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"Für kein Geld der Welt" - Nanny der Superreichen packt aus

Die Superreichen leisten sich gerne hochqualifizierte Kindermädchen mit außerordentlichem Stellenprofil. Eine solche Supernanny berichtet nun von den Schattenseiten des Jobs.

Der Schein trügt: Der Nannyjob im Reichenhaushalt ist oft alles andere als entspannt (Symbolbild)

Der Schein trügt: Der Nannyjob im Reichenhaushalt ist oft alles andere als entspannt (Symbolbild)

Eine Stellenanzeige sorgte in Großbritannien diese Woche für Aufsehen: Eine offensichtlich gut betuchte Londoner Familie suchte eine Nanny für ihre vier Kinder - und war bereit, 100.000 Pfund Jahresgehalt zu zahlen. Dafür wurde allerdings auch einiges verlangt - vom Abschluss in Kinderpsychologie bis zur Bereitschaft, sechs Tage die Woche von frühmorgens bis spätabends zu arbeiten. Einsatzort sollte nicht nur in London, sondern auch in den anderen Familiensitzen in Barbados, Kapstadt und Atlanta sein. Einkäufe sollten mit dem Fuhrpark der Familie - im Ferrari oder Maserati - erledigt werden. Traum- oder Knochenjob?, fragten sich viele, die die Anzeige lasen.

Im britischen Telegraph meldete sich nun eine Frau zu Wort, die weiß, wie es sich anfühlt, als Supernanny im Reichenhaushalt  zu arbeiten. "Die Superreichen wollen 'high-flying supernannies'", berichtet Nanny Rebecca Reid darin. Sie suchten Kandidaten mit Abschluss in Oxford oder Cambridge, der Fähigkeit Skizufahren, auf Pferden zu reiten und den Nachwuchs erfolgreich auf wichtige Schulaufnahmeprüfungen vorzubereiten.

Die Nanny als Statussymbol der Superreichen

Sicher, die vielen Reisen seien nett und die Bezahlung gut. "Aber für kein Geld der Welt würde ich wieder für die Superreichen arbeiten", sagt Reid. Sie berichtet von einer russisch-britischen Familie mit Chauffeur und Personal-Trainern. Im Vorstellungsgespräch sagte man ihr, zu den morgendlichen Pflichten der Nanny gehöre es, der sechsjährigen Tochter jeden Morgen die Haare zu richten, während die Eltern niemals vor zehn Uhr geweckt werden dürften. Das Zimmer der Nanny war dagegen wenig luxuriös - ein "bügelbrettähnliches Bett und Gitterstäbe am Fenster". Den Job bekam sie aber eh nicht, weil sich die Hausherrin für ein Mädchen entschied, dass gerade einen Abschluss in Oxford gemacht hatte.

Danach landete sie bei einer Familie im feinen Stadtteil Chelsea, wo Nannys für die Reichen Statussymbole seien, mit denen man vor anderen gut Betuchten prahlen konnte. Sie habe sich gefühlt, als sei sie ein Accessoires wie die Handtasche der Saison, schreibt Reid. Die Eltern hätten verzweifelt versucht, ihre Tochter in einer prestigeträchtigen Schule unterzubringen. Der Vater habe seine Tochter angeblafft, sich nicht mit Rihanna zu beschäftigen, sondern mit Peer Gynt (ein Gedicht des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen). Sie selbst habe mit den Kindern nicht über kulturelle und politische Dinge sprechen dürfen, um deren künftige akademische Karriere nicht mit ungenauen Informationen zu untergraben. Zudem seien die Eltern trotz ihres Reichtums im Alltag extrem geizig gewesen, was ihr im Haushalt zusätzliche Arbeit bereitet habe.

Auch anderen Supernannys sei es nicht gut ergangen, berichtet Reid. Eine ihrer Kolleginnen sei regelmäßig mit der Milliardärsfamilie geflogen - allerdings als einzige im Tross nicht erste Klasse, sondern Economy, weshalb sie ständig durchs ganze Flugzeug habe laufen müssen, um nach den Kindern zu sehen. Eine andere Leidensgenossin zitiert Reid: "Sie wollten, dass ich unsichtbar bin, wenn sie mit ihren Kindern zusammen waren - aber immer in Bereitschaft. Viele wollen, dass du ihnen versprichst, nicht dein eigenes Leben zu haben." 

bak
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