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Für eine Hand voll Euro

Polnische Fliesenleger, rumänische Schlachter oder tschechische Krankenschwestern: Die Invasion ausländischer Billig-Jobber setzte die Bundesregierung unter Zugzwang.

In Deutschland machten seit der EU-Erweiterung zunehmend billige ausländische Arbeitskräfte den Einheimischen Konkurrenz. Mittlerweile ersetzen Billiglöhner aus Osteuropa schon ganze Belegschaften in deutschen Betrieben. Besonders schlimm ist die Lage bei Großfleischereien: Dort schuften rumänische Arbeiter für einen Bettel bei unzumutbaren Konditionen. Arbeitszeiten von zwölf Stunden und mehr sind keine Seltenheit. Diese Invasion der Billiglöhner hat zur Folge, dass Zehntausende Deutsche ihren Job verlieren. Lohndumping, Scheinselbstständigkeit und illegale Beschäftigung nehmen zu.

So registrierten die Handwerkskammern einen Strom neuer Ein-Mann-Unternehmen aus Osteuropa. Besonders häufig kamen Fliesen- oder Parkettleger, die keinen Meisterbrief brauchten. In Nordrhein-Westfalen verzeichneten die Kammern einen Anstieg um fast 900 selbstständige Handwerker, 90 Prozent davon aus Polen.

Im Gartenbau, in der Metallverarbeitung, bei den Spediteuren - überall das gleiche Bild: Firmen aus den Beitrittsländern drangen nach Deutschland und bringen ihre Arbeitnehmer zu Billiglöhnen gleich mit. Die personalintensive Pflegebranche, heute noch über die Zulassungsbestimmungen bei den Krankenkassen weitgehend abgeschottet, könnte künftig nach ähnlichem Muster laufen. Gewerkschaften fürchten, dass auch Großkonzerne schon bald Teile ihrer Produktion auslagern und per Werkvertrag kostengünstig mit Kolonnen aus Litauen, Polen oder Ungarn bestücken könnten.

Deshalb hat die Bundesregierung auch Maßnahmen gegen das Lohn-Dumping beschlossen. Zunächst sollte eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden, die Briefkastenfirmen und Scheingeschäfte verhindern soll.

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