Darauf sollten Sie beim Ökostrom achten

3. September 2011, 10:04 Uhr

Ökostrom ist im Aufwind und eine gute Möglichkeit, Ihre individuelle Klimabilanz zu verbessern. Hier erfahren Sie, woran man einen guten Anbieter erkennt.

Saubere Energie aus Wind- und Wasserkraft ist in Deutschland im Kommen – und das nicht erst seit Fukushima. Die Zahl der Ökostromkunden wächst mit beeindruckendem Schwung - auch wenn das Interesse nur wenige Monate nach dem Reaktorunglück in Fukushima wieder etwas nachgelassen hat.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur in Bonn bezogen im Jahr 2009 bundesweit 2,6 Millionen private Haushalte umweltverträglich erzeugte Energie, einer aktuellen Umfrage der Zeitschrift Energie & Management zufolge ist diese Zahl inzwischen auf knapp 3,2 Millionen gestiegen.

Mitunter ist es sogar möglich, beim Wechsel in einen Ökostromtarif Geld zu sparen.

Doch was ist Ökostrom eigentlich - und worauf muss ich achten? stern.de gibt die wichtigsten Antworten.

Was versteht man unter Ökostrom?

Der Begriff wird sehr unterschiedlich gefasst. Einige verstehen darunter allein den Strom aus erneuerbaren Energien. In Deutschland stammt Ökostrom hauptsächlich aus der Kraft von Wasser und Wind. Allerdings handelt es sich nicht um einen geschützten Begriff. Deshalb ist Ökostrom auch nicht gleich Ökostrom.

Der Strom aus der Steckdose zu Hause wird mit dem Wechsel zum Ökostromanbieter auch nicht gleich hundertprozentig "öko". Denn alle Versorger leiten ihren Strom – ob aus Wind- oder Wasserkraft, ob aus Atom- oder Kohlekraftwerken in einen "großen See" ein, erläutert die Stiftung Warentest. Von dort werden alle Kunden gleichermaßen versorgt. Aber: Je mehr Ökostrom-Kraftwerke gebaut werden, desto umweltfreundlicher wird auch der Strom aus dem See.

Lohnt sich ein Wechsel zu Ökostrom?

Wer nur den finanziellen Vorteil im Blick hat, sollte sich einen Wechsel zum Ökostrom-Anbieter genau durchrechnen. Hier bieten sich Vergleichsrechner im Internet wie toptarif.de. Aus ökologischer Sicht lohnt sich ein Wechsel immer. Aber auch hier kommt es auf die Wahl des richtigen Anbieters an. Und: Wie bei konventionellem Strom lohnt sich auch beim Ökostrom ein genauer Preisvergleich.

Worauf muss ich beim Wechsel achten?

Das Zertifikat ist ein erster Anhaltspunkt. Doch Vorsicht: Nicht alle Zertifikate geben dem Kunden gleichermaßen Sicherheit, dass es sich wirklich um umweltverträglich erzeugten Strom handelt. Denn nicht selten setzen die Betreiber auf diese Strategie: Strom aus seiner Wasserkraft vermarktet der Anbieter lukrativ als Ökostrom, während er anderswo beispielsweise Kohle- oder Atomkraftwerke betreibt. Verbraucherschützer sprechen in diesem Fall von Etikettenschwindel und empfehlen deshalb, nur zu reinen Ökostromanbietern zu wechseln. Die Stiftung Warentest rät zu Anbietern, die in erneuerbare Energien investieren: "Solche Ökostromtarife haben einen direkten Umweltnutzen, weil durch den Bezug konventioneller Strom vom Markt verdrängt wird."

Was steckt hinter "Grüner Strom-Label"?

Von außen betrachtet ist es für den Verbraucher oft schwer zu erkennen: Woher kommt mein Strom – und investiert mein Lieferant nicht möglicherweise anderswo in Atomstrom? Verbraucherschützer empfehlen deshalb, einen Anbieter mit dem "Grüner Strom Label" oder dem Label "ok-power" zu wählen.

Der Verein Grüner Strom Label e.V. geht auf eine Initiative von Eurosolar sowie Umwelt- und Verbraucherverbänden (Nabu, BUND, Die Verbraucherinitiative e.V.) zurück. Für das Label verpflichten sich die Energieversorger, einen festgelegten Teil der Kundengelder in neue regenerative Stromerzeugungsanlagen zu investieren – in der Regel mindestens 1 Cent je verkaufter Kilowattstunde.

Es werden das Grüne Strom Label in Silber und in Gold vergeben. Bei Letzterem kann der Kunde sicher sein, dass sein Strom zu 100 Prozent aus regenerativen Energien kommt.

Was muss ich bei "ok-power" beachten?

Das "ok-power"-Siegel vergibt die Energie-Vision e.V., gegründet von WWF, Öko-Institut und Verbraucherzentrale NRW. Es ist etwas unübersichtlicher für den Kunden, denn es gibt drei verschiedene Modelle: Beim Händlermodell darf der Strom zu maximal 50 Prozent aus hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung kommen. Mindestens ein Drittel des Stroms muss aus Anlagen kommen, die nicht älter sind als sechs Jahre. Ein weiteres Drittel des Stroms muss aus Anlagen kommen, die nicht älter als zwölf Jahre sind.

Alternativ gibt es das Fondsmodell: Dabei erhält der Kunde Strom aus erneuerbaren Energien. Mit einem Teil des Strompreises muss er neue regenerative Erzeugungsanlagen unterstützen. Darunter fallen nur solche Kraftwerke, die ihren Strom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ins Netz einspeisen, bei denen die EEG-Vergütung jedoch nicht zu einer Wirtschaftlichkeit führt. Neu ist das Initiierungsmodell: Der Ökostromanbieter beliefert den Kunden mit Strom aus erneuerbaren Energien, es darf aber auch maximal 50 Prozent Strom aus hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung stammen. Darüber hinaus muss der Anbieter den Bau von neuen regenerativen Erzeugungsanlagen initiieren und darf dafür bestehende gesetzliche Förderregelungen in Anspruch nehmen.

Wie sicher sind TÜV-Zertifikate?

Hier kann der Kunde schnell die Übersicht verlieren, denn jeder TÜV in Deutschland vergibt seine eigenen Zertifikate. Und damit gibt es große Qualitätsunterschiede, erläutert Daniel Dodt von Toptarif. Denn die Zertifizierung erfolgt nicht nach einem einheitlichen Kriterienkatalog. Stiftung Warentest kritisiert insbesondere, dass die TÜV-Prüfer mitunter selbst nur Nebensächlichkeiten zertifizieren – beispielsweise gibt es die Siegel schon, wenn eine Preisgarantie eingehalten wird. Auf der anderen Seite lassen sich manche Anbieter aber auch auf sehr strenge Ziele und Anforderungen verpflichten.

Warum besser keine RECS-Zertifikate?

Das Renewable Energy Certifikate System (RECS) will nach eigenen Angaben die Produktion von "grünem Strom" fördern. Doch Verbraucherschützer sehen darin eher einen klugen Trick der Branche und raten ab. Denn ein Anbieter kann damit seinen konventionell erzeugten Strom ganz legal als Ökostrom umetikettieren. Und das geht so: Jeder, der Strom aus regenerativen Energien produziert, bekommt für jede erzeugte Einheit ein RECS-Zertifikat. Ein Anbieter mit Kohle- oder Atomstrom kann diese Zertifikate kaufen – und diesen konventionellen Strom dann als Ökostrom weitervermarkten. Ein weiterer Haken: Das RECS-Zertifikat stellt keinerlei Anforderungen an die Anlagen, aus denen der Strom aus erneuerbaren Energien kommt.

tav/DPA

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