Fünf Prozent mehr Lohn gefordert

8. Februar 2006, 09:14 Uhr

Für die Beschäftigten in der Metallbranche beginnt der Poker um ihre Gehälter. Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr, die Arbeitgeber wollen einen "kostenneutralen" Abschluss - ein Streik ist nicht unwahrscheinlich.

Fünf Prozent mehr Lohn? Ein Mitarbeiter der Salzgitter-AG radelt auf seinem Dienstfahrrad über das Werksgelände.©

Für die 3,4 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie beginnen am Mittwoch die Tarifverhandlungen - die ersten Gespräche werden auf regionaler Ebene in Hessen, Rheinland- Pfalz und dem Saarland geführt. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn für zwölf Monate, die Arbeitgeber verlangen einen "kostenneutralen" Abschluss. Weil die Positionen so weit auseinander liegen, wird mit einem langen und harten Tarifkonflikt gerechnet. "Wir wollen am Verhandlungstisch einen fairen Kompromiss finden", sagte der stellvertretende Vorsitzende Berthold Huber der Gewerkschaft in der ARD, "aber wenn es nicht anders geht, dann werden wir uns zu wehren wissen."

Gegenseitige Appelle an die Vernunft

Unmittelbar vor dem Auftakt der Gespräche für die Metall- und Elektroindustrie haben beide Seiten nochmals ihre Positionen bekräftigt. Huber appellierte am Mittwoch an die Vernunft der Arbeitgeber, die in den vergangenen Jahren gut verdient hätten. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser mahnte die Gewerkschaft zu Mäßigung.

Neben einer spürbaren Einkommenserhöhung will die IG Metall bessere Qualifizierungsmöglichkeiten sowie eine Verlängerung des Tarifvertrages über vermögenswirksame Leistungen durchsetzen. Die Arbeitgeber wiesen die Forderungen als überhöht zurück. Huber sagte im "Morgenmagazin" der ARD an die Adresse der Arbeitgeber: "Zu sagen 'Uns geht es schlecht' ist einfach falsch." Auch in der mittelständischen Wirtschaft sei in den vergangenen Jahren kräftig verdient worden. Das zurückliegende Jahr und die Aussichten für 2006 seien ebenfalls gut.

Fronten verhärten sich

Die IG Metall wolle es nicht auf massive Auseinandersetzungen anlegen. Sollte es allerdings am Verhandlungstisch keinen fairen Kompromiss geben, werde sich die Gewerkschaft "schon zu wehren wissen". Die aktuellen Tarifverträge laufen am 28. Februar aus, die Friedenspflicht am 28. März. Danach könnte die IG Metall zu Warnstreiks aufrufen.

"Eine Lohnerhöhung von fünf Prozent würde die durchschnittlichen Arbeitskosten von 27,60 auf 29 Euro pro Stunde ansteigen lassen", sagte Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser der "Rheinischen Post". Noch sei die Branche dank ihrer Einbindung in die weltweiten Märkte "eine kräftige Wachstumslokomotive", sagte Kannegiesser weiter. "Aber die Preise unserer Produkte stagnieren seit Jahren, und Betriebe in immer mehr Ländern leisten Vergleichbares. Daher müssen wir in den Tarifverhandlungen die Kirche im Dorf lassen, wenn die Masse unserer Betriebe ihren Beschäftigungs-Standard halten oder sogar ausbauen soll."

Ausnahmen zugelassen

Huber wies in der ARD den Vorwurf der Unternehmer zurück, fünf Prozent Lohnzuwachs führe 40 Prozent aller Firmen in Nordrhein-Westfalen in die Verlustzone. "Das ist ja einfach nicht korrekt", sagte er. Die IG Metall habe in jüngerer Vergangenheit in mehr als 600 Fällen Ausnahmen vom Tarifvertrag zugelassen, um Arbeitsplätze in weniger ertragsstarken Betrieben zu sichern.

In der Tarifrunde 2004 für die Metall- und Elektroindustrie hatten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber auf stufenweise Entgelterhöhungen im Volumen von 2,2 und 2,7 Prozent für 26 Monate geeinigt. Die IG Metall war mit einer Forderung von 4,0 Prozent in die Verhandlungen gegangen. Zudem vereinbarten Gewerkschaft und Arbeitgeber erstmals eine Öffnung des Flächentarifs. Das Pforzheimer Abkommen sieht vor, dass Betriebe zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen die Arbeitszeit auch ohne Bezahlung erhöhen oder Sonderzahlungen kürzen können.

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