschiedlich intensive Wäschebewegungen. Zudem erkennen Sensoren, wie stark die Maschine beladen ist. Das Gerät berechnet dann, wie viel Wasser gebraucht wird. Das Ergebnis: Der Wasserverbrauch sank von 21 Litern pro Kilo Wäsche im Jahr 1990 auf 6 Liter 2008. Und weil 80 Prozent des Stroms bei einer Waschmaschine für die Wassererwärmung benötigt werden, fielen die Kosten pro Kilo Wäsche von 27 auf 15 Cent.

Diese Effizienzgewinne lassen sich allerdings nicht beliebig fortsetzen. "Die Zeiten der großen Fortschritte sind vorbei", sagt Eduard Sailer, Mitglied der Geschäftsführung von Miele. Jetzt komme es auf kleine innovative Schritte an.

Bei

Geschirrspülmaschinen

heißt das: um jeden einzelnen Liter Wasser, um jede Zehntel Kilowattstunde zu kämpfen, jede einzelne Komponente von der Dosierung des Spülmittels über die Pumpe, den Sprüharm bis zum Filter zu optimieren. Das bringt allerdings beim heutigen Strompreis keine gewaltigen Kostenvorteile mehr - gegenüber einer zehn Jahre alten Maschine etwa 40 Euro pro Jahr. Da vergehen dann deutlich mehr als zehn Jahre, bis sich der Kauf nicht nur für das gute Gewissen, sondern auch finanziell auszahlt.

Größer verbraucht auch mehr

Und wie verträgt sich der Trend zu immer eindrucksvollerer Unterhaltungselektronik mit Geldbeutel und Moral? Überhaupt nicht. Kürzlich fühlten sich deshalb Deutschlands oberste Energiesparer von der Deutschen Energie-Agentur (dena) dazu aufgerufen, per Pressemitteilung vor den ständig wachsenden Bildschirmdiagonalen zu warnen. Hätten 2006 noch 20 Prozent der Geräte eine Diagonale von 80 Zentimetern gehabt, waren es 2008 schon 40 Prozent. Der Zusammenhang ist eindeutig: Je größer der Bildschirm, je umfangreicher die technischen Extras wie HDTV oder Soundsystem, desto höher ist der Stromverbrauch.

Aber der spielt bei den Kunden offenbar keine Rolle. Ein

TV-Gerät

muss sexy aussehen, denn hier geht es, anders als bei der Waschmaschine, um Status. Wie viel es verbraucht, ist da unerheblich. Zudem kursiert das Vorurteil, mehr Stromverbrauch bedeute auch mehr Leistungsfähigkeit.

Die Folgen der Fixierung auf reichlich Watt sind dann auf der nächsten Stromrechnung zu besichtigen: Um rund 25 Euro differierten laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest die jährlichen Stromkosten zweier TV-Geräte mit einer Bildschirmdiagonale von 94 Zentimetern - bei praktisch identischer Ausstattung, aber unterschiedlicher Leistungsaufnahme. Abweichungen um bis zu 60 Prozent sind laut Dena keine Seltenheit.

Bei zwei Mini-Hi-Fi-Anlagen fiel der Vergleich noch krasser aus: Die eine verursacht Stromkosten von 27,30 Euro im Jahr, die andere nur von 3,40 Euro. Ein ähnlicher Unterschied bei Spielkonsolen: Für eine Sony Playstation 3 sind bei drei Stunden täglichen Spiels pro Jahr fast 33 Euro für Strom fällig, bei der Nintendo Wii nur 3,60 Euro.

Bei allen anderen Geräten ist man als Verbraucher weiterhin auf den Taschenrechner angewiesen. Die Formel: Leistungsaufnahme mal Nutzungsdauer pro Jahr mal Strompreis pro Kilowattstunde gleich Stromkosten pro Jahr. So lässt sich grob vergleichen, welches Gerät besser ins Budget passt. Und natürlich gilt auch die alte Regel weiter: Geräte immer ganz ausschalten, damit kein Verbrauch im Stand-by anfällt.

Hier erhalten Sie aktuelle Marktübersichten und Produktempfehlungen für energieeffiziente Geräte.

Von Sven Rohde und Benedikt Baikousis/print

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