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So verrückt sähe es aus, wenn wir wieder wie Nomaden leben würden

Wir müssen nicht eingesperrt in großen Häusern und Etagenwohnungen leben. Der Band Mobitecture feiert das bewegte Leben – in Anhängern, Raupenfahrzeugen und mit improvisierten Fahrradkarren.

Camper Kart: Die kleine Holz-Box lässt sich zu einem Schlafplatz mit Stauraum entfalten. Für Obdachlose wäre das eine Alternative - wenn die Städte solche Behausungen dulden würden.

Camper Kart: Die kleine Holz-Box lässt sich zu einem Schlafplatz mit Stauraum entfalten. Für Obdachlose wäre das eine Alternative - wenn die Städte solche Behausungen dulden würden.

Mobil sein, nicht an einem Ort leben und doch den Schutz eines Heimes genießen. Wie das geht, machen uns die mit ihren Zelten vor oder die Mongolen mit Jurten, die auf Plattformen durch die Steppe rollen können.

In den letzten Jahren ist die mobile Architektur wieder ins Bewusstsein zurückgekehrt und aus dem Ferien-Segment von Urlaubszelten und Wohnwagen ausgebrochen. Der Band Mobitecture zeigt mehr als 250 Beispiele aus der ganzen Welt. Fast alle sind Einzelstücke, viele sind künstlerische Denkanstöße und keine wirklich praktikablen Lösungen.

Der oben abgebildete Camper Kart bringt einem zum Staunen – weil er zeigt, mit wie wenig Mitteln man eine rollende Behausung herstellen kann. Eher unwahrscheinlich, dass  jemand wirklich so leben will.

Das Improvisierte fordert die Perfektion heraus

Die Faszination der Objekte beruht darauf, dass sie unseren Alltag und unsere Gewohnheiten in Frage stellen. Sie sind leicht, puristisch und variabel und versprechen eine Form von Freiheit. Der Angestellte aus der Mittelklasse in unserer entwickelten Dienstleistungsgesellschaft nutzt derartige mobile Behausungen meist nur für den zeitlich begrenzten Ausbruch im Urlaub. Anders sieht das schon heute für Obdachlose und Kriegsflüchtlinge aus.

Ob mobile Tiny Houses eine Lösung für die Wohnungsnot in Ballungsräumen sein können, wie der Band nahelegt, muss man sicher verneinen. Der geringe Raum, den mobile Heime beanspruchen, wird damit erkauft, dass sie nicht etagenweise in die Höhe wachsen – also doch viel Grundfläche benötigen.

Was braucht man wirklich

Aber auch wenn kleine Hütten auf Rädern nicht alle Siedlungsprobleme lösen, macht das Blättern in dem Band doch Freude. Das Bescheidene und Improvisierte der Objekte steht in einem befreienden Kontrast zum Trend zu immer größeren und luxuriösen Wohnungen und Häusern. Man fragt sich unwillkürlich: Muss das wirklich sein.

Phaidon 

Mobitecture. Bewegte Architektur - Rebecca Roke

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