Erst CIA, dann Deutsche Telekom?

3. April 2012, 12:11 Uhr

Die Deutsche Telekom beschäftigte einen polnischen Ex-Geheimdienstler, dem jetzt vorgeworfen wird, er habe für die CIA ein Geheimgefängnis betreiben lassen. Von Hans-Martin Tillack

Telekom, Polen, CIA, Andrzej D., Masuren, black sites, Agencja Wywiadu, Zbigniew Siemiatkowski, Flughafen, Szymany

"Aufenthalt vorzeitig beendet": Deutsche Telekom©

Er war polnischer Geheimdienstmann und angeblich in den Betrieb eines CIA-Geheimgefängnisses verwickelt - und bis vor wenigen Tagen saß er bei der Deutschen Telekom in deren Sicherheitsabteilung in Bonn. Andrzej D. amtierte zwischen Juli 2002 und März 2005 als Vizechef des polnischen Auslandsgeheimdienstes Agencja Wywiadu. Nach polnischen Presseberichten könnte ihm nun eine Anklage vor Gericht drohen, so wie das jüngst bereits seinem damaligen Vorgesetzten Zbigniew Siemiatkowski geschehen sei.

Beide sollen daran beteiligt gewesen sein, dem US-Geheimdienst nahe dem masurischen Flughafen Szymany eine Militärbasis überlassen zu haben. Die CIA soll dort angebliche Terrorverdächtige ohne Haftbefehl festgehalten und verhört haben. Während der damalige polnische Premierminister Leszek Miller diesen Vorwurf weiter abstreitet, plädiert der heutige Staatspräsident Bronislaw Komorowski dafür, dass die Justiz die Sache aufklärt.

Sicherheitschef der polnischen Telekom-Tochter

Die Telekom bestätigte stern.de, dass der Ex-Geheimdienstler Andrzej D. ein so genanntes "Job Visiting" in der Unternehmenszentrale des Konzerns in Bonn absolvierte. Er sei aber "kein Mitarbeiter" des Unternehmens. Andrzej D. selbst bezeichnete noch am Freitag vergangener Woche seine Position in Bonn auf seinem eigenen Karriereprofil auf der Website "LinkedIn" als "International Security Project Manager". Inzwischen ist das Profil dort gelöscht.

Sicher ist: Seit 2009 und bis Oktober letzten Jahres war Andrzej D. Sicherheitschef der polnischen Telekom-Tochter PTC. Sein Vertrag mit der polnischen Dependance lief eigentlich, so ein Sprecher, noch bis Mai diesen Jahres. Bis dahin sollte er sein Programm in Bonn absolvieren. Nach den Presseberichten in der vergangenen Woche habe man sich mit Andrzej D. aber "geeinigt, den Aufenthalt bei der Telekom vorzeitig zu beenden".

Kein Ermittlungsverfahren

Nach Kenntnis des Konzerns gibt es bisher in Polen kein Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Mitarbeiter. Für ihn gelte die "Unschuldsvermutung", hob ein Sprecher hervor. Andrzej D. selbst war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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