Banken beraten Bauherren häufig schlecht

18. Juni 2013, 11:20 Uhr

Die Tester von Stiftung Warentest fragten bei 21 Banken nach einem Immobilienkredit. Enttäuschendes Ergebnis: Nur zwei Geldinstitute berieten adäquat, alle andere boten viel zu teure Kredite an.

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Baugeld, Immobilien, Stiftung Warentest, Immobilienkredit

Hausbau: Wer viel Eigenkapital mitbringt, hat gute Karten bei der finanzierenden Bank, heißt es. Dieser Grundsatz stimmt offenbar nicht immer.©

Bei vielen Banken sind Immobilienkäufer nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest schlecht aufgehoben. Diesen Schluss lässt ein Praxistest des Instituts zu. Nur zwei von 21 untersuchten Banken und Sparkassen waren Beratung und die Kreditangebote für angehende Bauherren gut.

Dreimal vergaben die Tester die Note mangelhaft, sechsmal ausreichend und zehnmal befriedigend. Häufig habe es lückenhafte Finanzierungspläne, falsche Ratschläge, dürftige Informationen und überteuerte Kreditangebote gegeben. Nur die Frankfurter Volksbank und die Sparda Baden-Württemberg bekamen die Note "gut".

Mit "mangelhaft" dagegen wurden die Ostsächsische Sparkasse Dresden, die HypoVereinsbank und die Postbank bewertet. Einer der Tester berichtete beispielsweise, ein Berater habe zum vereinbarten Termin keine Zeit gehabt - und kurzerhand an den Azubi verwiesen. "Der war völlig überfordert."

Fördermöglichkeiten nicht ausgeschöpft

Kritikpunkte bei vielen Banken waren zu hohe Kreditraten, schlechte Ratschläge, zu wenig Informationen und zu teure Kredite. Häufig zogen die Berater demnach auch staatliche Fördermöglichkeiten nicht in Betracht, etwa durch Riester-Angebote und die KfW-Bank.

Für die Untersuchung ließ "Finanztest" Testkunden in je sieben Filialen der 21 Banken und Kreditvermittler Beratungsgespräche führen. Insgesamt 146 Beratungen kamen zustande. Im Modellfall sollte ein Ehepaar eine Eigentumswohnung für 260.000 Euro kaufen, bei einem gemeinsamen monatlichen Nettoeinkommen von 3820 Euro. An Eigenkapital waren 84.000 Euro angespart. Die Mängel bei der Beratung und den Finanzierungsangeboten seien unterschiedlichster Art gewesen, berichtet "Finanztest". So habe etwa jeder fünfte Anbieter Finanzierungsvorschläge gemacht, bei denen die monatlichen Raten und Kosten den Finanzrahmen der Testkunden um mehr als 150 Euro überschritten hätten - obwohl die Tester im Gespräch deutlich gemacht hatten, dass sie ihren Lebensstandard nach dem Kauf der eigenen vier Wände nicht einschränken wollten.

Kredite passten oft nicht zum Kunden

Auch sei die vorgeschlagene Kreditsumme häufig am Bedarf der Kunden vorbeigegangen. Dabei hätten die Berater in den meisten Fällen zu hohe Kredite empfohlen. Ein höheres Kreditvolumen bedeutet für Kunden am Ende eine höhere Zinssumme, die an den Finanzierungsanbieter zu zahlen ist.

Teils habe es zwischen den Anbietern "riesige Zinsunterschiede" gegeben, berichtet "Finanztest". Während einzelne Anbieter über vier Prozent verlangt hätten, habe bei anderen eine zwei vor dem Komma gestanden. Die Zinsunterschiede summierten sich unterm Strich demnach auf bis zu 30.000 Euro.

Zuungunsten der Kunden habe sich daneben die Empfehlung einiger Institute auswirkt, die Immobilien voll auf Pump zu finanzieren, obwohl die Testkunden erhebliches Eigenkapital mitbrachten. Staatliche Fördermöglichkeiten wie das Wohn-Riester blieben bei den Verhandlungen ums Baugeld zumeist unerwähnt. Auch auf das Wohneigentumsprogramm der staatlichen Förderbank KfW verwiesen die Berater nicht regelmäßig.

Die Informationen rund um die Kreditangebote seien ebenfalls häufig mangelhaft gewesen. In einzelnen Fällen bekamen Kunden keinen Tilgungsplan ausgedruckt. Berater machten demnach mitunter keine Angaben zur Restschuld für die Zeit, wenn die Zinsbindungsfrist abläuft. Auch hätten nur wenige Berater Kunden die Auswirkungen vorgerechnet, wenn sich nach Ende der Zinsbindung das Zinsniveau maßgeblich erhöht hat. Nur durch solche Berechnungen ist dem Kreditnehmer aber eine Abschätzung möglich, ob er eine Immobilienfinanzierung auch langfristig tragen kann.

anb/AFP/DPA
 
 
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