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Wie meine Kinder lernten, dass auch Verlierer gewinnen können

Seit vielen Jahren ist Frank Behrendt leidenschaftlicher Fan des Revierclubs MSV Duisburg. Gute und schlechte Zeiten hat er mit seinen Zebras erlebt und durchlitten. Jetzt steigen sie wieder in die 2. Bundesliga auf, und er war gemeinsam mit seinen Kindern Zeuge echter Sternstunden des Fußballs. 

Nach dem Schlusspfiff im Südstadion verbrüderten sich weiß-blaue Duisburger und rot-weiße Kölner

Nach dem Schlusspfiff im Südstadion verbrüderten sich weiß-blaue Duisburger und rot-weiße Kölner

Schon der Weg per Fahrrad zum ehrwürdigen Kölner Südstadion war ein Erlebnis: Hupen, Winken, Lachen aus den vorbeifahrenden Autos. Im Weiß-Blauen Dress fiel man in der Rot-Weißen Fußball-Hochburg Köln eben auf. Meine kleine Tochter Holly sah auf ihrem pinkfarbenen Prinzessin-Lilifee-Rädchen im übergroßen Original-Trikot von MSV-Kapitän Branimir Bajic besonders erheiternd aus.

Die Faktenlage vor dem Spiel war klar: Gewann der MSV, würden wir direkt vor Ort den Aufstieg feiern. Natürlich standesgemäß mit einem Platzsturm, den mein Junior Josh unbedingt erstmals erleben wollte. Und er wurde nicht enttäuscht: Als der finale Pfiff des Schiris ertönte, gab es kein Halten mehr. Tausende Fans stürmten bei strahlendem Sonnenschein den Platz.

Mein begeisterter Sohn sprang als einer der ersten über die Absperrung und rannte über das Spielfeld zu Trainer Ilia Gruev, der ihn und viele andere glückliche Fans herzlich in die Arme nahm. Besonders bemerkenswert war in diesen kollektiven Glücksmomenten, dass die Fans des unterlegen Gegners Fortuna begeistert mitfeierten. 

Fußball in seiner schönsten Form

Da war sie - Fußball- und Fankultur in ihrer schönsten Form. Sportlich, fair, die zuvor rivalisierenden Anhänger nach Spielschluss friedlich vereint. Als die Fans beider Lager dann noch Arm in Arm gemeinsam die typische Kölner Hymne "In unserem Veedel" schmetterten, Polizisten Beifall klatschten und sogar die beiden Maskottchen miteinander tanzten, war die spontane Verbrüderung perfekt. Holly fragte, warum die anderen sich freuten, obwohl sie doch verloren hatten. Ihr Bruder erklärte es ihr auf seine Weise: "Weil die heute auch mal den Platz stürmen durften." 

Als wir wieder zu unseren Fahrrädern gingen, klopfte mir ein fröhlicher Fortuna-Veteran auf die Schulter und meinte betrübt, dass es wirklich extrem schade wäre, dass wir in der nächsten Saison nicht mehr gegeneinander antreten. Meine Tochter dachte da pragmatischer: "Papa, kann der MSV nicht jedes Mal hier spielen, dann fahren wir immer mit dem Fahrrad zu den Zebras."


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