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Wenn Omi Malle-Touristen über ihre Tattoos ausfragt

Als Frank Behrendt in den 70er Jahren zum ersten Mal am Berliner Flughafen Tegel landete, hatte fast niemand Tattoos. Heute sind sie weit verbreitet. Man fällt eher auf, wenn man keine hat. Am Gate 83 wurde er jetzt Zeuge einer kurzweiligen Unterhaltung einiger Fluggäste über den Sinn des populären Körperschmucks. 

Am Strand kommen Tatoos in ihrer ganzen Schönheit zur Geltung (Symbolbild)

Am Strand kommen Tatoos in ihrer ganzen Schönheit zur Geltung (Symbolbild)

Sonntagmorgen in Tegel. Eurowings nach Malle, Abflug 6:20 Uhr. Die bunte Republik ging an Bord. Ich saß noch etwas verschlafen nach einer nächtlichen Formel-E-Partysause im Marché und gönnte mir als Wachmacher einen frisch gepressten O-Saft gefolgt von einem doppelten Espresso.

Ich flog vom Gate nebenan heim nach Köln. Neben mir an Holztisch saß eine Familie in bereits strandtauglicher Kleidung, die jungen Eltern auffällig tätowiert. Nur die kleine Tochter hüpfte im gelben Kleidchen noch unverziert herum. Eine mit am Tisch sitzende ältere Dame fragte die beiden interessiert, was die ganzen Tattoos denn zu bedeuten hätten. Das Pärchen gab ihr bereitwillig Auskunft: Familienwappen, Liebesschwüre, Bilder der Tochter auf den Unterarmen, die Namen der Eltern in ganz vielen verschlungenen Herzen darunter.

Liebe, natürlich "forever"

Es waren kunstvoll eingestochene Abbildungen und Worte, die Zusammenhalt, Treue und ewige Liebe versprachen. "Forever" hatten die beiden gleich mehrfach zu bieten. Die interessierte Dame mit Hut, die mich irgendwie an die wunderbare Schauspielerin Maria Sebaldt, die "Bille" aus der einst extrem populären TV-Serie "Ich heirate eine Familie" erinnerte, sagte: "Ick find das juut, dass ihr euch so dolle lieb habt." Da war es, das echte herzliche . Generationenübergreifend in aller Herrgottsfrühe dargeboten und so herrlich normal. 

Das Pärchen gab sich einen lippengepiercten Kuss und das Töchterchen kam fröhlich herbeigetänzelt. "Wieso hast Du denn keine Tattoos?" fragte sie die nette Omi frank und frei. Die Befragte lachte herzlich und meinte keck: "Hab ich ja vielleicht, aber sie sind sehr gut versteckt". Über den Wolken schloss ich die Augen und musste unweigerlich grinsen. Ich stellte mir das Bild der Vier am Strand von Deutschlands allerliebster Ferieninsel vor. Bei der Maria-Sebaldt-Kopie sah ich tatsächlich ein kleines Herzchen-Tattoo auf der rechten Schulter... 

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