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"Ihre Brüste sind zu groß" - stern-Leser schildern ihre fiesesten Job-Interviews

Eine Bewerberin war nicht blond genug, die andere hatte zu große Brüste - und eine dritte sollte direkt verkuppelt werden. Was einige unserer Leserinnen sich schon im Vorstellungsgespräch anhören mussten, ist wirklich unverschämt.

Bewerbungsgespräch

Als Frau muss man im Bewerbungsgespräch offenbar auf einiges gefasst sein (Symbolbild)

Gemeine Chefs, unfaire Fragen, Psychostress - das kann im leider jeden treffen. Weibliche Bewerber müssen zusätzlich aber auch noch mit der Sexismus-Karte rechnen. In unserer neuen Folge von Horror-Vorstellungsgesprächen schildern einige weibliche stern-Leser besonders unverschämte Begebenheiten.

+++ Sie haben selbst eine Geschichte aus einem Bewerbungsgespräch auf Lager? Schreiben Sie uns an: achtungkunde@stern.de (Wir veröffentlichen ausgewählte Antworten anonym) +++

Nicht blond genug für den Job

Claudia S. aus berichtet: "Gesucht wurde eine Marketing-Fachfrau bei einer auf den ersten Blick seriösen mittelständigen Agentur. Ich (dunkle Haare, normale Figur) sitze einem nur wenige Jahre älteren Mann gegenüber, der mir nach kurzem Vorgespräch ins Gesicht sagt: 'Wissen Sie, wir suchen ja eigentlich jemand, die ich auf Messen mitnehmen kann - also - BLOND und so' - er machte mit zwei gewölbten Händen vor seiner Brust eine eindeutige Bewegung - 'wenn Sie verstehen, was ich meine.' Ich war zunächst fassungslos. Er fuhr fort: 'Das ist natürlich jetzt nichts gegen Ihre Qualifikation. Ich kann mir Sie sehr gut vorstellen als Anleiterin für unsere Azubis, Sie haben sowas Freundinnenhaftes.' Ich fasste mich, stand SOFORT auf und meinte 'Dann bin ich offenbar nicht die Gesuchte. Alles Gute und auf Wiedersehen.' Über mein 'Auf Wiedersehen' habe ich mich anschließend ebenso geärgert wie über den Typ den Kopf geschüttelt."

"Ihre Brüste sind zu groß für die Bluse"

Auch Annica P. brachten Bemerkungen über Ihr Aussehen völlig aus der Fassung: "Ich war ungefähr 16 Jahre alt und in meiner Heimatstadt auf der Suche nach einer Ausbildung in der Gastronomie. Am liebsten am geliebten Hafen. Gesagt, getan! Probetag in einem großen, beliebten Restaurant, direkt an den Landungsbrücken. Weiße Bluse, schwarze Hose, hochgesteckte Haare. Als der Chef mich sah, starrte er mich an, holte tief Luft und schickte mich an die Bar. Einige Minuten später kam er zu mir, irgendwie hektisch, und sagte mir, meine Brüste seien viel zu groß für diese weiße Bluse, ob ich eine Jacke hätte. Keine angemessene, nein. Er überlegte kurz, ich war zu überrumpelt, verkündete dann, dass ginge so nicht, ich müsse gehen. Verletzt und entsetzt tat ich sofort genau das, stieg weinend in die Ubahn. Einige Minuten später ein Anruf. Er hätte es sich überlegt. Ich solle größere Blusen kaufen und weiter zuknöpfen, dann könne ich nochmal kommen. Ich legte auf. Und wurde Sozialpädagogische Assistentin im Kindergarten. Wo keinen die Brüste interessieren."

"Als Schwiegertochter sehr gut vorstellbar"

Statt eines Jobs erhielt Nadine M. ein äußerst bizarres Heiratsangebot: "Ich war Anfang 20 und gerade arbeitslos geworden, daher schickte ich auch einige Initiativbewerbungen los. Unter anderen ging eine an ein kleines, alteingesessenes Familienunternehmen. Eines Tages rief mich der Seniorchef an: Leider hätte er keine Stelle zu vergeben. Okay, schade - ich wollte schon auflegen. Da wäre aber noch eine andere, etwas ungewöhnliche Sache, fing er an. Und zwar habe er vor vielen Jahren eine längere Affäre mit einer Russin gehabt; der Kontakt sei dann aber irgendwann abgebrochen. Allerdings habe diese sich vor Kurzem wieder bei ihm gemeldet. Aha, sagte ich, relativ verwirrt. Nun ja, fuhr er fort, die Russin habe ihm dabei erzählt, dass er einen Sohn habe, 25 Jahre alt. Er habe ihn mittlerweile auch schon kennengelernt. Netter Kerl. Und ich sehe so hübsch aus auf meinem Bewerbungsfoto. Mich könne er sich als Schwiegertochter sehr gut vorstellen. Ob ich seinen Sohn nicht mal kennenlernen wolle? Gegen eine baldige Hochzeit habe er auch nichts einzuwenden, dann könne sein Sohn unbefristet hierbleiben. Wir gäben ein schönes Paar ab!

Ich habe dann dankend abgelehnt mit Verweis auf meinen Freund und mir wurde erstmals so richtig bewusst, dass man in seiner ja sein ganzes Leben offenbart, inklusive Adresse - und man gar nicht weiß, wer das womöglich ansieht. Diesen Betrieb gibt es übrigens immer noch. Aber ob sein Sohn heute verheiratet ist, weiß ich leider nicht." 

Die Pleitefirma

Anja E. schreibt: "Mein schrägstes Erlebnis war nicht das Vorstellungsgespräch an sich, nur die Tatsache, dass ich überhaupt zu solchem eingeladen wurde, da circa 1 Monat nachdem ich auch noch DIE ZUSAGE bekam anzufangen, der Laden (in dem Fall: Verkauf) geschlossen wurde. […] Gut, dass ich mich anderweitig entschieden habe."

Erlebnis einer Personalerin

Katrin S. berichtet von der anderen Seite des Schreibtischs: "Ich stelle Personal ein und führe Bewerbungsgespräche. Einmal ist mir folgendes passiert: Die beliebte Frage 'Wo sehen Sie sich denn heute in zehn Jahren?', auf die ich von cleveren Bewerbern Antworten erhalte wie 'Da feiere ich mein 10-jähriges Jubiläum in Ihrer Firma' oder 'Da habe ich meine Berufserfahrungen weiter optimiert', quittierte ein Bewerber um eine Lehrstelle mit den Worten 'Hartz 4 wie mein Vater'. Daraufhin konnte ich ihm nur raten, diese Karriere direkt und ohne Störung durch eine Berufsausbildung zu starten."

Mehr Erlebnisse aus Bewerbungsgesprächen:

Teil 1: "Stehen Sie nicht auf Männer?"

Teil 2: "Oben ohne in Boxershorts"

Teil 3: "Das personifizierte Arschloch"

Teil 4: "Dann habe ich erstmal geweint"

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