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Wenn Schule zum Weinen schön ist

Beim Abschlussgottesdienst feierten Frank Behrendts Sohn und 78 weitere Kinder der 4. Klasse aus der Kölner Grüngürtelschule das Ende ihrer Grundschulzeit. Als der Pastor mit den Schülerinnen und Schülern zum Finale ein besonderes Lied anstimmte weinte ein Mädchen bitterlich und unser Kolumnist und alle neben ihm auch.

Es war ein Traumsonntag im Sommer. , Lehrer, Eltern und Verwandte waren in der schönen St. Josephs-Kirche im Kölner Süden zusammengekommen, um unter dem Motto "Wir segeln davon" Abschied zu feiern: Von vier gemeinsamen Jahren Grundschulzeit.

Viele der versammelten Kinder waren zuvor schon miteinander in den Kindergarten gegangen. Nun machten sie sich auf zu neuen Ufern, neue Schulen warteten und die seit Jahren vertrauten Gemeinschaften lösten sich vielfach auf. Auch bei den Eltern. Wie viele lange Elternabende auf kleinen Stühlen im Klassenraum hatte man miteinander erlebt? Bei Weihnachtsfeiern in der Turnhalle über das Theaterstück und die Tänze der Kinder gelacht, sich bei Schulfesten am Grill abgewechselt.

Ein emotionaler Moment

Jedem war klar: Eine besondere Zeit ging zu Ende. Eltern von kleinen Kindern sind enger verbunden als später in den weiterführenden , wenn der Nachwuchs mit zunehmender Selbstständigkeit eher eigene Wege geht. Ein Hauch von Wehmut zog über die vollbesetzten Sitzreihen in der Kirche. Die Kinder trugen vor, was ihnen in der Schulzeit besondere Freude gemacht hatte.

Ein Junge aus Syrien, der als Flüchtling nach Deutschland kam und sich wunderbar integrierte, sagte mit heller Stimme: "Es war so schön mit den anderen in der Pause Fußball zu spielen und mit allen viel zu lachen in der Klasse." So einfach kann ein funktionierendes Miteinander verschiedener Kulturkreise sein. Am Ende stellten sich die Kinder gemeinsam vor dem Altar auf und sangen das alte irische Segenslied "Möge die Straße uns zusammenführen".

Eine kleine Sängerin im bunten Blumenkleid brach dabei in Tränen aus. Und wir Eltern und die Lehrerinnen weinten gerührt mit. Als ich mich beim rausgehen umdrehte, hatten zwei Mitschülerinnen das immer noch weinende Blumenmädchen im Arm. "Bis wir uns 'mal wiedersehen, hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt. Er halte dich in seinen Händen, doch drücke seine Faust dich nie zu fest", heißt es in der dritten Strophe. Die zwei drückten ihre kleine Schulfreundin ganz fest und das war in diesem Moment auch gut so.

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