Die richtige Berufswahl stellt Weichen für das ganze Leben. Der stern hat die beliebtesten Studienfächer und Ausbildungsberufe auf ihre Karrierechancen überprüft. Die gute Nachricht: In den meisten Jobs sind junge Leute gefragt wie lange nicht mehr. Von Silke Gronwald

Christian Meurer, Sport- und Fitnesskaufmann beim Kletterwandhersteller "On Top Kletter" in Wesseling© Bärbel Schmidt
Manchmal, wenn abends im Fernsehen Fußball läuft, schießt es Christian durch den Kopf: "Mensch, das hättest du auch gekonnt." Und dann erinnert sich der 23-Jährige an seine Zeit in der Schülermannschaft des 1. FC Köln. Wie er mit seinem damals noch völlig unbekannten Teamkollegen Lukas Podolski über den Rasen geflitzt ist. Wie sie im Schlamm über das Spielfeld geschliddert sind und wie sie gemeinsam ihre ersten Turniere gewonnen haben. Aber Profifußballer werden, nein, daran hatte Christian nie gedacht. Bei aller Leidenschaft für den Sport - er wollte einen "ordentlichen" Beruf. Aber was für einen?
Es ist die wahrscheinlich schwerste Frage im Leben junger Menschen: Was soll einmal aus mir werden? Was kann ich, und was will ich überhaupt? Hocke ich lieber im Hörsaal oder im Büro?
"Nach dem Abi war ich völlig ratlos", erzählt Christian Meurer: "Es gab so viele Möglichkeiten. Aber nichts war dabei, wo ich gesagt hätte, das ist mein Ding." Also machte er, was viele andere auch tun. Er leistete erst mal seinen Wehrdienst. Doch eine Offizierskarriere schied für ihn bereits nach zwei Tagen Kasernenalltag aus. Auch der Plan zu studieren war schnell abgehakt. Schon beim Ausfüllen der Anmeldebögen für Pädagogik und BWL wusste er, "das ist mir alles viel zu theoretisch".
Am Ende entschied der Zufall. Christian stieß im Internet auf eine Seite, die den neuen Ausbildungsberuf zum Sport- und Fitnesskaufmann anpries, und er hatte endlich sein "Ding" gefunden.
Knapp eine Million Schulabgänger bekommen in den nächsten Monaten ihr Abschlusszeugnis in die Hand gedrückt. Sie müssen eine Entscheidung treffen, die den Verlauf der kommenden Jahre bestimmt und die Folgen für den Rest ihres Lebens haben wird.
Es ist die Zeit, in der sich Eltern und Verwandte in semi-professionelle Berufsberater verwandeln. Eine Zeit, in der die Teenager keine Familienfeier ohne die Frage überstehen: "Und, was willst du mal machen?" In der Sätze wie "Mensch, Kind, du kannst doch so gut erklären. Willst du nicht Lehrerin werden?" plötzlich zum Familienalltag gehören. Und mit dem Marmeladenbrot gibt's zum Frühstück Zeitungsausschnitte mit Überschriften wie "Industrie warnt: Wirtschaft fehlen 100.000 Ingenieure" oder "Alarmierender Ärztemangel".
Doch einen wirklichen Überblick haben die Schulabgänger in der Regel nicht. Ganz gleich, ob die Wahl nun auf Arzt oder Architekt, auf Haarstylist oder Heilpraktiker fällt, für die meisten ist es eine Entscheidung mit Unsicherheit. Jugendliche Berufseinsteiger plagen Ängste, Sorgen und Zweifel: Wie sieht die Zukunft meiner Traumbranche aus? Wird es den Job, den ich mir ausgesucht habe, in zehn Jahren noch geben? Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt? Geht es meiner Branche weiterhin gut? Welche Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten habe ich?
Der stern hat in Zusammenarbeit mit dem Berufsforscher Michael Weegen von der Universität Duisburg-Essen und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Situation für Jobeinsteiger analysiert. Für die wichtigsten Studiengänge und die beliebtesten Ausbildungsberufe zeigt eine Farbskala von Grün bis Rot, welche Jobs Zukunft haben und welche eher nicht - eine wichtige Orientierungshilfe für den Karrierestart.
Die gute Nachricht vorweg: "Noch nie stand die ‚Job-Ampel‘ des stern bei so vielen Studiengängen auf Grün", sagt Weegen, der seit acht Jahren den Arbeitsmarkt für Akademiker untersucht und exklusiv für den stern die Job-Ampel aufstellt. Akademiker studieren derzeit quasi mit Jobgarantie. Ihre Arbeitslosenquote sank im vergangenen Jahr auf 3,5 Prozent in Westdeutschland - was die Statistiker nahezu mit Vollbeschäftigung gleichsetzen.
Ähnlich positiv ist die Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt. Der langjährige Abwärtstrend ist gebrochen. Die Lücke zwischen offenen Lehrstellen und suchenden Jugendlichen schrumpfte innerhalb eines Jahres von 34.100 auf 10.700. Die Zahl der Ausbildungsverträge lag mit 625.900 im vergangenen Jahr um knapp 50.000 höher als 2006 und erreichte damit das zweithöchste Niveau seit der Wiedervereinigung.
Gefunden in...
Gefunden in ...
Stern
Ausgabe 20/2008