Mit den "Stella Awards" werden in den USA jedes Jahr die absurdesten und sinnlosesten Gerichtsprozesse ausgezeichnet. 2005 entschied sich die Jury für folgende sieben Fälle. Von Karin Spitra
Dass amerikanische Gerichte in ihrem Urteilen dazu neigen, für den europäischen Geschmack wahnwitzig hohe Schadenersatz-Urteile zu fällen, ist immer für eine Meldung gut. Was in der begleitenden Berichterstattung gerne übersehen wird: Die horrenden Summen sind meist der Streitwert oder das Urteil der ersten Instanz. "Fast keine dieser Summen hält dann einer Verhandlung in der Berufung stand," erklärt Randy Cassingham, mittlerweile Experte auf dem Gebiet merkwürdiger Rechtsprechung. Auslöser war ein Becher heißer McDonald's Kaffee - und die von Stella Liebig eingereichte Schadenersatzklage über 2,9 Millionen US-Dollar, weil er zu heiß war.
Das erregte Cassingham dermaßen, dass er seitdem die Stella-Awards verleiht. Damit werden von ihm jedes Jahr besonders absurde und sinnlose Gerichtsprozesse in den USA ausgezeichnet. Außerdem trägt er ständig skurrile Fälle der amerikanischen Rechtsprechung zusammen und macht sie per Newsletter und auf seiner Homepage publik.
Mittlerweile hat seine Seite Kultcharakter - und die Plagiate mehren sich. Aber nur auf der offiziellen Homepage der 'True Stella Awards' stehen die Fälle, die "wirklich echt so passiert sind". Außerdem kann man dort die Entwicklung der späktakulärsten Urteile durch alle Instanzen verfolgen - und oft auch, wie die Summen langsam sinken. Was bleibt, ist die Fassungslosigkeit, dass Menschen sich zu solchen Klagen hinreißen lassen. "Und oft damit durchkommen," wie Cassingham bedauert.