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Risiko Arbeitszeugnis - auf diese 5 Punkte müssen Sie achten

Selbst wenn Ihr Arbeitszeugnis rundum positiv formuliert ist, kann der Profi zwischen den Zeilen eine negative Beurteilung herauslesen. Karrierecoach Jürgen Hesse erklärt, worauf Sie unbedingt achten sollten.

Arbeitszeugnis

Ein gutes Arbeitszeugnis kann Karrieretüren öffnen

Arbeitszeugnisse sind eine Wissenschaft für sich: Weil die Schreiben grundsätzlich positiv formuliert sein müssen, versteckt sich Kritik an der Leistung des Beurteilten häufig zwischen den Zeilen. Für Arbeitszeugnisse hat sich eine kuriose Geheimsprache entwickelt, in der Lob und Tadel durch bestimmte Formulierungen ausgedrückt wird. Lesen Sie hier zehn vermeintlich positive Formulierungen, die den Kandidaten in ein schlechtes Licht rücken.

Selbst Schulnoten können durch den Code der Zeugnissprache ausgedrückt werden. So entspricht der Satz "Er erledigte seine Aufgaben zu unserer Zufriedenheit" lediglich der Note "Ausreichend", während "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" ein "Sehr gut" bedeutet. Alle Abstufungen dieses entscheidenden Satzes finden Sie hier. 


Aber auch abseits dieses bekannten Formulierungsbeispiels haben Chefs viel Spielraum dem Arbeitnehmer das Zeugnis zu versauen - sei es durch bewusstes Nachtreten oder durch schlichte Unwissenheit. Denn nicht nur die einzelnen Formulierungen sind entscheidend, sondern auch die Reihenfolge und das, was nicht gesagt wird. "Was zunächst nett klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als mäßige oder gar schlechte Beurteilung", warnt Karrierecoach Jürgen Hesse. Der Bewerbungsexperte hat eine fünfteilige Checkliste erstellt, anhand der Sie überprüfen können, ob Ihr wirklich so toll ist wie gedacht.

Jürgen Hesse ist Diplom-Psychologe und einer der renommiertesten Karrierecoaches Deutschlands. Gemeinsam mit seinem Kollegen Hans Christian Schrader hat er 250 Bücher zu den Themen Bewerbung und Karriere veröffentlicht und davon mehr als sieben Millionen Exemplare verkauft.

Jürgen Hesse ist Diplom-Psychologe und einer der renommiertesten Karrierecoaches Deutschlands. Gemeinsam mit seinem Kollegen Hans Christian Schrader hat er 250 Bücher zu den Themen Bewerbung und Karriere veröffentlicht und davon mehr als sieben Millionen Exemplare verkauft.

1. Stimmen die Arbeitszeugnis-Formalia?

Ein Tippfehler kann doch mal passieren? Nicht in einem so wichtigen Dokument wie dem Arbeitszeugnis! Wenn das Zeugnis formale Fehler enthält, zeigt das mindestens Nachlässigkeit - im schlimmsten Fall sogar böse Absicht. Wichtig ist auch, dass der korrekte Firmenbriefkopf verwendet wurde und dass der verantwortliche Chef selbst unterschrieben hat.

2. Wie wird die Tätigkeit beschrieben?

Aus dem Arbeitszeugnis muss klar hervorgehen, was Sie in der Firma gemacht haben. Besonders qualifizierende Tätigkeiten sollten entsprechend detailliert dargestellt werden, sagt Experte . Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit sollten betont werden. Nicht akzeptabel dagegen: "Wenn Ihre Tätigkeitsbeschreibung Formulierungen enthält, die man als abwertend interpretieren könnte, die mehrdeutig auszulegen sind und die eher Selbstverständlichkeiten oder Nebensächlichkeiten in den Vordergrund stellen und ausführlich beschreiben."

3. Leistungsträger oder "stets bemüht"?

Von Interesse ist natürlich nicht nur, was Sie gemacht haben, sondern auch wie gut. Besondere Leistungen, Verhaltensweisen oder Eigenschaften sollten daher lobende Erwähnung finden. Wie zufrieden der Arbeitgeber war, kann er mit den gängigen Formulierungen von "stets bemüht" (= mies) bis "stets zur vollsten Zufriedenheit" (= super) ausdrücken. Nicht nur die Gesamtleistung, auch Kenntnisse und Können, Arbeitsweise und Arbeitsstil können verschlüsselt gelobt oder kritisiert werden. Formulierungen wie "im Großen und Ganzen", "im Allgemeinen" oder "im Wesentlichen" schmälern positive Formulierungen.

Das vorbildliche Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, sonstigen Mitarbeitern und Kunden sollte in genau dieser Reihenfolge gelobt werden. Stehen die Vorgesetzten erst am Ende der Aufzählung oder fehlen ganz, deutet das klar auf einen Konflikt mit dem Chef hin.

Wer in einer Führungsposition gearbeitet hat, sollte in einem guten Zeugnis auch Aussagen über den richtigen Umgang mit Mitarbeitern, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, andere zu motivieren, finden.

4. Wie lief die Kündigung ab?

Sehr interessant für den neuen Arbeitgeber sind auch die Umstände der Kündigung beim alten. Das Zeugnis kann darauf deutliche Hinweise geben. Optimal ist, wenn im Zeugnis steht, dass Sie das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen, die Firma das sehr bedauert, sich für die geleistete Arbeit bedankt und man Ihnen alles Gute für die berufliche Zukunft wünscht. Je wortkarger das Thema abgehandelt wird, desto eher stehen Sie im Verdacht, dass es nicht im Guten auseinanderging.

5. Wie ist der Gesamteindruck?

Ein erfahrener Personaler, der schon viele Arbeitszeugnisse gesehen hat, entwickelt ein Gespür dafür, in welchem Tenor ein Zeugnis verfasst ist. Ist es wohlwollend und warm oder eher kühl, kurz und knapp? Auch verkomplizierende Sätze und allgemeine Floskeln sind laut Experte Hesse kein gutes Zeichen. Besser sind präzise und klare Formulierungen, die deutlich machen, dass der Schreiber die beurteilte Person und seine Arbeit kennt und schätzt.

Was tun, wenn das Zeugnis negative Punkte enthält?

Wenn Ihr Check ergibt, dass das Zeugnis suboptimal ist, sollten Sie aktiv werden. Zunächst einmal kann man beim Arbeitgeber um konkrete Änderungen bitten. Vielleicht ist der unerwünschte Punkt gar nicht mit böser Absicht hereingeraten oder eine besondere Leistung wurde versehentlich übersehen. Wenn es hart auf hart kommt, könne man sein Arbeitszeugnis auch vor dem Arbeitsgericht verbessern, erklärt Hesse.

Um solche Verrenkungen zu vermeiden, empfiehlt Hesse präventives Handeln. Zum einen könne man sich ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen, wenn das Klima gerade gut ist.  Zum anderen hilft es, aktiv bei der Gestaltung des Zeugnisses mitzuwirken, indem man wichtige Punkte selbst vorschlägt.

Keine gute Option ist es dagegen, das Zeugnis einfach hinzunehmen mit dem Gedanken, man müsse dies bei der nächsten ja nicht angeben. "Deutschland ist ein papiergläubiges Land", sagt Hesse. "Wenn Sie irgendwo drei Jahre gearbeitet haben und können kein Arbeitszeugnis vorweisen, ist das ein deutliches Zeichen, dass es nicht gut gelaufen ist." 

Umfrage: Diese 10 Dinge nerven Bewerber an Arbeitgebern am meisten
Platz 10: Stressfragen im Jobinterview  Manche Personaler versuchen, Bewerber mit unerwarteten Fragen aus der Reserve zu locken. Karrierebibel nennt als Beispiele Fangfragen, Provokationen oder sogenannte Brainteaser. Zu letzteren gehören auf den ersten Blick unsinnige Fragen wie "Wie schwer ist New York?", bei denen Kreativität und logisches Denken gefordert sind. Damit können Bewerber aber offenbar gut leben: Stressfragen wurden in der Umfrage am seltensten als nervig genannt.

Platz 10: Stressfragen im Jobinterview

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