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Fesseln für Führungskräfte

In der öffentlichen Wahrnehmung kommen Manager so an: Sie verdienen unglaublich viel Geld, machen viele Fehler und müssen dafür noch nicht einmal haften. Die Realtiät sieht allerdings ganz anders aus.

Ein Manager ist eine "mit weitgehender Verfügungsgewalt und Entscheidungsbefugnis ausgestattete, leitende Persönlichkeit". So steht es im Duden. Von folgenschwerer Haftung und - im schlimmsten Fall privater Insolvenz - steht dort erst einmal nichts. Offiziell findet man auch keinen Hinweis auf das negative Image dieser "leitenden Persönlichkeiten". Dabei fällt das Urteil eindeutig aus: Manager verdienen unglaublich viel Geld, machen viele Fehler und müssen dafür noch nicht einmal haften. Soweit, so falsch.

In den USA längst Realität

Nie war die Gefahr für Vorstände, Geschäftsführer oder Führungskräfte größer, auf Schadensersatz verklagt oder sogar strafrechtlich belangt zu werden. Amerikanische Manager hingegen kennen längst das Gefühl, permanent mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Der spektakulärste Fall der letzten Jahre ist die Verurteilung des Ex-Enron Chef Skilling. Wegen Betrugs und Verschwörung muss er für 24 Jahre ins Gefängnis. Hinzu kommt eine Schadensersatzstrafe von 45 Millionen Dollar.

Auch bei uns kann es für Topmanager und Führungskräfte schnell um siebenstellige Haftungssummen und damit um die nackte Existenz gehen. Dazu hat unter anderem das "Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich", kurz KonTraG geführt. Dieses verpflichtet Geschäftsführer, Vorstände etc. neuerdings ausdrücklich, "geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden".

BenQ-Manager betroffen

Die Konsequenzen solcher Regelungen spürt seit einiger Zeit auch das BenQ-Management. Nach der Pleite des Handy-Herstellers ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf: Insolvenzverschleppung und diverse Bankrottdelikte. Das Management habe schon länger von der schlechten finanziellen Situation des Unternehmens gewusst und noch im Juni falsche Bilanzzahlen vorgelegt. Der BenQ Spitze droht nun eine Klagewelle, denn spätestens bei einer strafrechtlichen Verurteilung ist der Weg frei für eine persönliche Haftung der Führungskräfte. Vor allem ehemalige Mitarbeiter des Handy-Herstellers werden diesen Weg nutzen, um zu einem finanziellen Ausgleich zu kommen.

Aber es gibt auch viel alltäglichere Situationen, die für die Führungskräfte ein Stolperstein sein können. Beispielsweise Volker M., der als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens die Buchführung an einen Mitarbeiter delegiert hatte. Die Verantwortung bleibt laut Gesetz allerdings bei ihm. Weil Volker M. die Buchhaltung nicht detailliert überwachte und sich keinen ausreichenden Überblick über die Geschäftslage verschaffte, kam es zu einer falschen Gewinnermittlung. Sein Unternehmen zahlte eine zu hohe Gewinnausschüttung, die nicht rückgängig gemacht werden konnte. Volker M musste persönlich dafür haften.

Verantwortung ist nicht delegierbar

In einem weiteren Beispiel rückte ein ganzer Aufsichtrat in den Blickpunkt. Bei einer kleineren Baufirma wurde die Geschäftsleitung nicht ausreichend kontrolliert. So gab es bei Aufsichtsratssitzungen lediglich eine standardisierte Tagesordnung ohne genaue Geschäftsleitungsberichte. Das Kontrollgremium 'Aufsichtsrat' erkannte die drohende Misere nicht und konnte daher Managementfehler nicht korrigieren. Als das Unternehmen Konkurs anmeldete, wurde der Aufsichtsrat haftbar gemacht.

Fazit: Die Fallhöhe für Manager in Deutschland steigt rasant. Zunehmende Insolvenzzahlen bringen immer mehr Führungskräfte in unübersichtliche, Existenz gefährdende Situationen. Fehler in den Führungsetagen sind längst kein Kavaliersdelikt mehr. Nur wer sich die Tragweite seiner Entscheidungen täglich bewusst macht und sich rechtlich bestmöglich absichert, kann bestehen.

Was also können Manager und Führungskräfte tun, um nicht vom erfolgreichen Topverdiener zur bedrohten Existenz zu werden? Für stern.de hat Dr. Danko die wichtigsten Punkte formuliert, die sich für Entscheidungsträger - auch und gerade bei kleinen und mittleren Betrieben - stellen.

Von Dr. Franz-Ludwig Danko

Risiko kalkulieren

Als Manager sollten Sie jederzeit wissen, welche prekären Situationen entstehen können und vor einer Entscheidung das Risiko genau kalkulieren. Dies gilt vor allem für Entscheidungen von größerer finanzieller Tragweite, die rasch zu einer Unternehmenskrise führen können. Verlassen Sie sich dabei nicht auf eine Aufgabenverteilung innerhalb der Geschäftsleitung - letztendlich ist jeder Geschäftsführer bzw. Vorstand persönlich für Wohl des Unternehmens verantwortlich. Handeln Sie deshalb nach dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser".

Entscheidungsprozesse dokumentieren

Auf jeden Fall gilt es, vorbereitet zu sein. Denn Entscheidungen müssen gegebenenfalls bis ins Detail gerechtfertigt werden. Besonders brisant sind Firmenpleiten. Denn der Insolvenzverwalter macht sich sofort auf die Suche nach Verantwortlichen, die zur Pleite des Unternehmens beigetragen haben. Besteht der Verdacht, man habe nicht im Sinne des Unternehmens gehandelt, schlägt die Managerhaftung zu und Sie sind in der Beweispflicht, das Richtige getan zu haben.

Rechtliche Hilfen sichern

Die rechtlichen Risken für Führungskräfte gleichen immer mehr einem dichten Dschungel. Oft lauert der Fehler im Detail und wenn Sie den Posten als Geschäftsführer, Vorstand oder Aufsichtsratmitglied angenommen haben kann es vielleicht schon zu spät sein. Sie sollten deshalb auf jeden Fall schon vor Übernahme eines solchen Amtes auf die Hilfe eines in diesen Dingen erfahrenen Anwalts zurückgreifen.

Versicherungen prüfen

Wie ein Retter in der Not treten zur Absicherungen so genannte Directors-and-Officers-Versicherungen, kurz D&O-Versicherungen auf den Plan. Aber Vorsicht. Eine D&O Versicherung ist kein Persilschein. Gilt die Versicherung, die das Unternehmen abgeschlossen hat auch vollumfänglich für Sie? Wie sehen die entscheidenden Modalitäten aus? Sieht die Versicherung eine Selbstbeteiligung vor? Gibt es Risiken, die nicht versichert sind? Und, und, und. Auch hier gilt es, die Verträge von einem Experten prüfen zu lassen.

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