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Der 240.000-Euro-Job, den niemand haben will

Ein Arzt in Neuseeland sucht verzweifelt nach einem Kollegen für seine Praxis. Er bietet ein Jahresgehalt von über 240.000 Euro, drei Monate Urlaub und viele Boni mehr - doch niemand will den Job haben.

Das Städtchen Tokoroa im Norden von Neuseeland: Hier sucht ein Arzt verzweifelt nach einem Kollegen

Das Städtchen Tokoroa im Norden von Neuseeland: Hier sucht ein Arzt verzweifelt nach einem Kollegen

In dem beschaulichen neuseeländischen Städtchen Tokoroa führt Dr. Alan Kenny eine kleine Praxis. Sein Geschäft boomt. Die Praxis ist jeden Tag rappelvoll. Alleine schafft Dr. Kenny den Ansturm seiner Patienten gar nicht mehr. Ein zweiter Arzt würde Abhilfe schaffen. Doch den zu finden, ist offenbar schwieriger, als man denken mag.

Seit zwei Jahren sucht Dr. Kenny nach einem Kollegen, der zusammen mit ihm seine Praxis führen würde, wie er jetzt der Zeitung "New Zealand Herald" erzählte. Nachdem vier Jobagenturen keinen geeigneten Kandidaten fanden, machte sich der verzweifelte Arzt selbst auf die Suche und inserierte eine Stellenanzeige in Online-Jobbörsen. 400.000 neuseeländische Dollar Jahresgehalt bittet Dr. Kenny an - nach dem Abzug von Steuern. Umgerechnet sind das mehr als 241.000 Euro. Zudem gibt es drei Monate Urlaub im Jahr, keine Wochenend- oder Nachtschichten und nur vier Arbeitstage in der Woche.

Kein einziger Bewerber in vier Monaten

Klingt nach einem Traumjob. Doch es ist wie verhext: In den vier Monaten, seitdem Dr. Kenny die Stellenanzeige aufgegeben hat, habe sich kein einziger Kandidat beworben, so der 61-Jährige. "Ich kann wirklich ein erstaunliches Einkommen anbieten. Meine Praxis ist im letzten Jahr praktisch explodiert. Und je mehr Patienten behandelt werden, desto mehr Geld verdient man auch", sagte Dr. Kenny dem "New Zealand Herald".

Das Gehalt, das er anbiete, sei doppelt so hoch wie das durchschnittliche Einkommen von Allgemeinmedizinern in Neuseeland. Doch der finanzielle Anreiz ist offenbar nicht genug, um Bewerber anzulocken. Die Schuld an seiner misslichen Lage gibt Dr. Kenny der ländlichen Lage des Städtchens, in dem er seine Praxis hat.

Alle wollen in Auckland bleiben

Tokoroa liegt auf der nördlichen Insel von Neuseeland. Knapp 14.000 Seelen zählt der Ort. Laut "New Zealand Herald" liegt das durchschnittliche Einkommen der Bürger von Tokoroa bei gerade einmal 17.300 neuseeländischen Dollar, nur etwas mehr als 10.000 Euro. Die Arbeitslosenquote liegt bei 22 Prozent.

"Die größte medizinische Fakultät des Landes befindet sich in Auckland und die meisten Studenten kommen aus wohlhabenden Familien aus der Gegend um Auckland", sagte Dr. Kenny dem Blatt. Die meisten von ihnen würden daher in dem Ballungsraum bleiben. Das abgelegen Tokoroa wirke auf für junge Ärzte hingegen nur wenig reizvoll.

Dabei gebe es mehr als genug zu tun. 6000 Patienten hat Dr. Kenny derzeit. Eine Arbeitsbelastung, die der Arzt nicht mehr bewältigt. "Im vergangenen Jahr habe ich meinen Urlaub abgesagt, weil ich keinen Stellvertreter finden konnte und dieses Jahr werde ich den Urlaub wahrscheinlich auch stornieren müssen. Und es ist einfach zu anstrengend für mich", erzählte Dr. Kenny dem "New Zealand Herald". "Wenn es schon so schwer ist, einen Arzt zu finden, der mit mir arbeitet, dann wird es ein Teufelsjob werden, jemanden zu finden, der mich einmal ersetzt", fürchtet Dr. Kenny.

ivi

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