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11 Euro pro Haarschnitt - den Preis zahlt der Friseur

Es gibt sicher komfortablere Berufe in Deutschland als den des Friseurs. Niedriglöhne sind die Regel. Bei der Kette C&M müssen die Angestellten sogar einen Mindestumsatz erbringen - sonst droht die Kündigung. Dabei kostet der Haarschnitt nur 11 Euro.

Von Massimo Bognanni

  Schicksal für viele Friseure: Nach der Ausbildung folgt die Ausbeutung

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Qualität und Kundenzufriedenheit" hat sich die Billigfriseurkette C&M auf die Fahnen geschrieben. Und vor allem: "konkurrenzlos günstige Preise". Die liegen bei 11 Euro in der Stunde. Die eigene Belegschaft steht für das Unternehmen allerdings weniger im Fokus. Die Kette beschäftigt nach stern-Recherchen offenbar Mitarbeiter zu rechtswidrigen Bedingungen.

Das Hamburger Unternehmen C&M Company betreibt mehr als 170 Filialen, ist in den alten Bundesländern außer dem Saarland überall vertreten und hat rund 800 Beschäftigte. Arbeitsverträge, Lohnabrechnungen und interne Vermerke, die dem stern vorliegen, legen nahe, dass der "konkurrenzlose" 11-Euro-Preis zu Lasten der Mitarbeiter geht.

Mindestumsatz von 220 Euro

Nach dem Urteil des renommierten Arbeitsrechtlers Peter Schüren von der Universität Münster verstoßen die zentralen Regelungen über Arbeitszeit und Lohn gegen das Arbeitsrecht oder tarifliche Bestimmungen. So vereinbart C&M in seinen Arbeitsverträgen mit den Mitarbeitern regelmäßig eine sogenannte "Arbeitspflicht" - "einen täglichen Umsatz von 220 Euro als Mindestarbeitsleistung". Die Unterschreitung dieses Wertes "schon an einem Arbeitstag" sei ein "verhaltensbedingter Kündigungsgrund". Damit wälzt der Arbeitgeber faktisch das wirtschaftliche Risiko des Arbeitsmangels auf seine Beschäftigen ab. Laut Professor Schüren ist so eine Mindestumsatzklausel unwirksam und eine Kündigung wegen Nichterreichung abwegig: "Der Arbeitgeber hat sich hemmungslos über die geltenden Gesetze hinweggesetzt."

C&M hat außerdem mit Mitarbeitern eine "betriebsübliche Arbeitszeit" von 42,5 Wochenstunden vereinbart. Das ist mehr als die im Durchschnitt gesetzlich zulässige und in Tarifverträgen vereinbarte Arbeitszeit. C&M verstößt so offenbar in mehreren Bundesländern gegen allgemeinverbindliche Tarifverträge für das Friseurhandwerk. Im entsprechenden Tarifvertrag für Bayern ist etwa eine Arbeitszeit von 37 Stunden vereinbart - 5,5 Stunden weniger als bei C&M als "betriebsüblich" vereinbart. Professor Schüren sagt dazu: "Hier spart der Arbeitgeber richtig Geld." Denn laut Tarifvertrag müsste er für jede zusätzliche Stunde Zuschläge zahlen.

Vom stern mit den Vorwürfen konfrontiert, ließen die Anwälte des Unternehmens ausrichten: Der Preisvorteil von C&M werde nicht durch niedrige Löhne erzielt. Allerdings trage der einzelne Mitarbeiter in Dienstleistungsbranchen ein "Beschäftigungsrisiko". Der Friseur habe es "durch die Qualität seiner eigenen Arbeit wesentlich stärker in der Hand, ob Kunden zu ihm wiederkommen" - als etwa Verkäufer in Elektronikmärkten. Zum Thema Arbeitszeit ließ C&M erklären, die rechtlichen Vorschriften würden häufig "falsch interpretiert". Regelmäßig vereinbarte Mehrarbeit würde immer abgegolten, wobei man sich von "im Einzelfall möglichen Fehlern nicht freisprechen will".

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