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Tschüss Mutti-Mythos: Frauen wollen Karriere - mehr als Kinder

Die Lebensentwürfe von Männern und Frauen gleichen sich an - finanzielle Unabhängigkeit und Karriere rangieren auch für Frauen vor Kindern. Allerdings hinkt die Gleichberechtigung diesen Träumen hinterher, zeigt nun eine Studie das Frauenmagazins Brigitte.

Frauen im Job

Frauen wollen Karriere machen, Kinder sind ihnen nicht mehr so wichtig. Das liegt auch an der schlechten Vereinbarkeit von Job und Familie.

Klar, Frauen haben Heim und Herd schon vor Jahrzehnten den Rücken gekehrt und sind beruflich durchgestartet. Und Männer engagieren sich im Haushalt, nehmen Elternzeit oder machen ein Sabbatical. Tatsächlich waren die Lebensentwürfe von Männern und Frauen sich noch nie so ähnlich wie aktuell - das bestätigt nun auch eine aktuelle Studie des Frauenmagazins . Allerdings: Ganz einfach macht man Frauen die Umsetzung dieser Lebenspläne nicht. Und beim Haushalt gucken viele Männer gerne noch weg.

Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos hat im Auftrag von Brigitte die Studie "Mein Leben, mein Job und ich" durchgeführt und dafür 2002 Frauen und zwischen 18 und 69 Jahren 151 Fragen gestellt. Zusätzlich wurden noch 16 Frauen in einstündigen qualitativen Interviews befragt. Das Ergebnis: Frauen wollen Karriere inzwischen genauso sehr wie Männer. 48 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer sagten, dass ihnen der berufliche Aufstieg sehr wichtig sei. Für beide Geschlechter ist die finanzielle Unabhängigkeit (Frauen 94 Prozent, Männer 91 Prozent) und eine sinnvolle Tätigkeit (Frauen 80 Prozent, Männer 81 Prozent) wichtig.

Mutter zu werden und eine Familie zu gründen ist Frauen hingegen nicht so wichtig wie der Job. 79 Prozent der Frauen gaben als zentrales Bedürfnis die Arbeit an - nur 68 Prozent nannten bei dieser Frage . Karriere und Kind hingegen ist nicht für alle Frauen leicht zu schultern.


Zwar hat sich jüngst einiges getan. Elterngeld, Home Office und flexibleres Arbeitsmodelle erleichtern es Frauen, Kinder und Arbeit besser zu koordinieren. Und das honorieren auch 37 Prozent der befragten Frauen, die meinen, dass die Vereinbarkeit von und Familie heute generell besser klappt als früher. Doch 29 Prozent sehen das genau anders - sie finden, dass es sogar schwerer geworden ist. Ein Widerspruch? Nicht unbedingt. Diese zweigleisige Antwort zeigt nur, wie unterschiedlich die neuen Möglichkeiten bisher in der Realität angekommen sind. Während einige Frauen liberale Arbeitgeber haben, die neue Arbeitszeitmodelle eingeführt haben und flexibleres und agileres Arbeiten vorantreiben, arbeiten andere Frauen offenbar bei Firmen, die solche Erleichterungen noch nicht anbieten.


Hier sieht Brigitte Huber, Chefredakteurin von Brigitte, auch die Politik in der Pflicht. "Familien- und Frauenpolitik sollte jetzt eine wichtige Rolle in den Koalitionsverhandlungen der Parteien spielen. Alle drei Parteien haben in ihren Wahlprogrammen gute Ansätze, die nun verbindlich realisiert werden müssen. Gut finden wir natürlich Punkte wie das Rückkehrrecht auf Vollzeit oder die flexible Vollzeit, die die Grünen in ihrem Wahlprogramm fordern", so Huber. "Dasselbe gilt für die flexiblen Arbeitszeitmodelle, mit denen die FDP für eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie sorgen will, oder für den längst überfälligen Rechtsanspruch auf Betreuung im Grundschulalter, den die CDU einführen will. Wie bedeutend diese Themen für die Lebenszufriedenheit der Menschen in Deutschland sind, belegen die empirischen Daten unserer aktuellen Brigitte-Studie."

Doch nicht nur Arbeitgeber und Politiker müssen sich strecken, um es Frauen zu erleichtern Arbeit und Familie besser unter einen Hut zu kriegen - auch die Männer sind gefragt. Denn so einig sich die Geschlechter auch bei den Lebenszielen sind - bei der Arbeitsteilung im Haushalt gehen die Wahrnehmungen stark auseinander. So sagen 63 Prozent der befragten Männer, dass es bei der Kinderbetreuung eine faire Verteilung gibt. Beim Putzen stimmten immerhin 49 Prozent zu. Die befragten Frauen sahen das anders: Nur 32 Prozent stimmten bei der Kinderbetreuung und 29 Prozent beim Putzen zu. 

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