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Edeka-Opa sei Dank: Was ich im Altersheim über die Liebe gelernt habe

In Altersheimen sitzt das Gedächtnis unserer Gesellschaft. Aber kaum jemand nutzt es. Redet mit den Oldies und lasst euch inspirieren, rät unser neuer Kolumnist Frank Behrendt

Frank Behrendt Edeka-Opa

Der Edeka-Spot brachte Frank Behrendt auf die Idee, eine Talk-Reihe im Altersheim zu starten

Der Edeka-Spot "Heimkommen", der millionenfach im Netz geklickt wurde und die Menschen zu Tränen rührte hat bei mir einen Impuls ausgelöst: Ich bin in einen Seniorenstift bei mir um die Ecke gegangen und habe dem Heimleiter ein Angebot gemacht. Ich wollte mit den einsamen alten Menschen reden, ihnen zuhören, mit ihnen lachen.

Aus einer fixen Idee wurde eine dauerhafte Aktion und so komme ich inzwischen regelmäßig im Altersheim vorbei und mache eine kleine Talkrunde. Zwei Silberpappeln sitzen auf einem roten Sofa und ich spreche mit ihnen. Über ihr Leben, ihre erste Liebe, ihren Beruf, ihre Reisen. Kurz: Über das, was ihnen im Leben Freude gemacht hat. Krieg und Krankheiten sind tabu. Und weil ich kein Honorar bekomme, wird das eingesparte Geld in Wein investiert.

Und so lauschen unter dem Titel "Hausgespräche – Begegnungen mit Menschen unseres Hauses" die Heimbewohner den zwei Talkgästen und mir als Moderator. An den jungen Hans-Joachim Kulenkampff würde ich sie erinnern, flüsterte mir eine 90-Jährige verschwörerisch ins Ohr. Viele jüngere Leser werden den Altmeister der deutschen TV-Quizshows nicht mehr kennen. Er war so eine Vorstufe von Thomas Gottschalk, nur weniger gelockt.

Mit Bügeleisen auf den Berggipfel

Beim letzten Talk hatte ich einen bemerkenswerten älteren Herrn auf der Couch. Einen Werkzeugmacher namens Martin, der gerne tanzt und Oldtimer liebt. Ein Mädchen liebte der fidele Oberbayer auch mal – aus Köln. Ihre erste Reise führte die beiden in die . Stundenlang stiegen sie keuchend bis auf den Gipfel eines Berges. Martin, ganz Gentleman der alten Schule, trug neben seinem eigenen Rucksack auch den seiner Angebeteten. Sauschwer war der, erklärte er mir und den kichernden meist weiblichen Zuhörerinnen.


Oben angekommen fragte er seine Dame des Herzens, was denn so bleischwer in dem Rucksack wäre? Ein Bügeleisen. Was sie an einem stromlosen Ort damit wollte, hat er nie gefragt. So war sie halt und er habe sie doch geliebt, war seine Erklärung.

Nur eine von ganz vielen Geschichten, die ich zu hören bekam. Mir geben diese Abende viel. Einmal das gute Gefühl, den alten oft einsamen Menschen etwas Freude zu bereiten. Aber auch Inspiration für mich ganz persönlich. stellt keine Fragen, hat meine Oma immer gesagt. Martin, der das Bügeleisen auf den Gipfel schleppte, hat diese These bestätigt. Und das gibt mir in einer Welt, in der vieles unklarer geworden ist, ein sehr beruhigendes und gutes Gefühl.

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