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Das "Bewährungs"-Gespräch

Wer von Haus aus kein Entertainer ist, sollte vor einem Bewerbungsgespräch üben: Sprache, Gestik, Blicke. Wie man lernt, sich ins rechte Licht zu rücken und Menschen für sich einzunehmen.

Von Thomas Krause

  Der Alptraum Bewerbungsgespräch: Verkrampft sitzen, kein Wort herausbekommen und wenig Durchblick haben

Der Alptraum Bewerbungsgespräch: Verkrampft sitzen, kein Wort herausbekommen und wenig Durchblick haben

  • Thomas Krause

Die Hände sind feucht, die Stimme zittert: Nervosität vor einem Bewerbungsgespräch kennt wohl jeder, der sich schon einmal um einen neuen Job bemüht hat. Doch mit ein paar Tricks und Kniffen lässt sich ein Bewerbungsgespräch trotzdem gut über die Bühne bringen. Das fängt mit der Auswahl der Kleidung an: Frauen rät Jobcoach Sandra Schumacher zum Hosenanzug. "Die Kleidung sollte nicht wie eine Verkleidung wirken", sagt Schumacher. "Es kann helfen, vor dem Bewerbungsgespräch zweimal mit einer Freundin essen zu gehen und dabei den Hosenanzug zu tragen."

Wer sich vorher den Ablauf des Gesprächs vor Augen führt, tritt in der konkreten Situation oft souveräner auf: Die Tür öffnet sich, der erste Ansprechpartner für das Bewerbungsgespräch tritt einem gegenüber, eine Vorstellung, ein Händeschütteln. Auf der anderen Seite des Tisches sitzen meist ein bis zwei weitere Personen. Da der Bewerber nicht weiß, wer welche Hierarchiestufe einnimmt, begrüßt er zuerst die Damen - die älteste zuerst - und erwidert dabei den Händedruck. "Eine schlaffe Hand hinzuhalten ist zwar weniger schlimm als ein kräftiges Klopfen auf den Tisch, aber immernoch unangenehm", sagt Schumacher. "Ich habe beides schon erlebt."

Blickkontakt halten

Nun beginnt meist eine Smalltalk-Phase: Wie war die Anreise? Haben Sie gut hergefunden? Vielleicht redet man auch über das Wetter. Auf jeden Fall geht es darum, dem Bewerber die Nervosität zu nehmen. "Wer etwas zu trinken angeboten bekommt, nimmt das auf jeden Fall an", sagt Schumacher. Ein Schluck Wasser hilft nicht nur gegen einen trockenen Mund, sondern mit seinem antialkoholischen Getränkewunsch hat der Bewerber auch schon ganz nebenbei den ersten Satz herausgebracht. Wer noch immer nervös ist, kann das auch einfach aussprechen. "Ein guter Chef wird dann versuchen, dem Bewerber die Nervosität weiter zu nehmen", sagt Schumacher.

Weder sollten Bewerber sich in den Stuhl fläzen, noch breitbeinig dasitzen. Im Gespräch gilt es dann, den Blickkontakt zu halten. "Man sollte nicht nur den anschauen, der die letzte Frage gestellt hat, sondern den Blick auch mal nach links und rechts wandern lassen", sagt Schumacher. Wer dabei feststellt, dass ein Gegenüber permanent auf seinem Smartphone rumtippt, sollte sich auf diejenigen konzentrieren, die im Gespräch sind. Findet das Bewerbungsgespräch eigentlich gar nicht statt, rät Schumacher zu einem mutigen Schritt: "Man kann auch soetwas sagen wie 'Wenn es Ihnen gerade nicht passt, können wir unser Gespräch auch vertagen!'" Schließlich ist ein Bewerbungsgespräch eine Chance, die es zu nutzen gilt.

Kleiner Fehler fallen nicht weiter auf

Solange der Bewerber nicht zu einem Kugelschreiber greift und permanent damit herumklickt, spielt die Körpersprache aber gar keine so große Rolle. "Vieles versendet sich", sagt Schumacher. Kleine Fehler in Sprache sowie Gestik und Mimik fallen gar nicht auf. Trotzdem sollte man gelegentlich durch Nicken oder Bestätigungslaute anzeigen, dass man seinem Gegenüber zuhört. Auch für einen Scherz ist Platz in einem Bewerbungsgespräch - solange es kein politischer oder religiöser Witz ist. "Gemeinsam lachen bringt Nähe", sagt Schumacher.

Wer gut über seine - hoffentlich - künftige Firma und die Stelle informiert ist, kann auch beim letzten Gesprächsteil glänzen. "Haben Sie noch Fragen?" lautet ein beinahe klassischer Satz, wenn sich das Bewerbungsgespräch dem Ende entgegen neigt. Wer sich nun mit seiner künftigen Firma oder Abteilung auseinandergesetzt hat, kann hier glänzen. Wer keine Fragen stellt, fällt hingegen negativ auf und ihm wird schnell mangelnde Gesprächsvorbereitung angekreidet.

So authentisch wie möglich sein

"Wenn das Gespräch nicht vorher schon auf das Thema kam, darf hier auch nach dem zu erwartenden Gehalt gefragt werden", sagt Schumacher. "Allerdings besser nicht als erste und einzige Frage." Denn wenn nicht über Geld gesprochen wird, kann das bedeuten, dass das Gespräch nicht gut gelaufen ist - muss es aber nicht. Einige Firmen klären die mögliche Gehaltsfrage erst in einer fortgeschrittenen Gesprächsrunde. Als Wunschgehalt nennt man aber immer das Brutto-Jahresgehalt. Sollte die Antwort lauten "Sie sprengen unser Gehaltsgefüge!", dann gilt es, nicht einzuknicken, sondern noch einmal kurz und knackig zusammenfassen, warum man sein Geld wert ist.

"Auf all diese Situationen kann man sich zuhause vorbereiten, indem man etwa mit Freunden das Bewerbungsgespräch simuliert", sagt Schumacher. Doch zu viel Training sollte es auch nicht sein. Schließlich will ein Arbeitgeber den Bewerber so authentisch wie möglich kennenlernen - feuchte Hände und zitternde Stimme inklusive.

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