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Arm trotz Arbeit

Immer mehr Arbeitnehmer sind hilfsbedürftig: In Deutschland sind schon 1,3 Millionen Beschäftigte auf Hartz IV angewiesen - obwohl sie einen Job haben. Rentenexperte Bernd Rürup erwartet deshalb auch eine zunehmende Altersarmut.

Die Zahl hilfsbedürftiger Arbeitnehmer in Deutschland ist nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" um mehr als ein Drittel auf 1,3 Millionen gestiegen. Wie die Zeitung unter Berufung auf aktuelle Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes berichtete, waren im September 2005, also vor Beginn der konjunkturellen Erholung am Arbeitsmarkt, 949.000 Berufstätige auf Hartz IV angewiesen. Bis Mai 2007 sei ihre Zahl um 27 Prozent gestiegen, bis August um gut 33 Prozent. Der Rentenexperte Bert Rürup rechnet angesichts der großen Zahl von Geringverdienern mit mehr Altersarmut.

Großes Armutsrisiko im Alter

Laut DGB gehen immer mehr Menschen "einer sozialversicherten oftmals vollzeitnahen Beschäftigung nach, und trotzdem reicht ihr Lohn nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten". Die Untersuchung widerlegt der "Frankfurter Rundschau" zufolge auch die Vermutung, dass Mini-Jobber die ganz große Mehrheit unter den Aufstockern stellten. Tatsächlich sei ihr Anteil auf rund die Hälfte gefallen. Deutlich stärker geweitet habe sich der Kreis der Hartz-IV-Bezieher, die mehr als 400 Euro im Monat verdienten und damit Sozialabgaben zahlten.

Diese Fakten belegen aus Sicht des Gewerkschaftsbundes, "dass sich Menschen mit einer Kombination von Hartz IV und Mini-Job keinesfalls einrichten und zufrieden geben". Vielmehr bemühten sie sich um einen vollen Arbeitsplatz. Rürup sagte dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" zufolge: "Unter den gegenwärtigen Bedingungen werden die Armutsrisiken im Alter zunehmen." Altersarmut werde in spätestens 15 Jahren relevant werden.

Mehr Bürger bewerten eigene wirtschaftliche Lage schlecht

Der Bundesregierung warf der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vor, dass die staatlich subventionierte Riester-Rente ausgerechnet an den Geringverdienern vorbeiziele. "Für viele Bezieher niedrigerer Arbeitseinkommen oder Personen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien lohnt sich der Abschluss eines Riester-Vertrages nicht", erklärte er.

Immer mehr Menschen schätzen ihre eigene wirtschaftliche Lage als schlecht ein. Wie die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, der "Wirtschaftswoche" sagte, stieg der Anteil in den vergangenen fünf Jahren von 21 auf 32 Prozent. Rund 70 Prozent der höheren Sozialschichten seien mit ihren wirtschaftlichen Verhältnissen zufrieden, aber nur etwa 40 Prozent der Mittelschicht und 20 Prozent der unteren Sozialschichten.

DPA/AP/AP/DPA
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