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28. Juni 2006, 17:07 Uhr

Kampf gegen den Stellenabbau

Die "Niedergeschlagenheit der ersten Stunden" scheint überwunden: Mit Warnstreiks und Protestaktionen in ganz Deutschland haben sich Tausende Allianz-Mitarbeiter gegen die drastische Streichung von Stellen gewehrt.

Bei einem symbolischen Trauerzug werden Arbeitsplätze zu Grabe getragen© Diether Endlicher/AP

Rund 7000 Beschäftigte beteiligten sich laut Gewerkschaft Verdi an den Kundgebungen in sieben Städten, darunter die am stärksten betroffenen Standorte Köln und Frankfurt. Zudem gingen am Allianz-Hauptsitz München sowie in Augsburg, Stuttgart, Dortmund und Hamburg Mitarbeiter auf die Straße. Deutschlands größter Versicherungskonzern hatte vergangene Woche angekündigt, trotz eines Rekordgewinns von 4,4 Milliarden Euro 7500 Jobs zu streichen, 2500 davon bei der Dresdner Bank.

Vor der Zentrale der Konzerntochter in Frankfurt am Main protestierten laut Verdi rund 1500 Beschäftigte mit Transparenten und Pfeifkonzerten. Auch Oberbürgermeisterin Petra Roth beteiligte sich an der Aktion. In Köln traten rund 1500 Mitarbeiter zwei Stunden lang in den Warnstreik, wie Verdi-Sekretär Rainer Klein sagte. Die Stimmung sei "kämpferisch und mutig" gewesen. Die "Niedergeschlagenheit der ersten Stunden" sei überwunden. Weitere Warnstreiks in Köln seien wahrscheinlich. Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma übte erneut scharfe Kritik am Vorstand. "Den Schritt der Allianz AG kann ich in keinster Weise nachvollziehen", sagte der CDU-Politiker. Er hoffe nun auf ein Treffen der Allianz-Spitze mit der nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerin. In dem Bundesland sollen außerdem in Dortmund Allianz-Arbeitsplätze wegfallen.

"Unternehmenskultur zu Grabe getragen"

Am Hauptsitz der Allianz in München protestierten nach Verdi-Angaben gut 400 Mitarbeiter. Sie zogen mit einem Sarg zur Hauptverwaltung und legten einen Trauerkranz nieder, auf dessen Binde stand: "Hier ruht die Unternehmenskultur der Allianz". Der Verdi-Versicherungsbeauftragte Oliver Ostmann sagte unter Pfiffen der Demonstranten: "Die über 100 Jahre alte Unternehmenskultur der Allianz wird mit diesem Beschäftigungsabbau endgültig zu Grabe getragen!" Mit dem Protest erinnere die Belegschaft auch an die vielen tausend bereits vernichteten Arbeitsplätze der vergangenen Jahre. Ostmann kritisierte, die Mitarbeiter verkämen zur rein betriebswirtschaftlichen Rechnungsgröße, es gehe dem Management nur noch um Gewinnmaximierung.

In Hamburg kamen laut Gewerkschaft rund 1000 Mitarbeiter zu einer zentralen Kundgebung auf den Hopfenmarkt. Die Gewerkschaft befürchtet auch dort Stellenabbau. Im von der Schließung bedrohten Sachschadenbearbeitungsbüro Augsburg legte die komplette Belegschaft mit 76 Mitarbeitern für eine Stunde die Arbeit nieder.

Pläne seien brutales Konzept

Der Versicherungsriese schließt jede zweite Niederlassung in Deutschland. Der Standort Köln mit 1300 Vollzeitstellen wird ebenso aufgelöst wie die Lebensversicherung in Frankfurt am Main, die Krankenversicherung in Dortmund sowie die Schadenbearbeitung in Aachen, Mainz, Mannheim, Freiburg, Ulm, Augsburg, Nürnberg, Hannover und Magdeburg. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Uwe Foullong bezeichnete die Pläne im Südwestrundfunk als brutales Konzept. Er forderte die Konzernspitze zu Verhandlungen auf mit dem Ziel, betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2012 auszuschließen.

AP
 
 
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