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Andere Länder, andere Business-Sitten

Sind in Skandinavien Termine nach 16 Uhr angebracht? Gibt man chinesischen Geschäftspartnern die Hand? Was gilt in den USA als Business-Dress? Die wichtigsten Dos und Don'ts für Geschäftsreisen im Ausland.

Über den norwegischen Schriftsteller Knut Hamsun gibt es folgende Anekdote: Als er von einem Paris-Aufenthalt zurückgekehrt war, fragte ihn ein Freund: »Sicher hatten Sie in der ersten Zeit Schwierigkeiten mit Ihrem Französisch?« - »Ich nicht«, erwiderte der Schriftsteller, »aber die Franzosen«.

Mehr als Geschäftsinteressen


Es geht bei Geschäftsreisen nicht darum, die Landessprache perfekt zu beherrschen. Doch wer zumindest ein paar Sätze sprechen kann, erfreut mit der höflichen Geste und zeigt Interesse über das Geschäftliche hinaus. Gleiches gilt etwa für Geschäftsessen, wenn Ihnen ungewohnte Speisen serviert werden: Seien Sie nicht zu pingelig und probieren Sie zumindest, um Ihre Gastgeber nicht zu enttäuschen.

Geschäftsfrauen spielen in Nordeuropa eine selbstverständliche Rolle und genießen Gleichberechtigung und große Freiräume. In südlicheren Ländern ist das nicht unbedingt so, seien Sie darauf vorbereitet. Was die Kleidung betrifft, ist es dort besser, nicht zu viel Haut zu zeigen.

Wie bei jedem Aufenthalt im Ausland gehört das Gespür für die jeweilige Situation und die Menschen dazu, sich angemessen zu verhalten. Ignoranz gegenüber den kulturellen Eigenheiten ist dabei ebenso fehl am Platz wie übereifriges Anpassen: Die eigene kulturelle Identität muss man nicht verstecken. Wer zu Hause über gute Umgangsformen verfügt, wird auch im Ausland nicht anecken. Grundzüge der landestypischen Gebräuche sollten Sie aber kennen und achten.

Nordeuropa (Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland) Im Norden Europas wird viel Wert auf Gleichberechtigung gelegt, Frauen werden in allen Positionen ohne Vorbehalt akzeptiert. Besonders in Dänemark ist der Frauenanteil in Führungspositionen hoch. Die Garderobe für das Geschäftsleben ähnelt der in Deutschland, in Schweden ist sie eher etwas dunkler, ebenso bei Festlichkeiten in Finnland.

Termine sollten Sie absolut pünktlich wahrnehmen. Das Wochenende ist für Geschäftliches absolut tabu. Nicht gern gesehen werden Termine nach Büroschluss gegen 16 Uhr – und in Dänemark nicht in der Mittagspause zwischen 11.30 und 14.30 Uhr sowie in den Urlaubsmonaten Juli und August.

In den skandinavischen Ländern gelten in kleinen Unternehmen oft flache Hierarchien. Anders in Großunternehmen, dort werden besonders in Schweden und Finnland die üblichen Hierarchien beachtet. Finnen legen Wert auf die förmliche Anrede, also unbedingt Geschäftspartner mit ihrem Titel anreden (z.B. »Herr Direktor«). Auch in Schweden trifft man häufig auf den Titel »directör«, der von der Bedeutung unserem Doktortitel entspricht.

Zu den Themen, die zu vermeiden sind, gehören in Dänemark und Norwegen Diskussionen über die europäische Integration, in Finnland und Norwegen das Thema Alkohol. Werden Sie in Finnland von einem Geschäftspartner in seine private Sauna eingeladen, ist das eine Ehrerbietung, die Sie möglichst nicht ausschlagen sollten.

Westeuropa (Frankreich, Großbritannien, Irland) Frankreich gilt als hierarchisch stark gegliederte Gesellschaft. Autoritär geführte Unternehmen sind häufig und französische Chefs delegieren kaum. Akademiker aus den angesehenen Eliteschulen und alteingesessene Großgrundbesitzer stellen die Führungsriege im Land. Sehr wichtig sind in Frankreich Titel, außerdem wird Wert auf Beziehungen und Netzwerke gelegt. Von Deutschen wird erwartet, dass sie Termine absolut pünktlich wahrnehmen, allerdings tun es Ihnen deshalb französische Geschäftspartner nicht zwingend gleich.

Mit Kultur punkten


Die Geschäftsgarderobe ist formell und dunkel, etwas legerer darf es nach Büroschluss sein. Ausgedehnte Geschäftsessen liegen den Franzosen, dabei wollen sie ihre Partner auch persönlich kennen lernen. Geschäftliches besprechen Sie deshalb besser nach der Mahlzeit. Wollen Sie ein Gastgeschenk mitbringen, empfiehlt es sich, dies schon am Morgen des Termins an den Gastgeber zu schicken. Die Beherrschung der französischen Sprache wird erwartet, punkten können Sie mit Kenntnis über die Kultur der Franzosen – deren Bedeutung Sie nicht anzweifeln sollten. Außerdem ist die Wahrung der Privatsphäre den Franzosen oberstes Gebot. Geschäftstermine im Juli und August bieten sich wegen der Ferienzeit nicht an.

In Großbritannien gibt es Verhaltensformen und Normen, die je nach Gesellschaftsschicht variieren. Verbindend ist der Hang zur Tradition. Achten Sie unbedingt auf die unterschiedliche regionale Herkunft und sprechen Sie nie von »dem Engländer«. Pünktlichkeit, Geduld und Höflichkeit sind genau wie gute Tischmanieren sehr wichtig. Es gibt in Großbritannien viele Titel und Orden, Briten legen aber keinen Wert darauf, mit ihnen angeredet zu werden. Im Gegenzug reden Briten ihre ausländischen Geschäftspartner sehr wohl mit Titel an.

Distanz wahren
Die Kleidung ist sehr konservativ und dezent, das gilt besonders für Frauen. Sind Sie abends eingeladen, sollten Sie keine Geschäftsthemen ansprechen. Termine vor 9 Uhr morgens werden nicht gesehen, ebenso wenig montags morgens und freitags nachmittags. Blumen sind als Gastgeschenk unüblich, statt dessen wird eher Exklusives verschenkt. Tabu sollten Fragen nach der Familie sein, das Thema Nordirland-Konflikt, mangelnde körperliche Distanz – Händeschütteln ist zum Beispiel eher unüblich –, lautstarkes Sprechen und extrovertiertes Verhalten: In Großbritannien gibt man sich emotionslos und beherrscht. Dafür macht es sich gut, wenn Sie den britischen Humor teilen können.

Zwanglosere Verhaltensformen


Iren sind sehr humorvoll und gastfreundlich und nehmen Deutsche herzlich auf. Pünktlichkeit erwartet man von Ihnen, auch wenn die irischen Geschäftspartner selbst nicht immer pünktlich erscheinen. Die Kleidung im Geschäftsleben ist eher formell, und wie in Großbritannien empfiehlt sich zu festlichen Abendeinladungen Smoking und langes Abendkleid. Iren geben sich generell lockerer als Briten, zwanglose, informelle Umgangsformen sind üblich. Im Geschäftlichen können Sie auf hartnäckig verhandelnde Partner stoßen. Zu den Tabuthemen gehören Innenpolitik und das Verhältnis zu Großbritannien, Terrorismus und der Nordirland-Konflikt, ebenso Fragen nach der persönlichen Haltung zur Abtreibungsfrage.

Südeuropa (Italien, Spanien, Portugal) Dem Akt der Nahrungsaufnahme kommt in Südeuropa eine große Bedeutung zu und ist Teil der kulturellen Identität. Vermeiden Sie es deshalb, mittags Termine zu vereinbaren – es sei denn, zu einem Geschäftsessen. In Italien ist die Einladung zum Mittagessen Mittelpunkt der Gastfreundschaft, nehmen Sie sich dafür unbedingt zwei bis drei Stunden Zeit. Geschenke unter Geschäftsfreunden sind gern gesehen, als Dank für eine Einladung empfehlen sich etwa Blumen, die am besten schon am Vormittag des Termins beim Empfänger eintreffen.

Familie wichtiges Thema


Kleiden sollten Sie sich korrekt und sehr elegant, auf modisch-stilvolle Garderobe legt man besonders im Norden Italiens und in den italienischen Großstädten Wert. Nicht nur wirtschaftlich, auch im Umgang mit Frauen gibt es ein Nord-Südgefälle: Im eher konservativen Süden sollten Sie daran denken, dass die Erziehung dort stärker von der katholischen Kirche geprägt ist. Die Familie spielt grundsätzlich eine große Rolle, deshalb ist es bei Geschäftsessen üblich, von der Familie zu erzählen. Es kommt gut an, wenn Sie nach der Familie der Geschäftspartners fragen oder von Ihrer eigenen berichten. Titel sind sehr beliebt und so werden Akademiker mit »dottore« bzw. »dottoressa« angesprochen. Tabus sind die Themen Innenpolitik, Südtirol-Problematik, Mafia und Korruption. Bei Blumengeschenken in Italien wie in Spanien unbedingt auf Chrysanthemen verzichten.

Arbeiten bis 22 Uhr


Im spanischen Geschäftsleben gehen die Uhren anders als in Deutschland: Man beginnt um 9.30 Uhr, hält Mittagspause von 13.30 und 15.30 Uhr und arbeitet dann bis 22 Uhr. Seien Sie zu Terminen pünktlich, auch wenn Sie wissen, dass spanische Pünktlichkeit bedeutet, eine halbe bis eine Stunde später als verabredet zu erscheinen. Im Geschäftsleben kann es sein, dass die Partner aus Höflichkeit pünktlich erscheinen. Die geschäftliche Garderobe ist konservativ und in jedem Fall dunkel.

Wie in Italien ist die Familie von großer Bedeutung und es gilt auch unter Geschäftspartnern als höfliche Geste, sich nach ihr zu erkundigen. Kritik an Stierkämpfen sollten Sie vermeiden, ebenso Äußerungen über den Terrorismus. Denken Sie daran, dass der spanische Nationalstolz sehr ausgeprägt ist und die unterschiedlichen Bevölkerungsschichten sich in Tradition und Sprache unterscheiden. Wenn möglich, erfolgt der erste geschäftliche Kontakt auf Spanisch, als Ansprechpartner empfehlen sich Personen aus der oberen Führungsebene.

Zu Verhandlungen Anwalt mitnehmen


In Portugal verhalten sich Männer Frauen gegenüber sehr respektvoll und höflich. Gerade Frauen werden sehr konservativ erzogen, deshalb achten Sie die Tradition und bringen Sie niemanden durch freizügige Kleidung oder Ansprache in Verlegenheit. Bei Geschäftsterminen trägt man korrekte und dunkle Kleidung, bei Frauen sollten die Knie bedeckt sein. Besonders bei offiziellen Anlässen und im Süden werden abends lange Kleider und bei den Herren Dinner Jacket erwartet. Termine pünktlich einzuhalten, ist selbstverständlich. Geschäftsverhandlungen können sehr langwierig sein, nehmen Sie sich dafür Zeit. Es kann auch ratsam, dafür einen Anwalt hinzuzuziehen. Tabu sollten Vergleiche zwischen Portugiesen und Spaniern sein. Akademiker redet man mit einem Doktortitel an.

USA und Kanada


Pünktlichkeit, diszipliniertes, sehr freundliches Verhalten und Höflichkeit sind im amerikanischen Geschäftsleben wichtige Tugenden. Besonders gegenüber Frauen erwartet man, dass bestimmte Höflichkeitsformen eingehalten werden. Vermeiden sollten Männer intensiven Blickkontakt, Blicke auf den Körper und selbst Komplimente gegenüber Geschäftspartnerinnen: In den USA kann das schon als sexuelle Belästigung gelten. Geschlechtsspezifische Diskriminierungen und Bemerkungen über Rassen, Alter oder Herkunft sind absolute Dont?s. Männer und Frauen erwarten absolute Gleichbehandlung. Themen wie Innenpolitik, Religion oder Patriotismus sollten Sie nicht ansprechen.

Rock statt Hose


Amerikaner kommen stets schnell aufs Geschäftliche zu sprechen und führen zügige und ergebnisorientierte Diskussionen. Ziehen Sie bei Verhandlungen immer einen erfahrenen Anwalt hinzu. Die Geschäftsgarderobe ist für Männer unbedingt ein dunkelgrauer oder blauer Anzug, immer mit Krawatte. Frauen sollten Business-Kostüme tragen, lange, enge Hosen sind im Geschäftsleben unüblich und nackte Beine verpönt.

Auch wenn es nach außen oft anders aussieht, Rangfolgen nicht immer klar erkennbar sind und die Umgangsformen eher leger wirken, herrscht in den USA strenges Hierarchiedenken. Titel in der Anrede sind hingegen nicht so wichtig, Begrüßung mit Handschlag eher unüblich.

Anzug und Krawatte Pflicht


Ähnlich wie in den USA herrscht auch im kanadischen Geschäftsleben eine strenge Kleiderordnung: Männer tragen immer dunkle Anzüge mit Krawatte und nie Kombinationen, für Frauen sind Hosen tabu. Unterlassen Sie Gleichsetzungen mit den USA und Diskussionen über die Sprach- und innenpolitischen Probleme mit dem französisch sprechenden Quebec. Sind Sie eingeladen, bedanken Sie sich mit Blumen beim Gastgeber, allerdings nie mit weißen Lilien. Als unhöflich gilt es, sich bei Tisch die Nase zu putzen. Bei Festen hält üblicherweise der älteste Gast zwischen Hauptgang und Dessert eine Dankesrede.

Asien (China, Japan)
»Sein Gesicht nicht zu verlieren« gilt in asiatischen Ländern als wichtige Regel. Man gibt nicht zu, etwas nicht zu wissen oder nicht zu wollen. Offene Konfrontationen werden vermieden. Ein »Nein« ist in Asien unbekannt – und auch wenn Sie sich auf Englisch verständigen, muss »Ja« keine verbindliche Zusage sein. Es gehört also ein bisschen Kunst dazu, herauszufinden, was das Gegenüber wirklich meint. Im Geschäftsleben sind Visitenkarten sehr wichtig, sie sollten zweisprachig sein und mit beiden Händen entgegengenommen werden. Gastgeschenke erleichtern geschäftliche Verbindungen. Zum angemessen Verhalten gehört es, höflich, pünktlich und geduldig zu sein. Die Geschäftsgarderobe ist konservativ: dunkler Anzug für Herren, keine tiefen Ausschnitte bei Frauen. Man begrüßt sich nicht per Handschlag, sondern mit Verbeugungen.

Freundschaft als Basis für Geschäfte


In China gehören Schwarz und Weiß zu den Trauerfarben und sind deshalb auf Geschäftsverhandlungen unpassend. Finden Geschäftsessen abends statt, dauern diese selten länger als 21 Uhr - und nach dem Essen verabschiedet man sich sofort. Vergessen Sie nicht, eine Gegeneinladung auszusprechen. Hierarchien sind sehr wichtig, so dass nur gleichrangige Personen miteinander verhandeln dürfen. Große Bedeutung haben Vertrauen und freundschaftlicher Kontakt zu Geschäftspartnern. Deshalb unterhält man sich bei Geschäftsessen vor dem Geschäftlichen über Persönliches. Tabu sind kritische, laute Äußerungen und das Stören der Privatsphäre. Statt »Nein« zu sagen und damit das Gegenüber in Verlegenheit zu bringen, sind ausweichende Floskeln angebracht.

Körpersprache von Bedeutung


Japanische Frauen spielen im Geschäftsleben keine große Rolle, in der Gesellschaft hingegen schon. Echte Gleichberechtigung werden Sie nicht finden, und als Frau kann es Ihnen passieren, von Männern ignoriert zu werden. Stark verankert ist Gemeinschaftsdenken, das sich besonders in der Firmenkultur widerspiegelt. Geschäftlichen Verabredungen sollten immer auch private Einladungen folgen. Pünktliches Erscheinen zu verabredeten Terminen muss sein, sie kurzfristig abzusagen gilt als unhöflich - und einen Anwalt zu Verhandlungen mitzubringen, als misstrauische Geste. Als Beleidigung fassen Japaner es auf, wenn Sie Ihnen den Rücken zudrehen oder die Fußsohlen entgegenstrecken. Älteren Menschen zollt man in Japan grundsätzlich Respekt.

Buchtipp: Harald Schäfer, Burkhard Schäfer: Job-Knigge, FALKEN Verlag.

Mareike Müller

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