Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Vom Politstar zum einsamen Mahner

Vor zehn, fünfzehn Jahren war der damalige Sozialminister Norbert Blüm noch Star der CDU-Sozialpolitk. Doch seit Angela Merkel die Partei leitet, mag niemand mehr seine Grundsätze einer katholischen Sozialehre hören.

In den 80er und noch zu Beginn der 90er Jahre war Norbert Blüm der sozialpolitische Star seiner Partei, der CDU. Heute ist seine Rhetorik noch immer gleich brillant. Die CDU ist unter der Vorsitzenden Angela Merkel aber auf einen anderen Weg gewechselt. Blüm findet kaum noch Zustimmung, wenn er bei Parteiveranstaltungen die Grundsätze der katholischen Soziallehre anmahnt.

16 Jahre Sozialminister

Seinen 70. Geburtstag am 21. Juli verbringt Blüm in Finnland, wo er schon seit vielen Jahren gern Urlaub macht. Blüm wurde in Rüsselsheim als Sohn eines Kfz-Schlossers und Busfahrers geboren. Nach der Volksschule lernte er Werkzeugmacher beim Automobilhersteller Opel in seiner Heimatstadt, trat 1949 in die IG Metall und 1950 in die CDU ein. Am Abendgymnasium in Mainz holte er das Abitur nach und studierte schließlich Philosophie, Germanistik, Geschichte, Theologie und Soziologie in Köln und Bonn.

Nach dem Studium wurde Blüm 1968 zunächst Hauptgeschäftsführer der CDU-Sozialausschüsse, später, 1977, folgte er seinem Mentor Hans Katzer im Vorsitz der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft. 1972 zog Blüm erstmals in den Bundestag ein. 1982 wurde er Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung im ersten Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl - und blieb die ganzen 16 Jahre der Ära Kohl in dieser Position.

Sozialpolitische Weichenstellungen

Mit Blüms Namen verbinden sich zahlreiche sozialpolitische Weichenstellungen und Reformen, darunter das befristete Vorruhestands-Modell von 1983, das Beschäftigungs-Förderungsgesetz von 1984, eine der zahlreichen Gesundheitsreformen (1989), eine der inzwischen fast so häufigen Rentenreformen (1992). Als größte sozialpolitische Leistung seit der Wiedervereinigung rechnete sich Blüms Arbeitsministerium die Einführung der Pflegeversicherung zum 1. Januar 1995 an, die erst nach langwierigen Verhandlungen gegen den anfänglichen Widerstand des Koalitionspartners FDP durchgesetzt wurde.

Mitte der 90er Jahre kam Blüm bei steigender Arbeitslosigkeit und immer lauteren Forderungen nach Abbau des teuren Sozialstaats aus Wirtschaft und FDP mit seinen eher sozialdemokratischen Positionen immer mehr unter Druck auch aus den eigenen Reihen. Das vom Kabinett Ende Juni 1996 verabschiedete Sparprogramm "Für mehr Wachstum und Beschäftigung" brachte Verschlechterungen bei der Lohnfortzahlung, beim Kündigungsschutz und bei beschäftigungsfördernden Maßnahmen, aber auch danach hielt der Druck an. Blüm wetterte vor der Bundestagswahl des Jahres 1998, die das Ende der Regierung Kohl brachte, gegen einen "Abriss des Sozialstaates".

Auch als Kinderbuchautor hervorgetreten

Nach dem Wahlsieg von SPD und Grünen zog sich Blüm schrittweise aus der aktiven Politik zurück. Anfang 1999 gab er nach zwölf Jahren den Landesvorsitz der CDU in Nordrhein-Westfalen auf, im Oktober 2002 schied er aus dem Bundestag aus. Seit Herbst 2000 ist er als Mitglied des Rateteams in der Neuauflage des Fernseh-Beruferatens "Was bin ich?" zu sehen. Blüm trat vermehrt auch als Autor unter anderem von Kinderbüchern hervor. Er engagiert sich zusammen unter anderen mit dem Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck, und Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler für Menschen- und Kinderrechte vor allem in den Entwicklungsländern.

Joachim Sondermann/AP/AP
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools