HOME

Azubis schildern ihre schlimmsten Bewerbungserlebnisse

Bewerbung zwei Jahre liegengelassen oder Zusage für den falschen Job: Manche Unternehmen behandeln Bewerber offenbar nicht mit dem nötigen Respekt. In einer Umfrage berichten Azubis von ihren schrägsten Erlebnissen.

Bei der Bewerbung erleben manche Azubis so allerhand

Bei der Bewerbung erleben manche Azubis so allerhand

Die von heute, heißt es häufig, die habe einfach keinen Respekt mehr. Auch Ausbildungs-Unternehmen klagen gerne darüber, dass viele junge Bewerber es an Grundtugenden vermissen lassen. Umgekehrt bekleckern sich aber offenbar viele Firmen selbst nicht gerade mit Ruhm, was den Umgang mit dem Nachwuchs angeht. Für den Report "Azubi Recruiting Trends 2017" hat die Firma "u-form Testsysteme" 2635 Auszubildende und Bewerber nach ihren Erfahrungen gefragt. Auf die Frage nach den größten Ärgernissen im Bewerbungsprozess berichteten die Nachwuchskräfte teilweise haarsträubende Geschichten.

Bewerbung zwei Jahre liegengelassen

Als wiederkehrendes Problem beschrieben die Azubis fehlende Rückmeldung seitens der Unternehmen. Häufig sei weder Eingangsbestätigung noch Absage gekommen. Und wenn doch, dann zeugte sie nicht unbedingt vom nötigen Respekt. So berichtet ein Bewerber, er habe eine Absage bekommen, die zwar an seine Adresse, aber eine völlig fremde Person gerichtet gewesen sei. Ein anderer Studienteilnehmer schreibt: "Ein Unternehmen hat sich über acht Wochen lang nicht gemeldet und mir anschließend eine Absage gesendet, nach einem angeb­lichen , das aber niemals stattgefunden hat."

Und ein Dritter berichtet, er habe auf eine Bewerbung zwar eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen - aber erst nach zwei Jahren. Zu diesem Zeitpunkt habe er längst woanders angefangen. "Wie kann man eine Bewerbung zwei Jahre liegen lassen und sich dann erst melden?" In einem anderen Fall ging es dem Bewerber dagegen etwas zu schnell. Das Unternehmen habe am Freitagnachmittag geschrieben, "ob ich bitte Montag zum Vorstellungsgespräch kommen kann. Zudem mit einer E-Mail, die Rechtschreibfehler hatte." Seriös geht anders. 

Bewerbungsunterlagen nicht richtig gelesen

Ein klarer Fall von Lebenslauf nicht richtig gelesen, widerfuhr einem besonders jungen Bewerber: "Im Vorstellungsgespräch kam die Frage auf, ob ich denn schon einen Führerschein hätte, allerdings war ich zu dem Zeitpunkt noch 15 Jahre alt. Nachdem ich meinem Gegenüber dies erzählte, musste er mir leider mitteilen, dass ich zu jung sei für das Unternehmen." Für diese Erkenntnis hätte der Jungspund sich den Weg sparen können.

Den Verdacht, dass manche Unternehmen die Bewerbungsunterlagen eher beiläufig beachten, hat auch ein anderer Kandidat. "In drei von vier Unternehmen habe ich Zusagen zu Ausbildungsberufen erhalten, für welche ich mich nicht beworben habe." So habe er sich beispielsweise für eine Stelle als Elektroniker beworben, aber ein Ausbildungsangebot als Zerspaner bekommen.

Versteckter und offener Sexismus

Ein anderes Problem berichten zwei weibliche Bewerber, sie beschweren sich über Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts. "Ich wurde als eine der drei Besten der Einstellungstests im Ge­spräch abgelehnt, weil Männer mehr Interesse an IT hätten. Zum einen unwahr und zum anderen hätte man mich dann gar nicht erst einladen sollen. Totale Zeitverschwendung", schreibt eine.

Eine andere Befragte erlebte nach eigener Aussage sogar offenen Sexismus. "Ein Arbeitgeber sagte mir allen Ernstes, Frauen könnten nicht logisch denken und er würde mich deshalb nicht nehmen." In anderen Gesprächen sei die Diskriminierung eher unterschwellig abgelaufen, berichtet die gleiche Kandidatin. "Ich wurde zum Beispiel bei Vorstellungs­gesprächen, bei denen sich mehrere Bewerber/innen vorgestellt haben, als Frau nie zu technischen Interessen befragt, weil das mein kleines zartes Frauenhirn ja zu überfordern scheint."


Zum Schluss nochmal zurück zum Feedback-Problem. Auch wenn die Unternehmen eine begründete Absage liefern, können sie sich den Zorn abgelehnter Bewerber zuziehen, wie die Antwort eines Studienteilnehmers zeigt. "Nach einem Onlinetest bei einem Unternehmen, bei dem ich mich beworben hatte, kam eine Absage mit der Begründung, dass sich im Test herausstellte, dass ich ein Agressivitätsproblem hätte", empört sich der Bewerber. "Lächerlich, sowas anhand eines Onlinetests feststellen zu wollen und dies dann in die Begründung einer Absage mit einzubeziehen." 

Azubi-Report: Von Handwerker bis Pfleger - in diesen Branchen sind Azubis am zufriedensten
Vergleichsweise unzufrieden sind die Azubis im Bereich Gastronomie und Tourismus. 28 Prozent gaben an, dass sie ihre persönlichen Interessen nicht auf der Arbeit einbringen können - der höchste Wert aller Branchen. Zudem ist die branchenübliche Bezahlung mies: Nur zwei von zehn Befragten können mit ihrem Azubi-Gehalt den Lebensunterhalt alleine finanzieren.

Vergleichsweise unzufrieden sind die Azubis im Bereich Gastronomie und Tourismus. 28 Prozent gaben an, dass sie ihre persönlichen Interessen nicht auf der Arbeit einbringen können - der höchste Wert aller Branchen. Zudem ist die branchenübliche Bezahlung mies: Nur zwei von zehn Befragten können mit ihrem Azubi-Gehalt den Lebensunterhalt alleine finanzieren.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools