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Immer schön authentisch bleiben

Der langersehnte Job ist zum Greifen nah - es fehlt nur noch das Bewerbungsgespräch. Was also tun? In Anzug oder Kostum schmeißen, auf jung, flexibel und teamorientiert machen? stern.de hat Personalprofis befragt - und einige überraschende Antworten bekommen.

Der Job bei einem Großkonzern steht bei vielen Berufsanfängern immer noch ganz oben auf der Wunschliste. Bis es dazu kommt, muss allerdings erst einmal das Bewerbungsgespräch gemeistert werden. stern.de sprach mit den Personalexperten einiger renommierter Firmen über ihre Erwartungen - und schlimme Bewerbungsfehler.

Welche Kriterien sind Personalern - neben der fachlichen Kompetenz - bei der Einstellung besonders wichtig?

Christine Keiner, Ernst & Young: Prüfung und Beratung sind von Menschen bestimmte Produkte. Deshalb stehen unsere Mitarbeiter im Mittelpunkt unseres Handelns - konkret achten wir bei der Personalauswahl daher besonders darauf, dass die "Chemie" stimmt. Die Persönlichkeit entscheidet: überzeugendes Auftreten, ausgeprägte analytische und konzeptionelle Fähigkeiten, Mobilität, Teamfähigkeit, Flexibilität, Belastbarkeit, Zielstrebigkeit und Eigeninitiative zählen neben der fachlichen Kompetenz. Das ist natürlich eine Menge an Kriterien, andererseits werden neue Mitarbeiter schnell an verantwortungsvolle Aufgaben herangeführt, bei denen dies Schlüsselqualifikationen sind.

Stefanie Saga, Peek & Cloppenburg:

Persönliche Kompetenz, die so genannten Soft Skills, sind für uns besonders wichtig. Dazu gehören für uns besonders eine gute Kommunikationsfähigkeit - für den Kontakt zu Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten -, Belastbarkeit, die Fähigkeit, andere Menschen zu begeistern und zu motivieren, Flexibilität und Mobilität, Durchsetzungsfähigkeit, analytisches Denkvermögen, ein sehr gutes Stil- und Geschmacksempfinden und bedingt durch unsere Branche auch Spaß an Mode und Lifestyle.

Annette K. Nimzik, RWE:

Wir haben unsere Anforderungen für Mitarbeiter und Führungskräfte konzernweit in unserem RWE-Kompetenzmodell (MoC) beschrieben. Es ist die Grundlage für die Potenzialeinschätzung und bildet unter anderem die Basis für die Nachfolge- und Besetzungsplanung von Führungsfunktionen im gesamten Konzern. Neben Fachkompetenz, Unternehmerkompetenz und Sozialkompetenz ist sicherlich Veränderungskompetenz, also Aspekte wie interkulturelle Sensitivität sowie Markt- und Kundenorientierung in Unternehmen unserer Branche besonders wichtig. Zudem passen Menschen gut zu uns, die bodenständig, zupackungs- und begeisterungsfähig sind.

Doris Krüger, Lufthansa:

Lufthansa ist ein Dienstleistungsunternehmen. Deshalb liegt uns insbesondere die Kunden- und Serviceorientierung am Herzen - in allen Bereichen. Weiterhin schätzen wir Authentizität und Offenheit als relevante Kriterien.

Ursula Kleerbaum, Deutsche Post World Net:

Die Entwicklung unseres Konzerns ist geprägt von Internationalisierung, Integration und Wachstum. Daran orientieren sich die Anforderungen an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Gefordert ist die Fähigkeit zur Zusammenarbeit über Unternehmensbereiche, Länder und Kulturen hinweg sowie hohe Flexibilität und die Bereitschaft, um sich gerade in einer Branche, die sich rasant verändert, möglichst problemlos neue Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen.

Welche typischen Fehler können Jobsuchende aus Ihrer Sicht beim Bewerbungsprozess vermeiden?

Stefanie Saga, Peek & Cloppenburg: Standardanschreiben, die aus einem Ratgeber kopiert wurden und für jedes Unternehmen identisch verwendet werden, sind ein sicheres Ausschlusskriterium. Ein individuelles Anschreiben kostet zwar Zeit und Mühe, zeigt jedoch, dass sich der Bewerber intensiv mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hat. Ein weiterer Fehler scheint sich leider immer stärker zu etablieren: Anrufe beim jeweiligen Personalsachbearbeiter, ohne sinnvolle Fragen zu stellen. Die Fragen beziehen sich dabei häufig auf Informationen, die alle auf unserer Webseite vermerkt sind: Wohin soll ich meine Bewerbung senden? Welche Unterlagen soll ich beifügen? Der weitverbreitete Irrglaube, es wäre von Vorteil, wenn der Personalsachbearbeiter den Namen des Bewerbers bereits gehört hat, schlägt dann ins Gegenteil um, weil der Name - wenn überhaupt - negativ im Gedächtnis bleibt. Speziell für uns als Modeunternehmen ist darüber hinaus das Bewerbungsoutfit aussagekräftig. Ein schwarzer Hosenanzug bei Damen sagt meist nicht besonders viel über den tatsächlichen Modegeschmack aus. Wir freuen uns, wenn die Bewerber in ihrem modischen Lieblingsoutfit erscheinen - dann gilt auch: Lieber eine gut sitzende Jeans als ein schlecht sitzender Anzug.

Alexandra Karg, BMW:

Typische, aber vermeidbare Fehler sind ein informelles und zu saloppes Anschreiben, ein unpassendes Bewerbungsfoto und Rechtschreibfehler. Wir möchten dem Bewerber ebenfalls nahe legen, seine Kompetenzen tatsächlich mit den in der Stellenausschreibung beschriebenen Anforderungen abzugleichen und sich zielgerichtet zu bewerben.

Annette K. Nimzik, RWE:

Die Bewerber sollten dem Anschreiben mehr Bedeutung und Individualität geben und es gezielt als persönliches Marketinginstrument nutzen. Standardbriefe, die den Eindruck erwecken, dass diese gleich als Massenpost an diverse Unternehmen verschickt werden, machen Bewerber nicht wirklich attraktiv. Darüber hinaus beobachten wir, dass die Jobsuchenden in Bewerbungsgesprächen versuchen, dem vermeintlich idealen Bewerber aus Sicht des Unternehmens zu entsprechen. Dabei verlieren sie ihre Authentizität.

Doris Krüger, Lufthansa:

Typische Fehler gibt es aus unserer Sicht eigentlich nicht. Dennoch möchte ich ein Beispiel geben und bleibe bei dieser Frage beim Beispiel unserer Servicemitarbeiter: Für diese Aufgaben sind neben den bereits genannten Kriterien natürlich auch Flexibilität und Bereitschaft zu ungewöhnlichen Arbeitszeiten erforderlich. Weiterhin erwarten wir gute Englischkenntnisse. Wenn nun solche unverzichtbaren Voraussetzungen von vornherein nicht erfüllt werden oder erfüllt werden können, dann wäre eine Absage nicht überraschend.

Ursula Kleerbaum, Deutsche Post World Net:

Wir schreiben unsere offenen Stellen vor allem über JobStairs.de sowie unser eigenes Karriereportal aus und bevorzugen analog dazu auch klar die Online-Bewerbung. Typische Fehler dabei sind, dass gerade bei der Online-Bewerbung die Bewerbungsunterlagen nicht komplett sind. Außerdem stellen wie leider oft fest, dass sich der Bewerber nicht besonders gut auf das Bewerbungsgespräch vorbereitet hat.

Alexandra Karg, BMW:

Besonders wichtig sind für uns Persönlichkeit und Teamfähigkeit eines Bewerbers, denn in hochkomplexen Fahrzeugprojekten ist die konstruktive und gute Zusammenarbeit aller Beteiligter von besonderer Bedeutung. Ein einzelner Experte, der keine ausreichenden kommunikativen Fähigkeiten besitzt, kann sein Wissen oder das Wissen anderer nicht in der richtigen Form einbringen oder bewerten.

Christine Keiner, Ernst & Young:

Der Bewerber sollte sich im Klaren darüber sein, welches Berufsziel er hat, sich entsprechend über die Einstiegsmöglichkeiten und unser Unternehmen selbst informieren um sich gezielt auf eine wirklich passende Stellenanzeigen zu bewerben. Bei der Bewerbung selbst ist es uns wichtig, dass der Bewerber begründet, warum er sich bei uns - und für die entsprechende Stelle - bewirbt, vollständige Bewerbungsunterlagen zur Verfügung stellt und den bevorzugten Eintrittstermin nennt. Darüber hinaus ist es uns wichtig, dass der Bewerber im Bewerbungsgespräch authentisch ist, denn unsere Arbeit ist sehr teamorientiert und hier muß einfach die "Chemie" stimmen. Somit wäre es ein Fehler, während des Gespräches nicht man selber zu sein.

Wie hat sich Ihrer Meinung nach der Bewerbermarkt in den letzten Jahren verändert - welche Tendenzen machen Sie für die Zukunft aus?

Alexandra Karg, BMW: Der Aspekt der Persönlichkeit hat an Bedeutung gewonnen und dies wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammen zu arbeiten gewinnt ebenfalls an Bedeutung. In der BMW Group wird neben der internationalen Ausrichtung auch die übergreifende internationale Zusammenarbeit in Firmenkooperationen eine immer größere Rolle spielen.

Stefanie Saga, Peek & Cloppenburg:

Der "War for Talents" wird sich noch verschärfen. Da ein Bevölkerungsrückgang auch zur Folge hat, dass die Gruppe der guten Bewerber kleiner wird, werden die Unternehmen noch stärker um die echten Talente kämpfen.

Doris Krüger, Lufthansa:

Es wird zunehmend schwieriger, die "Richtigen" zu finden. Das liegt nicht an der "Masse" sondern eher an der "Klasse". Der demografische Wandel kommt noch dazu. Deshalb ermuntern wir beispielsweise auch Berufserfahrene oder Wiedereinsteiger/-innen nach Familienpausen, sich für Lufthansa als Arbeitgeber zu interessieren, zum Beispiel für den Einstieg als "Flugbegleiter auf Zeit".

Annette K. Nimzik, RWE:

Wenn wir von einer Veränderung des Bewerbermarktes sprechen können, ist das sicherlich sehr differenziert für einzelne Berufsgruppen zu betrachten. Die Schere zwischen den erstklassigen Bewerbern und den mittelmäßigen Kandidaten wird immer größer. Einen richtig guten Bewerber zeichnet eine große Ambition, vielfache Fremdsprachenkenntnisse, ein extrem hoher Drive, vielfältige Talente und durchgängig sehr gute Noten aus. Insbesondere die Bewerber aus dem osteuropäischen Ausland sind häufig in dieser Gruppe zu finden.

Ursula Kleerbaum, Deutsche Post World Net:

Die internationale Ausrichtung der Bewerber hat - zum Beispiel in Punkto Sprachkenntnisse, Berufserfahrung im Ausland und andere Qualifikationen - sehr zugenommen, was zukünftig sicherlich verstärkt zu beobachten sein wird.

In welchen Unternehmens-/Fachbereichen werden derzeit bevorzugt Bewerber gesucht?

Alexandra Karg, BMW: Aufgrund unserer Produktoffensive suchen wir über unser Karriereportal sowie die Jobbörse JobStairs bevorzugt Ingenieure im Entwicklungsbereich, beispielsweise Maschinenbau, Fahrzeugtechnik oder Informationstechnologie.

Doris Krüger, Lufthansa:

Derzeit werden bei der Lufthansa Technik AG in besonderem Maße Ingenieure gesucht. Weiterhin suchen wir interessierte Abiturienten oder Studenten, die eine Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer beginnen möchten. Aktuell suchen wir für die Lufthansa Passage Airline aktuell auch mehrere hundert Mitarbeiter in allen Servicebereichen an Bord und am Boden - das heißt Flugbegleiter, aber auch Mitarbeiter an den Flughäfen. Schwerpunkte sind die Standorte Frankfurt und München. Diese Aufgaben eignen sich übrigens auch hervorragend für alle, die Teilzeit am Boden arbeiten möchten, oder sich für das Modell "Flugbegleiter auf Zeit" (FAZ) interessieren. Unsere "FAZs" fliegen flexibel zwischen März und Oktober zwischen zwei und sechs Monaten - das ist interessant für Studierende oder auch diejenigen, die nach einer Babypause mit einer Teilzeitstelle wieder in den Beruf einsteigen möchten.

Christine Keiner, Ernst & Young:

Wir suchen ganzjährig in sämtlichen Fachbereichen und an sämtlichen Standorten qualifizierte Mitarbeiter. Unser Bedarf an Mitarbeitern spiegelt dabei unser Dienstleistungsangebot wider, das die Bereiche Assurance & Advisory Services, Tax Services, Transaction Advisory Services sowie Real Estate Advisory Services umfasst.

Annette K. Nimzik, RWE:

Als derzeit größter Investor in Kraftwerksneubauten suchen wir natürlich eine erhebliche Zahl an Ingenieuren. Grundsätzlich brauchen wir für die Herausforderungen, denen sich RWE in der Energiewirtschaft stellen muss, auch Bewerber mit finanzwirtschaftlichem Hintergrund sowie Physiker und Mathematiker. Über die Jobbörse www.jobstairs.de und die Stellenbörse auf unserer eigenen Webseite suchen wir neue Mitarbeiter in Bereichen wie Risk Management, Kraftwerkstechnik, Unternehmensentwicklung und anderen Bereichen.

Ursula Kleerbaum, Deutsche Post World Net:

Wir suchen derzeit verstärkt Mitarbeiter in den Bereichen IT, Consulting, Controlling, Vertrieb und Marketing.

Stefanie Saga, Peek & Cloppenburg:

Momentan suchen wir insbesondere ambitionierte Bewerber für die Bereiche Zentraleinkauf und Storemanagement/Geschäftsleitung. Beide Bereiche können durch einen Einstieg über unser General Management Programm (für Hochschulabsolventen) angesteuert werden. Zusätzlich suchen wir Kandidaten für den Bereich Controlling.

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