HOME

"Dann habe ich erstmal geweint" - stern-Leser schildern ihre fiesesten Job-Interviews

Neue Erlebnisberichte unserer Leser aus schrägen Bewerbungsgesprächen. Diesmal: Psychofragen, kuriose Parkplatzprobleme und lockere Umgangsformen in Norwegen.

Bewerbungsgespräche

Manche Bewerbungsgespräche sind Psychostress pur

Auf unseren Aufruf, Erlebnisse aus Bewerbungsgesprächen zu berichten, haben sich wirklich viele Leser gemeldet. (Hier lesen Sie Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der Serie.) In der neuen Folge: irritierende Psychofragen, kuriose Dresscodes in Norwegen und ein Gespräch, das quasi im Halteverbot geführt wurde.

Aber natürlich sind nicht immer die Arbeitgeber die Doofen. Daher starten wir mit dem Bericht eines Personalverantwortlichen, der auf der anderen Seite des Schreibtischs sitzt.

+++ Sie haben selbst eine Geschichte aus einem Bewerbungsgespräch auf Lager - als Bewerber oder Personaler? Schreiben Sie uns gerne an: achtungkunde@stern.de +++

Udo K., Produktmanager bei Daimler erzählt: "Ich stelle ab und zu Leute in unser Unternehmen ein. Sehr gerne frage ich immer, welche Produkte wir (hier im Automobilkonzern) verkaufen/herstellen. Eine Bewerberin hat mir schnell und stolz geantwortet: 'Ja das weiß ich, ich habe mich vorher im Internet informiert! Sie stellen her!' Auf die Nachfrage welche Autos denn, blickte ich in ein fassungsloses Gesicht: 'Na Autos halt.'"

In Norwegen laufen die Dinge anders

Dirk S. berichtet eine lustige Anekdote aus dem hohen Norden: "Es handelte es sich um ein Vorstellungsgespräch im norwegischen Ålesund bei der dortigen Küstenwacht, wo ich mich als Controller (erfolglos) bewarb: Vorab zu erwähnen ist, dass ein Vorstellungsgespräch in deutlich ungezwungener ist als in Deutschland, was ich aber nicht wusste. Wenige Minuten vor Beginn des Gesprächs löste sich mein Krawattenknoten. Da ich selbst keinen Knoten binden kann, fragte ich einige Passanten in der Fußgängerzone um Hilfe und erfuhr dabei, dass es kein Problem sei, in Norwegen ohne Krawatte beim Vorstellungstermin zu erscheinen. Etwas nervös wartete ich also auf den Personalchef und war mehr als überrascht, als er mich ohne Schuhe, nur in Socken begrüßte. Ohne Krawatte natürlich auch." 

Nervlich am Ende

Ein anonymer Leser berichtet von einem Gespräch, das ihn zum Weinen brachte: "Mein schlimmstes Vorstellungsgespräch ist erst gut einen Monat her. Pünktlich ist das Gespräch gestartet, allerdings stellte man mir keine 'normalen' Fragen sondern... 'stellen Sie sich vor, Sie sind ein Kapitän eines Schiffes, sie sind auf offenem Meer und sehen plötzlich am Horizont fünf Inseln. An welcher legen Sie an und wieso und was machen Sie in der Zwischenzeit, während Sie überlegen an welcher Insel Sie anlegen wollen?' Frage 2: Beschreiben Sie die Beziehung zu ihrer Großmutter. Frage 3: Wie fühlt es sich an, so eine Beziehung zu Ihrer Großmutter zu haben. […] Wenn mal keine Fragen gestellt worden sind, dann durfte ich mir sowas anhören wie... jedes Wort das sie sagen ist wie ein Geschoss aus einer Pistole. Sie schießen eine Kugel ab und ich sehe mir die Flugbahn der Kugel an und stelle Ihnen dazu eine Frage. Ich war so nervlich am Ende nach dem Gespräch, das ich erstmal im Auto geweint habe, als es vorbei war."

Mehr Unterbrechungen als Fragen

Thomas H. hatte ein unerfreuliches mit einem Vieltelefonierer: "Vor einigen Jahren bewarb ich mich bei einer mittelgroßen Elektronikfirma in Berlin. Ich bekam eine Einladung und reiste mit dem Zug aus Düsseldorf an. Die Frau am Empfang bat mich in ein Besucherzimmer. Dort blieb ich allein, 45 Minuten lang. Danach kam Herr K, ein Mitarbeiter des Hauses, begrüßte mich und setzte sich zu mir an den Tisch. Eine Erklärung für die lange Wartezeit versuchte er nicht abzugeben. Meine Unterlagen hatte er offenbar nicht gelesen. Ich erzählte das Wichtigste daraus und versuchte auch zu erklären, welche Stelle ich wollte. Während dieser Zeit nahm mein Gegenüber zwei Gespräche auf dem Handy an. Die Frau vom Empfang brachte ihm dabei Kaffee, ich bekam keinen angeboten.

Ich versuchte wieder, ein Gespräch in Gang zu bringen, erwartete auch, dass Herr K etwas über mich wissen wollte. Das schien nicht der Fall zu sein, er lehnte sich nur zurück und schwieg. Auf meine Nachfrage erklärte Herr K nur barsch, dass ich mich schließlich bei seiner Firma beworben hätte, und nicht umgekehrt. Also müsse ich jetzt auch hier Werbung für mich machen; das sei nicht seine Sache, sondern mein eigenes Interesse. Ich schluckte meinen Ärger herunter und begann, von meinen Vorstellungen und Fähigkeiten zu erzählen. Dabei nahm Herr K einen dritten Handyanruf entgegen; danach ließ er mich nicht fortfahren, sondern schickte mich nach Hause mit den Worten: 'Das war's. Sie hören dann von uns.' Immerhin hat die Firma die Reisekosten übernommen. Dass ich abgelehnt war, erfuhr ich, als ich vier Wochen später nochmal anrief."

Kuriose Parkplatzgeschichte

Die Anekdote von Stefan T. ist etwas länger, lohnt sich aber bis zum Ende zu lesen: "Eines der seltsamsten Vorstellungsgespräche, das ich hatte, war 2009 in einer Übersetzungsagentur. Zum ersten Vorstellungsgespräch sollte ich mich im Haupthaus einfinden. Direkt gegenüber gab es ein Parkhaus, in dem ich mein Auto abgestellt hatte.

Das erste Vorstellungsgespräch mit dem Geschäftsführer im Haupthaus lief ganz gut. Im Anschluss bot mir der Geschäftsführer eine Zigarette an und wir unterhielten uns noch ein bisschen über den und die Aufgaben, während wir draußen vor dem Gebäude rauchten.

Nach dem Vorstellungsgespräch mit dem Geschäftsführer fand direkt im Anschluss ein zweites Vorstellungsgespräch mit zwei Mitarbeitern in der Filiale statt. Die Filiale war ca. 700 Meter entfernt, eine Strecke, die man problemlos zu Fuß hätte zurücklegen können. Der Geschäftsführer bestand jedoch darauf, dass ich unbedingt das Auto nehmen sollte. Das sei schließlich geschickter und außerdem würde es direkt vor der Filiale auch jede Menge freier Parkplätze geben.

Gesagt, getan - nur vor der Filiale musste ich feststellen, dass in der gesamten Straße absolutes Halteverbot galt. Naja, vielleicht gibt es irgendwo einen Hinterhof oder eine Tiefgarage, wo ich mein Auto abstellen kann, dachte ich mir. Ich parkte mein Auto auf der Hauptstraße und ging in die Filiale um nachzufragen.

Die beiden Mitarbeiter sagten mir, dass es in dieser Straße überhaupt keine Parkplätze gäbe und sagten mir, dass ich das Auto einfach so auf der Hauptstraße stehenlassen solle, so dass ich es vom Fenster aus sehen kann. Außerdem sagten sie, ich solle den Kofferraum des Autos auflassen und die Warnblinker einschalten, so dass es aussieht, als würde ich etwas beim Dönerladen nebenan abliefern - für den Fall dass die Polizei kommt und Strafzettel verteilt. In dieser Straße würde häufig kontrolliert.

Als ich fragte, wo ich mich für das Vorstellungsgespräch hinsetzen kann, hieß es, ich solle bitte stehenbleiben und meine Jacke anlassen, so dass ich notfalls das Vorstellungsgespräch unterbrechen und mein Auto kurz umparken kann. Und ich solle mich bitte so hinstellen, dass ich mein Auto immer aus dem Augenwinkel sehen kann.

Kurz und knapp: das Vorstellungsgespräch lief ca. 30 Minuten. Ich stand in einer warmen Daunenjacke in dem gut beheizten Büro und schwitzte wie in der Sauna, während mein Auto draußen fröhlich bei offenem Kofferraum vor sich hinblinkte. Die beiden Mitarbeiter saßen bequem in ihren Stühlen und tranken Kaffee.

Den Job bekam ich dann letztlich deswegen nicht, weil ich mit dem Geschäftsführer vorher zusammen eine Zigarette geraucht hatte und meine Jacke daher noch nach Rauch roch - in der Filiale gäbe es schließlich nur Nichtraucherbüros und daher würden die beiden einen Nichtraucher für die Stelle bevorzugen. 

+++ Sie haben selbst eine Geschichte aus einem Bewerbungsgespräch auf Lager - als Bewerber oder Personaler? Schreiben Sie uns gerne an: achtungkunde@stern.de +++

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools