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"Ich muss mit jeder Regierung reden können"

Wirtschaftskrise, Insolvenzen, Kurzarbeit - harte Zeiten für die Gewerkschaften. Im stern-Interview erklärt der Chef der IG Metall Berthold Huber, warum er keine Wahlkampfempfehlung abgibt und wieso Arbeiter Aktionäre werden sollen.

Der Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, hat die Entscheidung der Gewerkschaften verteidigt, vor der Bundestagswahl keine Wahlempfehlung für die SPD abzugeben. "Wir haben uns mit Wahlempfehlungen immer zurückgehalten", sagte Huber in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern. Die traditionellen politischen Milieus existierten nur noch zum Teil. "Da, wo ich herkomme, in Baden-Württemberg, entscheiden sich viele für die CDU, ob mir das gefällt oder nicht. Einige Kollegen wählen auch die Linke. Manche sogar die FDP." Das sei für einen Gewerkschaftsvorsitzenden "kein Grund, beleidigt zu sein". Wie stark die SPD bei der Bundestagswahl werde, hänge im übrigen nicht von einer Wahlempfehlung der Gewerkschaften ab.

"Einen schweren Knacks hinterlassen"

Zum Verhältnis zwischen Gewerkschaften und SPD sagte Huber: "Das gemeinsam erlebte Unrecht wie Ausbeutung, Ausgrenzung und Unterdrückung ist nicht mehr so prägend wie früher. Dann hilft es nichts, die Tradition zu beschwören. Ich muss nach der Wahl mit jeder Regierung reden können." Entscheidungen wie die Rente mit 67 oder die Agenda 2010 hätten bei den Gewerkschaften "einen schweren Knacks hinterlassen". Der IG-Metall-Chef betonte jedoch mit Blick auf die Bundestagswahl: "Schwarz-Gelb wäre die schlechteste aller Lösungen. Wir tun alles, um das zu verhindern."

Reparaturbetrieb des Kapitalismus?

Huber möchte erreichen, dass Mitarbeiter künftig verstärkt Anteile an ihren Unternehmen erwerben können: "Arbeitnehmerbeteiligung ist das große Thema geworden." Er nannte in diesem Zusammenhang die Firmen Schaeffler, Opel, VW und Daimler. Mit den Mitarbeiterbeteiligungen mache sich die IG Metall jedoch nicht zum Reparaturbetrieb des Kapitalismus. Huber: "Wir waren immer Reformkraft. Aber wer Anteile hat, kann in einem Unternehmen mehr beeinflussen. Keine Sorge: Damit verlieren wir nicht unsere Unschuld." Der Gewerkschaftsfunktionär, der für den kommenden Samstag in einem Frankfurter Stadion eine Großveranstaltung vor 50.000 Menschen mit Popstars wie Bob Geldof und Samy Deluxe plant, plädiert für neue Aktionsformen. "In den USA dauert eine Obama-Rede 20 Minuten, davor und -danach wird gefeiert. Das ist nicht unpolitisch. Warum identifizieren Sie Gewerkschaften immer nur mit der roten Fahne und der Trillerpfeife?"

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