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Ein guter Lehrer lehrt fürs Leben

Auf Ehemaligentreffen lachen frühere Mitschülerinnen und Mitschüler über ihre Streiche von damals und schütteln immer noch die Köpfe über manchen Lehrer von früher. Ganz anders Sandra, eine ehemalige Schülerin des Vaters von Frank Behrendt, die immer noch von dem profitiert, was er sie damals gelehrt hat.

Ich bekomme oft Direktnachrichten über die sozialen Netzwerke oder meine Korrespondenz-Mailadresse. Oft sind es wildfremde Menschen, die mir nettes Feedback auf eine stern-Stimme geben, von einer eigenen Geschichte dazu erzählen, oder sich für die Inspiration nach dem Lesen meines Buches bedanken.

Sandra meldete sich via Xing bei mir und es ging nicht um mich, sondern um meinen Vater. Er war Lehrer gewesen, Kunst, Deutsch und Werken waren seine Fächer. Kunst hat er am allerliebsten unterrichtet. Er malte auch selbst, wusste alles über Paul Klee, Salvador Dali, Pablo Picasso und die anderen Ikonen der Malerei.

Sandra hatte bei meinem alten Herrn Kunstunterricht am Gymnasium Otterndorf gehabt. Ich kannte sie gar nicht, ich war damals zwei Klassen unter ihr. Sie hat mich im Netz entdeckt, las von Otterndorf und zählte eins und eins zusammen. "Bist Du der Sohn des Kunstlehrers Behrendt?" Ja der bin ich.

Wir schrieben hin und her und sie berichtete über ihr Leben. Sie hatte Medizin studiert, wurde dann aber nach ein paar Jahren im Job krank und konnte nicht mehr praktizieren. Nun arbeitet sie Teilzeit in einer Ergotherapie-Praxis am Empfang, die meisten Patienten sind Kinder.

Im Wartezimmer hat sie in Wechselrahmen Kunstdrucke aufgehängt, die meisten davon von . Die Idee hatte sie von meinem Vater. Der hatte seinerzeit die Bilder seiner Schüler zum Thema "Das Leben ist schön" an den Wänden im Otterndorfer Krankenhaus angebracht, um den dort genesenden Kindern etwas mehr Farbe und Freude in die zuvor sterilen Flure und Zimmer zu zaubern. "Dein Vater hat mir den Zugang zur Kunst vermittelt und die hat mir in schweren Zeiten sehr geholfen", schrieb mir Sandra.

Sie erinnerte mich dabei auch an eines der Lieblingszitate meines Vaters von : "Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags von der Seele zu waschen." Ich bin sicher, mein verstorbener Vater hätte sich gefreut, dass sein Kunstunterricht auch nach 30 Jahren bei früheren Schülern noch derart präsent ist. Ein anderes Zitat von Picasso hat mein Vater mir selbst übrigens zu meinem 18. Geburtstag mit auf den Weg gegeben: "Jedes Kind ist ein Künstler. Das Problem ist nur, wie man Künstler bleibt, wenn man größer wird." Ich versuche jeden Tag, einer zu bleiben.

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