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24. Mai 2008, 11:16 Uhr
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Einstieg mit besten Aussichten

Die richtige Berufswahl stellt Weichen für das ganze Leben. Der stern hat die beliebtesten Studienfächer und Ausbildungsberufe auf ihre Karrierechancen überprüft. Die gute Nachricht: In den meisten Jobs sind junge Leute gefragt wie lange nicht mehr. Von Silke Gronwald

Christian Meurer, Sport- und Fitnesskaufmann beim Kletterwandhersteller "On Top Kletter" in Wesseling© Bärbel Schmidt

Manchmal, wenn abends im Fernsehen Fußball läuft, schießt es Christian durch den Kopf: "Mensch, das hättest du auch gekonnt." Und dann erinnert sich der 23-Jährige an seine Zeit in der Schülermannschaft des 1. FC Köln. Wie er mit seinem damals noch völlig unbekannten Teamkollegen Lukas Podolski über den Rasen geflitzt ist. Wie sie im Schlamm über das Spielfeld geschliddert sind und wie sie gemeinsam ihre ersten Turniere gewonnen haben. Aber Profifußballer werden, nein, daran hatte Christian nie gedacht. Bei aller Leidenschaft für den Sport - er wollte einen "ordentlichen" Beruf. Aber was für einen?

Es ist die wahrscheinlich schwerste Frage im Leben junger Menschen: Was soll einmal aus mir werden? Was kann ich, und was will ich überhaupt? Hocke ich lieber im Hörsaal oder im Büro?

"Nach dem Abi war ich völlig ratlos", erzählt Christian Meurer: "Es gab so viele Möglichkeiten. Aber nichts war dabei, wo ich gesagt hätte, das ist mein Ding." Also machte er, was viele andere auch tun. Er leistete erst mal seinen Wehrdienst. Doch eine Offizierskarriere schied für ihn bereits nach zwei Tagen Kasernenalltag aus. Auch der Plan zu studieren war schnell abgehakt. Schon beim Ausfüllen der Anmeldebögen für Pädagogik und BWL wusste er, "das ist mir alles viel zu theoretisch".

Am Ende entschied der Zufall. Christian stieß im Internet auf eine Seite, die den neuen Ausbildungsberuf zum Sport- und Fitnesskaufmann anpries, und er hatte endlich sein "Ding" gefunden.

Knapp eine Million Schulabgänger bekommen in den nächsten Monaten ihr Abschlusszeugnis in die Hand gedrückt. Sie müssen eine Entscheidung treffen, die den Verlauf der kommenden Jahre bestimmt und die Folgen für den Rest ihres Lebens haben wird.

Es ist die Zeit, in der sich Eltern und Verwandte in semi-professionelle Berufsberater verwandeln. Eine Zeit, in der die Teenager keine Familienfeier ohne die Frage überstehen: "Und, was willst du mal machen?" In der Sätze wie "Mensch, Kind, du kannst doch so gut erklären. Willst du nicht Lehrerin werden?" plötzlich zum Familienalltag gehören. Und mit dem Marmeladenbrot gibt's zum Frühstück Zeitungsausschnitte mit Überschriften wie "Industrie warnt: Wirtschaft fehlen 100.000 Ingenieure" oder "Alarmierender Ärztemangel".

Entscheidung mit Unsicherheit

Doch einen wirklichen Überblick haben die Schulabgänger in der Regel nicht. Ganz gleich, ob die Wahl nun auf Arzt oder Architekt, auf Haarstylist oder Heilpraktiker fällt, für die meisten ist es eine Entscheidung mit Unsicherheit. Jugendliche Berufseinsteiger plagen Ängste, Sorgen und Zweifel: Wie sieht die Zukunft meiner Traumbranche aus? Wird es den Job, den ich mir ausgesucht habe, in zehn Jahren noch geben? Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt? Geht es meiner Branche weiterhin gut? Welche Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten habe ich?

Der stern hat in Zusammenarbeit mit dem Berufsforscher Michael Weegen von der Universität Duisburg-Essen und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Situation für Jobeinsteiger analysiert. Für die wichtigsten Studiengänge und die beliebtesten Ausbildungsberufe zeigt eine Farbskala von Grün bis Rot, welche Jobs Zukunft haben und welche eher nicht - eine wichtige Orientierungshilfe für den Karrierestart.

Die gute Nachricht vorweg: "Noch nie stand die ‚Job-Ampel‘ des stern bei so vielen Studiengängen auf Grün", sagt Weegen, der seit acht Jahren den Arbeitsmarkt für Akademiker untersucht und exklusiv für den stern die Job-Ampel aufstellt. Akademiker studieren derzeit quasi mit Jobgarantie. Ihre Arbeitslosenquote sank im vergangenen Jahr auf 3,5 Prozent in Westdeutschland - was die Statistiker nahezu mit Vollbeschäftigung gleichsetzen.

Der Nachwuchs profitiert von der Trendwende auf dem Arbeitsmarkt

Ähnlich positiv ist die Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt. Der langjährige Abwärtstrend ist gebrochen. Die Lücke zwischen offenen Lehrstellen und suchenden Jugendlichen schrumpfte innerhalb eines Jahres von 34.100 auf 10.700. Die Zahl der Ausbildungsverträge lag mit 625.900 im vergangenen Jahr um knapp 50.000 höher als 2006 und erreichte damit das zweithöchste Niveau seit der Wiedervereinigung.

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Ausgabe 20/2008

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KOMMENTARE (4 von 4)
 
malibuli (27.05.2008, 10:11 Uhr)
@joern1974
Wo suchst du denn? Mal im Ernst, jeder Ingenieur unter 60 Jahren sollte in Deutschland eine Anstellung finden. Normalerweise kenn ich Geschichten: 5 Bewerbungen, 5 Einladungen, 2. Angebot angenommen und zu den anderen nicht mehr hingegangen. Vielleicht extrem schlechte Selbstdarstellung oder kommst du nicht mal in Bewerbungsgespräche rein?
joern1974 (26.05.2008, 10:44 Uhr)
Warum merke ich dann nichts davon...
100.000 Ingenieure sollen fehlen? Ich bin seit einem Jahr fertig mit meinem Studium der elektronischen Energie und Umwelttechnik , habe meine Diplomarbeit im Bereich Photovotaik-Engineering geschrieben und muss mich mit Absagen die da lauten: " Leider haben wir keine Stelle für ihre hohe Qualifikation zu besetzten" rumschlagen. Ich werde noch nicht mal zu Vorstellungsgesprächen eingeladen!!! Also für mich waren die 30.000 Euro, welche ich in mein Studium selbst investiert habe für die Katz! Zumal ich auch noch irgendwie mein Bafög zurück zahlen muss. Ich fühle mich betrogen!!!
susiwolf (25.05.2008, 05:22 Uhr)
ein IGLU als Bonbon...
....die Wunschkinder der Wirtschaft werden zum Iglubauen nach NordFinnland gelockt. Das ist also 'modernes Personalmarketing'... ...sozusagen das Bonbon?
Mögen sich alle Aspiranten auf den nordfinnischen Winter bei bis zu 40 kältestarrenden Minusgraden, einer wunderschönen Schneelandschaft und auf Menschen einstellen, die sicherlich mehr zu bieten haben, als 'Iglus' zu bauen.
Das moderne Leben dort hält dennoch an den Traditionen der Samen fest.
(Übrigens man spricht von Samen...nicht Lappen, denn der "Lappe" in deren Sprache ist der "Ausgestossene")
Die Fahndungerfolg nach
Nachwuchskräften möge als -was das Bonbon betrifft- eine wunderschöne Vielseitigkeit und eine Welt der Gegensätzlichkeiten werden.
...und sonnige Grüße aus Helsinki...
malibuli (24.05.2008, 13:04 Uhr)
Liebe Catrin Boldebuck, lieber David Klaubert
"Janina zahlt keine Studiengebühren - im Gegenteil, sie bekommt als Auszubildende monatlich eine Vergütung von rund 550 Euro. Sie muss sich nicht in überfüllte Hörsäle quetschen - Geld für Räume und Lehrkräfte gibt es genug. Dafür erwartet ihr Arbeitgeber aber auch, dass Janina in den Semesterferien in der Werkshalle steht"
Das duale Studium ist eben eher praxisorientiert. Die Unternehmen bezahlen dafür, deshalb gibt es auch Platz und Lehrkräfte, wobei letztere wieder meist von den auszubildenen Unternehmen stammen. Da gibt es dann beispielsweise Vorlesungen, die Würth-Marketing heissen. Selbstverständlich bietet das eine staatliche Hochschule nicht, dafür ist die Lehre wissenschaftlicher ausgerichtet. Es braucht ja auch nebem dem Ingenieur, der mit CAD- oder FEM-Programmen umgehen kann, auch die, die es programmieren.
"Wunschkind der Wirtschaft: sehr jung, aber berufserfahren und mit einem abgeschlossenen Maschinenbaustudium. Nach solchen Kandidaten fahnden Unternehmen, die nicht selbst ausbilden wie Continental, an den Hochschulen. Sie loben Prämien in Höhe von mehreren Tausend Euro aus und locken mit allen Finessen, die das moderne Personalmarketing zu bieten hat: Da werden potenzielle Kandidaten schon mal zu Kennenlerntrips auf dem Segelboot in die Ägäis geflogen und im Winter zum Iglubauen nach Finnland gekarrt."
Wäre mir neu, dass Unternehmensberatungen, die quasi die einzigen Anbieter solcher Trips sind, nach Leuten fahnden. Die machen Werbung, schreiben einen vielleicht an, mehr aber auch nicht. Dass Industrieunternehmen Workshops auf Sardinien anbieten, habe ich auch noch nicht gehört. Zudem sind die meisten Ingenieure bei Conti sicher normale Uni oder FH Absolventen.
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